Recht auf Bezahlung beim Praktikum?

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Grundsätzlich hat ein Praktikant ein Anrecht auf eine Vergütung; es kommt allerdings auf die Art des Praktikums an und ob es sich sogar um ein "Scheinpraktikum" handelt.

Praktika im Rahmen von behördlichen oder schulischen Maßnahmen bleiben davon unberührt (allerdings scheint es sich bei Dir auch nicht um einen Ausschlußfall zu handeln)

Für ein Scheinpratikum und damit für eine Vergütungspflicht spricht wenn:

Arbeitsleistung steht im Vordergrund - Erlangen von Kenntnissen und Fähigkeiten steht im Hintergrund - kaum Einarbeitung und Vermittlung von Kenntnissen - kaum Unterschied zu “normalen” Arbeitnehmern in Betrieb - Eingliederung in den betriebliche Organisation -

Die übliche Vergütung kann der Praktikant einklagen. Zu beachten ist, dass es durchaus sein kann, dass tarifvertragliche Ausschlussfristen zu beachten sind, so dass der Anspruch nach Ablauf dieser Fristen verfällt.

Nun ist nicht darauf abzustellen, ob etwas in einem Vertrag als Praktikum bezeichnet wird, sondern es kommt auf die tatsächliche Tätigkeit an.

Im Praktikumsvertrag ist allerdings 0 € vereinbart worden. Dies könnte eine unwirksame Lohnabrede sein. Auch die 400 € könnten sittenwidrig und daher rechtswidrig sein.

Liegt tatsächlich ein Arbeitsverhältnis vor, gelten die allgemeinen Maßstäbe für die Bewertung von Arbeitslöhnen. Liegt eine unwirksame Lohnabrede vor, so bleibt der restliche Arbeitsvertrag nach § 139 BGB erhalten, da die entstandene Lücke durch die Regelung des § 612 BGB ausgefüllt werden kann. Deswegen kann vom Arbeitgeber – auch nachträglich – ein angemessenes Entgelt verlangt werden.

Eine Lohnabrede kann nach § 138 I, II BGB nichtig sein, wenn sie in einem auffälligen Missverhältnis zum Wert der Arbeitsleistung steht. Das Missverhältnis bestimmt sich nach dem Verhältnis zwischen dem objektiven Wert der Arbeitsleistung und dem tatsächlich gezahlten Arbeitsentgelt. Zudem ist auch die tägliche Arbeitszeit zu berücksichtigen

Steht die Ausbildung im Vordergrunde richtet sich eine Vergütung nach § 17BBiG (Ausbildungsvergütung). Dies ist dann kein Arbeitslohn sondern mehr als eine Aufwandsentschädigung zu sehen (Urteil BAG v. 13.03.2003).

Fazit: Es muß geprüft werden ob es sich um ein sog. Scheinpraktikum handelt, daß gleichzusetzen ist mit einem Anspruch auf Arbeitslohn.

Dann muß geprüft werden, ob die Vereinbarung von 0 € eine unwirksame Lohnabrede ist (was mir hier der Fall zu sein scheint).

Ich empfehle daher eine Kurzauskunft bei einem RA (ist nicht so teuer) oder, falls Du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, dann dort nachfragen.

Die Aussicht auf eine Vergütung stehen meiner Meinung nach nicht schlecht, da Du als vollwertige und gleichzusetzende Arbeitskraft eingesetzt bist; die Vermittlung von Lerninhalten stehen nicht im Vordergrund, sondern Deine Arbeitsleistung.

Nachtrag:

Anders verhält es sich, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine unverbindliche Kennenlernphase -auch Einfühlungsverhältnis genannt - vereinbaren. So besteht bei einer Kennenlernphase keine Verpflichtung zur Arbeitsleistung, der Arbeitnehmer unterliegt nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers und ist so zum Beispiel nicht an feste Arbeitszeiten gebunden. Für dieses Einfühlungsverhältnis darf er keine Vergütung beanspruchen.

Das dürfte aber aufgrund Deiner Schilderung eher nicht gegeben sein!!

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@DerSchopenhauer

Wow, Danke für die Antwort!

Jetzt ist mir einiges klarer geworden.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass ich nicht so weit gehen muss.

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Als ich nun bei der Firma war, habe ich ein Praktikumsvertrag unterschrieben der über max 2 Monate gehen soll. Im Feld, bei der die Bezahlung angegeben wird steht 0€.

Du hast dafür unterschrieben, umsonst zu arbeiten. Was willst du da jetzt einklagen? Hast du was Schriftliches, Zeugen für deine Abmachung? Es ist nicht ungewöhnlich, dass Praktika unentgeltlich sind.

Nein, das habe ich nicht. Das steht zwar so auf dem Papier, aber ich hab nur das unterschrieben, weil auch eine Entlohnung mündlich abgemacht war. Mir war das damal schon nicht geheuer, und wusste dass das evt. zu Problemen kommen könnte, habs aber trotzdem gemacht.

Wenn ich jetzt so mal google, dann stoß ich auf Seiten wie die hier: http://www.studis-online.de/Karriere/art-723-praktikumsverguetung.php

Unten, unter der Überschrift "Was Tun?" steht jetzt, dass man, obwohl im Vertrag keine Vergütung vorgesehen ist, eine Entlohnung verlangen kann, wenn ein paar Voraussetzungen n i c h t gegeben sind, die bei mir nicht eintreten.

Abgesehn bedeutet Praktikum doch unter anderem etwas zu lernen, oder? Ich war als einziger Grafiker bei der Organisation tätig, und hab dementsprechend für meine Branche rein gar nichts gelernt, und bei organisatorischen Dingen wurde ich nicht miteinbezogen.

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@phife

Das steht zwar so auf dem Papier

Und was meinst du, hat Beweischarakter? Doch wohl eher das, was schwarz auf weiß geschrieben und von dir unterzeichnet wurde. So naiv kannst du doch nicht sein!

Abgesehn bedeutet Praktikum doch unter anderem etwas zu lernen, oder?

Nein, nicht zwingend. Steht denn in deinem Vertrag, dass du zu Ausbildungszwecken das Praktikum absolvierst?

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@MenschMitPlan

nein ich bin nicht so naiv. Es geht mir hier nicht nur um Beweislast, sondern zu erfahren, ob es bei solchen Fällen auch eine Art Schutz gibt, für die Praktikanten, weil sie mit falschen Zugeständnisses hinters Licht geführt werden. Ich hatte schon Klienten, bei denen es Probleme mitder Zahlung gab, das hat sich aber meisten mit Einsendung der 1. Mahnung erledigt. Der einzige Grund weshalb ich überhaupt angenommen habe, ist der, dass ich danach als Freelancer bei Ihnen tätig sein kann.

Im Vertrag steht Ausbildungspraktikum, ja.

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Was im Vertrag steht gilt. Ein Praktikum ohne Bezahlung ist (zeitlich beschränkt) absolut legal.

Zwar gelten mündliche Abmachungen ebenfalls, aber im Zweifel wird es schwer, das zu beweisen. Da bringt es dir dann auch nichts, dass das Recht auf deiner Seite ist, wenn Du es nicht beweisen kannst, was meist nur durch Zeugen geht und war hat beim Vertragsabschluss für Job, Praktikum etc. schon Zeugen dabei.

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