Rechtliche folgen als Ersthelfer?

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9 Antworten


Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Ersthelfer, der die ihm bestmögliche Hilfe leistet, keine straf- oder zivilrechtlichen Folgen befürchten muss.

Dabei wird allerdings bei bestimmten Berufsgruppen, etwa einem Sanitäter,  der Einsatz des erworbenen Sonderwissens erwartet (sog. Garanten).

Eine Ausnahme von dem Ausbleiben von straf- oder zivilrechtlichen Folgen gilt dann, wenn der Ersthelfer vorsätzlich oder grob fahrlässig falsche Maßnahmen anwendet, und ihm dies nachgewiesen werden kann.

Von grober Fahrlässigkeit ist auszugehen, wenn dem Ersthelfer ein persönlicher Vorwurf gemacht werden kann, das heißt, wenn der Ersthelfer leichtfertig bei der Durchführung der Hilfeleistung gehandelt hat.

Dazu muss der Ersthelfer erkennen können, dass sein Handeln für ein geschütztes Rechtsgut hätte gefährlich werden können.

Bsp: Er schockt einen Patienten mit Profigerät, obwohl sein Herz schlägt. Er übersieht eine Halsfraktur und hebt den Verletzten ohne stiff neck auf eine  Trage. Er bindet eine stark blutende Extremität ab. Er setz eine Injektion. Er hält einen lallenden Open Air Festivalbesucher, der über Kopfschmerzen klagt für einen Betrunkenen, wimmelt ihn mit Aspirin ab und der bricht kurz darauf mit Hitzschlag zusammen.

G imager761



Ganz schön kniffelige Frage!

Zunächst einmal ist ein klassischer Ersthelfer für fehler nicht haftbar.
Übernimmt eine Person jedoch eine spezielle Rechtsstellung zu einem Andern, erwächst in diesem Falle eine "Garantenstellung" (das hat übrigens nichts mit dessen fachlicher Qualifikation zu tun.) 

Beauftragt der Veranstalter einen Sanitätsdient (eine juristische Person - also klassischerweise eine Hilfsorganisation, e.V. GmbH etc.) so geht die gesamte juristische Haftung auf diese über.

Überträgt der Veranstalter die sanitätsdienstliche Betreuung einer natürlichen Person - in diesem Falle einem ehrenamtl. Helfer einer - gar nicht beteiligten HiOrg - haftet zunächst zivilrechtlich der Veranstalter - und strafrechtlich dessen Vetretungsberechtigte (Vorstand, Geschäftsführer etc.)

Der "Ehrenamtliche" mit dem "Sanitäter-Jäckchen" übernimmt alleine durch seinen "Auftritt als Sani" die Garantenstellung und ist jetzt zu besonderer Sorgfalt verpflichtet. übernimmt er einen Dienst bei einem Reitturnier oder einer Kletterveranstaltung mit zu erwartender Wirbelsäulenverletzung ohne eine Vakuummatratze, Schaufeltrage oder Spineboard zur Verfügung zu haben, gibt es keinen Defi für die mehr als 300 Anwesenden oder Ähnliches,  hat der Helfer ganz schnell zumindest den Vorwurf des Übernahmeverschuldens oder gar der Fahrlässigkeit an der Backe.

Fazit:
Handelt es sich bei der Veranstaltung um eine Theateraufführung mit  50 Teilnehmern, und dort sitzt "zufällig" ein Sani (in Zivilkleidung und somit nicht als ein "Garant" zu erkennen!) kann dieser natürlich bei der Erfüllung seiner Hilfeleistungspflicht nach $323c straffrei auch kleine Fehler begehen.

Wurde für eine Veranstaltung mit Gefährdungspotential (was sich regelmäßig alleine aus der Anzahl der Teilnehmer ergeben kann!) keine entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen (Sanitätsdienst) gibt´s für alle Verantwortlichen mächtig Ärger und Regressansprüche in diesem Fall gegen den Veranstalter und seinen "Erfüllungsgehilfen" - den einwilligenden Sani.

Ruf das zuständige Ordnungsamt an, die stellen klare Auflagen zu entsprechenden Veranstaltungen.

Erklärt die Behörde eure Vearanstaltung als nicht genehmigungspflichtig, beauftragt ggf. eine örtliche Hilfsorganisation mit der sanitätsdienstlichen Betreuung. Das ist alles in allem immer deutlich billiger als eine einzige Schadensersatz-, Schmerzensgeld- oder sonstige Klage

Da greifen Strafrecht und Zivilrecht.
Einerseits wegen der Nothilfepflicht.

Andererseits ist er als Einzelperson bei Geschäftsführung ohne Auftrag für seine Handlungen haftbar. In Deutschland sind die Ausdrücke vielleicht anders.

Ich persönlich würde das nie tun, sondern nur bei Haftungsübernahme durch Verein, Arbeitgeber oder meinen Rettungsdienst.

Wie hier schon gesagt wurde kommt es drauf an welche Qualifizierung derjenige hat.

Wenn ihr bei eurem Sportfest einem einen der nen EH schein hat einen Verbandkoffer mit eisspray gibt und er nur dinge behandelt die er sich nach seiner Qalifikation zutraut dann kann ihm nichts passieren.

Ich denke mal das der gesunde Menschenverstand schon sagt das wenn derjenige sieht da könnt was gebrochen sein oder es ist etwas das nicht als bagatelle zu erkennen ist dann die Kollegen des RD dazu holt.

Damit ist er seiner Pflicht auch schon nachgekommen und kann nicht belangt werden.

Mein Rat,am besten soll er egal was es ist dazu sagen das er hier jetzt nicht mehr tun kann und das es wenn es nicht besser wird oder man sicher gehen will doch bitte in eine Ambulanz gehen soll.Soweit es jetzt nichts ist was klar für den RD ist der dringend benötigt wird.

Damit befindet man sich auch nochmal auf der sicheren Seite.

Ich bin selbst Sanitäterin und Erste Hilfe Ausbilderin. Daher weiß ich, dass uns ein Paragraph davor schützt und besagt: "Wir müssen nach besten Wissen und Gewissen handeln."

Hat eine Person also einen Fehler gemacht, so kann sie dafür nicht belangt werden, wenn diese dachte es wäre zum Besten der verletzten Person.

Liebe Grüße :) Hoffe es hilft dir weiter!

Olivia

Sofern er nicht vorsätzlich falsch handelt, kann er bei evtl. Fehlern nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

imager761 10.09.2017, 18:51

Nein, ein ausgebildeter Sanitäter haftet mit seinem Sonderwissen bereits für grobe Fahrlässigkeit.

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Aliha 10.09.2017, 19:33
@imager761

Gefragt wurde nach einem Ersthelfer und nicht nach einem professionellen "Retter".

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Das kommt immer auf seine Qualifikation an, und auch auf die Erfahrung. Von einem jungen San A Helfer erwartet die Justiz weniger als von einem erfahrenen notfallsanitater.

Nur wenn er vorsätzlich falsch handelt.

imager761 10.09.2017, 18:51

Nein, ein ausgebildeter Sanitäter haftet mit seinem Sonderwissen bereits für grobe Fahrlässigkeit.

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stellst du diese frage weil ihr ihn von jedem ärger fern halten wollt - oder deshalb, schon von vornherein schon zu wissen wen man im fall des falles als sündenbock hernehmen kann ?

das erschließt sich nicht aus deiner fragestellung !

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