Rechte an "alter" Literatur aneignen

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2 Antworten

UrhG § 64 Allgemeines: Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers. http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html.

Wenn das 70. Todesjahr um ist, ist das Werk dieses Autors gemeinfrei. Es kann also von Jedermann verwertet (s. UrhG §§ 15 ff.) werden - keiner kann dies einem anderen mehr untersagen im Sinne von UrhG § 97 Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz.

Und davor: Da wende man sich an die Erben des Urhebers und bitte diese um eine UrhG § 31 Einräumung von Nutzungsrechten. Kriegt man ein ausschließliches Nutzungsrecht, dann kann man die Nutzung des Werkes Dritten untersagen.

Was kostet das? Das steht in UrhG § 32 Angemessene Vergütung.

Und wie findet man die Erben? Per Internet und Telefonbuch, oder mit Hilfe von Anwälten, Detektiven und Ahnenforschern.

Ich würde mich zunächst aber an die Zeitungen des Landkreises wenden, in dem der Urheber zuletzt gewohnt hat ... Oder an den letzten Verlag bzw. Filmverleih des Urhebers.

Gruß aus Berlin, Gerd

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IMThomas 28.03.2014, 19:04

Wenn das 70. Todesjahr um ist, ist das Werk dieses Autors gemeinfrei. Es kann also von Jedermann verwertet (s. UrhG §§ 15 ff.) werden - keiner kann dies einem anderen mehr untersagen im Sinne von UrhG § 97 Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz.

Damit komme ich nicht wirklich klar. Wie kann es dann dennoch angehen, daß sich jemand die alleinigen Verwertungsrechte z. B. an Nosferatu aneignen kann? Es gibt immer wieder Streitfälle bezüglich der Nutzung solch alter Schinken. Selbst uralte Kinderbücher und Märchen sind davon betroffen.

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GerdausBerlin 28.03.2014, 20:35
@IMThomas

Bei solchen Streitfällen handelt es sich in der Regel um Neu-Bearbeitungen alter Werke, deren Bearbeiter

a) noch keine 70 Jahre tot ist

b) ein eigenes geschütztes Werk geschaffen hat durch seine Bearbeitung (s. Wikipedia - Schöpfungshöhe).

UrhG § 3 Bearbeitungen: Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt. Die nur unwesentliche Bearbeitung eines nicht geschützten Werkes der Musik wird nicht als selbständiges Werk geschützt.

Dies war massenhaft der Fall, als Karl May 70 Jahre tot war: Viele Verleger dachten, jetzt wäre ihre Stunde gekommen, sich eine Scheibe abzuschneiden an uinserem erfolgreichsten Autor. Leider vergriffen sich die meisten an den teils erheblichen Bearbeitungen des noch lebenden Verlegers Schmidt in Bamberg ;-) - und unterlagen demnach auch in Rechtsstreits. Denn nur das Original - oder viel ältere Bearbeitungen - wären frei gewesen.

Beim Film Nosferatu könnte eine neuere Vertonung oder Zusammenstellung bzw. eine Erstveröffentlichung (von Teilen) ein eigenes, neues Urheberrecht bzw. Verwertungsrecht gebären.

Oder aber dies greift:

UrhG § 65 Miturheber, Filmwerke, Musikkomposition mit Text

"(1) Steht das Urheberrecht mehreren Miturhebern (§ 8) zu, so erlischt es siebzig Jahre nach dem Tode des längstlebenden Miturhebers.

(2) Bei Filmwerken und Werken, die ähnlich wie Filmwerke hergestellt werden, erlischt das Urheberrecht siebzig Jahre nach dem Tod des Längstlebenden der folgenden Personen: Hauptregisseur, Urheber des Drehbuchs, Urheber der Dialoge, Komponist der für das betreffende Filmwerk komponierten Musik.

(3) Die Schutzdauer einer Musikkomposition mit Text erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Längstlebenden der folgenden Personen: Verfasser des Textes, Komponist der Musikkomposition, sofern beide Beiträge eigens für die betreffende Musikkomposition mit Text geschaffen wurden. Dies gilt unabhängig davon, ob diese Personen als Miturheber ausgewiesen sind."

Gruß aus Berlin, Gerd

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Im Standardfall – also ein einzelner Autor, der ein eigenes Werk zu Lebzeiten veröffentlicht – gibt die revidierte Berner Übereinkunft eine Mindestdauer von 50 Jahren nach dem Tod des Schöpfers (post mortem auctoris) vor.[18] Die Mitgliedsstaaten können längere Schutzfristen einführen. Zahlreiche Staaten haben die Schutzfrist auf 70 Jahre erhöht, darunter 1965 Deutschland (§ 64 UrhG-D), 1972 Österreich (§ 60 UrhG-AT) und 1985 Frankreich (Art. L123-1 Code de la propriété intellectuelle)

www.wikipedia.de, Stichwort Urheberrecht

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