Rechtliche Schritte einleiten, wenn Arbeitgeber sich nicht mehr meldet wegen dem Arbeitszeugnis

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Welche Möglichkeiten hat ein Arbeitnehmer aber, wenn ein Zeugnis unerwartet schlecht ausfällt? "Zunächst einmal würde ich mich gütlich mit dem Arbeitgeber einigen wollen", sagt Kießling. "Gerade in kleineren Firmen steht oft gar keine Bösartigkeit hinter schlechten Zeugnissen. Die werden dort vielleicht von Chefs geschrieben, die selbst mit den Feinheiten der wohlwollenden Zeugnissprache wenig vertraut sind." Dem kann ein Arbeitnehmer aber vorbeugen, indem er seinem Vorgesetzten gleich einen fertigen Zeugnisentwurf zur Unterschrift vorlegt. Das spart beiden Zeit und Ärger.

Geht der Vorgesetzte auf diesen Wunsch nicht ein, sollte der Mitarbeiter möglichst konstruktiv an die Sache herangehen und Alternativen für die Passagen vorschlagen, bei denen er sich unterbewertet fühlt. Können sich Arbeitgeber und -nehmer aller Diplomatie zum Trotz nicht einigen, führt kein Weg am Arbeitsgericht vorbei. Diesen Schritt sollte man aber nicht übereilen, mahnt Thomas Redekop von der Berliner Personalmanagement Service GbR (PMS).

Der letzte Schritt: Der Gang vors Arbeitsgericht

"Änderungen, die vor Gericht durchgesetzt wurden, erkennen Experten fast immer", sagt Redekop. Beispielsweise, wenn ein mehrseitiges Zeugnis, das in vielerlei Hinsicht auf die Note "Gut" schließen lässt, plötzlich einige wenige "Sehr Gut"-Formeln enthält. Das nämlich sei nicht nur in sich unlogisch, sondern verrate auch, dass der Mitarbeiter selbst bei Kleinigkeiten vor Gericht zieht. Wer einen solchen Eindruck hinterlasse, katapultiere sich unter Umständen schneller ins Aus als mit einem schlechten Arbeitszeugnis.

Doch längst nicht alle schlechten Zeugnisse sind aus Bösartigkeit negativ formuliert - manchmal stimmen Selbst- und Fremdbild einfach nicht überein, sagt Frank Kießling. "Es gibt Fälle, da ist die Gesamtnote 'Drei' ja durchaus gerechtfertigt, auch wenn der Betreffende sich selbst besser beurteilen würde." Dann hätte eine Klage wenig Aussicht auf Erfolg. Immerhin steht vor Gericht nicht nur der Chef unter Beweiszwang - auch ein Angestellter muss handfeste Argumente liefern, warum die Gesamtnote des Abschlussschreibens nach oben korrigiert werden muss. Kießling rät stattdessen zur Flucht nach vorn: "Wer wirklich glaubt, dass er besser ist, sollte das im Bewerbungsgespräch auch so sagen, entsprechend begründen und dann auf das Vertrauen des Personalchefs hoffen."

Manche Bewerber legen ein schlechtes Zeugnis nicht bei

Manchmal kommen Bewerber aber auch umhin, die schlechte Beurteilung auf dem Silbertablett zu präsentieren. "Viele Arbeitnehmer bewerben sich aus festen Stellungen heraus. Da liegen der Bewerbung oft noch keine Zeugnisse vom letzten Arbeitgeber bei", weiß Thomas Redekop. Eine ähnliche Erfahrung machte auch Andreas Fleischhauer, der inzwischen wieder in Lohn und Brot steht. Bei seinen neuen Arbeitgeber legte er die Kopien des mangelhaften Zeugnisses den Bewerbungsunterlagen nicht bei.

Nicht in der Absicht zu betrügen, sondern weil er sich inzwischen in einer offenen juristischen Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber befand. Neben dem Arbeitszeugnis ging es um ausstehende Gehälter. Im Bewerbungsgespräch darauf angesprochen, antwortete Fleischhauer wahrheitsgemäß, der Personalchef nickte mitleidsvoll - und bot ihm die Stelle als Softwareentwickler an. Absichtlich weggelassen hätte die Fleischhauer das Zeugnis jedoch nicht - immerhin steht es jeder Personalabteilung frei, fehlende Papiere nachzufordern. Kopiert:

http://inhalt.monster.de/10519_de-de_p1.asp

(Hagen Kunze / Bild: Digital Vision)

Anrufe und E-mails bringen dich nicht weiter. Du solltest erst noch einemal schriftlich ein korrektes Zeugnis anmahnen. Einschrieben mit Rückschein. Frist setzen. Danach kann man vor dem Arbeitsgericht Klage einreichen. Eine Klage vor dem Arbeitsgericht ist kostenlos.

Eine Klage vor dem Arbeitsgericht ist nur dann kostenlos,wenn sich die Parteien einigen bevor förmlich Anträge gestellt werden. Ansonsten fallen Gerichtsgebühren an. Sozialgerichtsverfahren sind gerichtskostenfrei.

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Zeugnisberichtigungsklagen sind nicht ganz einfach. Manchmal werden von Laien Berichtigungen verlangt, die gar nicht wirklich günstig sind. Hier empfiehlt es sich, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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