Reicht im Strafrecht auch das Wissen allein als Vorsatz Tat aus?

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4 Antworten

Anm: Zwischen Tittel " Reicht im Strafrecht auch das Wissen allein als Vorsatz Tat aus?" und dem Fragetext "Absicht für böse Tat" besteht ein Widerspruch, denn Wissen = Wissen und Wollen = Absicht"

Ich gehe nun einfach mal bei der Beantwortung von deiner obigen Titelfrage aus. " Reicht im Strafrecht auch das Wissen allein als Vorsatz Tat aus?"

I. Allgemein:

  1. Vorsatz ist das Wissen und Wollen der obj Tatbestandsverwirklichung - Der Vorsatz besteht somit aus zwei Elementen.
  2. Eine Form des Vorsatzes bei dem es primär um sein Wissen geht, ist der sog dolus directus 2. Grades. Dieser liegt vor, wenn der Täter den Eintritt des Erfolges zumindest als sicher voraus sieht, aber es ihm auf diesen nicht zwangsläufig ankommt (dieser kann ihm sogar unerwünscht sein).

  3. Allerdings muss zum Wissen ua immer noch eine objektiv zurechenbare Handlung oder eine nicht wahrgenommen Handlungspflicht des Täters hinzukommen!

II. Dies bedeutet konkret beim Begehungsdelikt:

  • Beispiel für ein Begehungsdelikt: Eigentümer will unbedingt die Versicherungssummer seines Hauses kassieren; setzt sein Haus in Brand, obwohl ihm bekannt ist, dass sein Freund noch darin ist
  • erstens liegt hier eine Handlung (Inbrandsetzen) des Eigentümers vor und zweitens hat er sicheres Wissen darüber, dass der Freund stirbt, aber dies nimmt er in Kauf um die Versicherungssumme zu bekommen
  • Folge: Eigentümer hat vorsätzlich den Freund getötet

III. Dies bedeutet konkret beim Unterlassungsdelikt:

  • Beispiel: kleines Kind spielt an einem tiefen Teich, obwohl es nicht schwimmen kann; Vater sieht das sein Kind hinein fällt; Vater rettet es aber nicht, weil er lieber weiter mit der Dame im Bekini flirtet
  • hier liegt erstens eine Handlungspflicht des Vaters als Garant vor und zweitens hat er sicheres wissen, dass das Kind sterben wird, nimmt es aber für den seinen Flirt in Kauf
  • Folge: Vater hat vorsätzlich sein Kind durch unterlassen getötet

IV. Antwort:

Nein, bloßes Wissen über einen Umstand ist grundsätzlich nicht strafbar!

am3001 15.10.2012, 16:14

Jetzt hast du dir selbst widersprochen...du hast doch den direkten Vorsatz beschrieben, bei dem das Wissen im Vordergrund steht und sogar ein Nicht-Wollen des Erfolges vorliegen kann...das hohe Maß an Wissen verdrängt das Wollen...der Täter handelt demnach auch vorsätzlich, wenn er den Erfolg voraussieht, aber eigentlich nicht will.

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Unwissender85 15.10.2012, 17:06
@am3001

Für eine Strafbarkeit ist es ua notwendig dass der obj Tatbestand erfüllt ist, dh selbst wenn der subj Tatbestand (dolus directus 2. Grades - Wissen) zu bejahen ist, ist darüber hinaus, wie oben dargestellt, das Vorliegen eine zurechenbaren Handlung (oder bei Unterlassungsdelikte eine Handlungspflicht) notwendig!

Anm: Wissen reicht nur im Blick auf den subj Tatbestand aus, aber nicht für eine insgesamte Strafbarkeit!

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MonicaLinda 21.10.2012, 14:52

was meinst du dazu: jemand hat einem eine Arbeit gegeben, die zu gefährlich ist, das läuft unter experiment, jetzt ist er tot mit 48 jahren, nützt eine anzeige noch?

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Unwissender85 21.10.2012, 15:29
@MonicaLinda

So kann ich dazu nichts sagen, da zu wenig Fakten vorliegen. - Weiß der Arbeitnehmer von der Gefahr - um was für eine gefährliche Arbeit handelt es sich - ist dem Arbeitgeber die Gefahr bekannt - gab es schon mal bei der Arbeit durch die Gefährlichkeit Zwischenfälle etc...

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MonicaLinda 21.10.2012, 15:44
@Unwissender85

ja klar Arbeit mit Radioaktivität im alleingang ist am Biozentrum in Basel passiert, der Mann ist tot und niemand macht eine Anzeige, weil niemand findet viele Beweise, was meinst du? soll ich Anzeige erstatten?ja es gab schon mal einen Toten - eine saubande sondergleichen

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Unwissender85 21.10.2012, 16:50
@MonicaLinda

Du hast dir schon die Antwort gegeben, es wird an den Beweisen mangeln, Zumal hier ein Fall der sogenannten eigenverantwortlichen Selbstgefährdung vorliegen könnte, sofern der Mann sich trotz Wissen, dass es gefährlich ist und es ihn umbringen könnte, sich der Gefahr ausgesetzt hat. Desweiteren gehe ich mal davon aus, dass die Staatsanwaltschaft alleine aus öffentlichem Interesse der Sache schon nachgeht bzw nachgegangen ist... Aber wie gesagt es ist schwer wirklich was konkretes zu sagen, wenn man den Fall nicht detailliert kennt...

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Meist du Wissen von einer Tat, die jemand anderes begangen hat?

Kommt auf den Einzelfall an, würde ich sagen.

Oder meinst du das theoreischen Wissen, wie man eine Tat begehen kann und den Willen, diese auszuführen?

Solange du die Tat nicht ausführst, ist da auch noch nichts strafbar. Ich kann eine Straftat haargenau planen, solange ich nicht zur Tat schreite, habe ich ja noch nichts verbrochen. Sonst wäre ja jeder Krimiautor ein Gefängniskandiat.

MonicaLinda 14.10.2012, 16:55

zb jemanden einer Gefahr aussetzen

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Othetaler 14.10.2012, 17:07
@MonicaLinda

Ein kleines Kind auf der Autobahn aussetzen ist sicher strafbar.

Ihm ein Messer zu geben, mit dem es sich verletzten kann, damit es beim Kochen mitmachen kann, sicher nicht unbedingt. Kommt aber im Zeifel auf den Einzelfall an.

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Die Nichtanzeige einiger geplanter Straftaten ist strafbar. Das Wissenum eine begangene Tat nie.

Man kann STraftaten auch durch Unterlassen begehen - also nichts tun, obwohl man dazu verpflichtet wäre.

Strafbar ist eine Tat nur dann, wenn sie wenigstens versucht wird. Dafür ist eine Handlung erforderlich. Die bloße Planung ist nicht strafbar.

Ich bin nicht sicher was du meinst, aber allein ein Gedanke ist nicht strafbar.

lg, couka

MonicaLinda 14.10.2012, 16:49

Vorsatz ist Wissen und Willen. Wenn ich zb jemandem mit dem Presslufthammer arbeiten lasse, weiss ich dass er sich verletzen wird.

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