Quecksilber als historische Medizin

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8 Antworten

Wenn jemand krank war, dann hat man ihm Quecksilber eingeflößt. Und wenn er (trotzdem) wieder gesund wurde, was ja bei den meisten Krankheiten ganz normal ist, dann hatte man ihn geheilt. Starb der Kranke dagegen, so hatte man ihm wahrscheinlich noch zu wenig Quecksilber eingeflößt oder er war einfach nicht mehr zu retten. Wenn man sich das so zurechtlegt, ist man bei jeder Behandlung von einer Wirkung überzeugt und glaubt, mit eigenen Augen zu sehen, wie es wirkt. Selbst wenn die Behandlung wirkungslos ist oder sogar schadet. Genau so hat es auch beim Aderlass funktioniert und genau so funktioniert es heute mit Homöopathie, Bach-Blüten und anderen pseudowissenschaftlichen Verfahren.

Die ersten Mediziner, die ihre Verfahren tatsächlich objektiv geprüft haben, hatten es damals sehr schwer, weil alle Leute fest von der Wirkung von Quecksilber und Aderlässen überzeugt und nicht davon abzubringen waren. Genau so ist es ja heute auch. Es gibt zahllose Menschen, die glauben, am eigenen Leib erfahren zu haben, wie Homöopathische Mittel gewirkt haben - obwohl das natürlich genau der selbe Denkfehler wie beim Quecksilber ist. Trotzdem sind pseudowissenschaftliche Verfahren wieder auf dem Vormarsch, weil eine Hand voll kluger Köpfe nicht viel gegen die große, dumme Masse ausrichten kann.

Das sind logische Argumente. Bei den Wissenschaftlern ist es oft genau so. Besten Dank.

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@Teppichfranse

Klar, jeder Wissenschaftler hält auf genau die selbe Weise an seinen eigenen Theorien fest. Deswegen ist es so wichtig, dass es andere Wissenschaftler gibt, die kritische Fragen stellen und genauer untersuchen, was der andere da macht.

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Quecksilber als Gift wirkt nicht nur auf große Organismen, sondern auch auf kleine. So erkannte man früh, das Quecksilber auf Haut und Wunden mit seiner desinfizierenden Wirkung einen positiven Effekt erzielt. Schon in der Antike waren Quecksilber und Quecksilbersalze (z. B. Zinnober) in der Medizin bekannt.

So haben schon arabische Ärzte vor über tausend Jahren z. B. Krätze erfolgreich mit Quecksilber behandelt, weil durch das Quecksilber die Krätzemilben abgetötet wurden. Daraus resultiert wahrscheinlich auch die Behandlung der Syphilis mit Quecksilber, da diese Krankheit lange als Hautkrankheit gesehen wurde. Und wenn man sich die verschiedenen Stadien deser Krankheit ansieht, dann ist verständlich, dass die zwischenzeitliche Symptomfreiheit dem Quecksilber zugeschrieben wurde. Quecksilbersalben wurden übrigens bis ins 20. Jahrhundert zur Behandlung der Syphilis verwendet, bis da ein gewisser Paul Ehrlich kam.

Quecksilberverbindungen wurden auch lange als Antiseptika und Fungizide verwendet, sind aber heute verboten.

gute Antwort, danke .

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Es scheint, dass das silberglänzende, flüssige Metall die Menschen seit jeher fasziniert hat und die Menschen fasziniert, ist allemal ein nützliches Accessoire der Scharlatane.

Noch Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts (eigentlich bis zur Entdeckung der Antibiotika) wurde Quecksilber in der damaligen Schulmedizin für die Behandlung von Geschlechtskrankheiten verwendet - allerdings mit verheerenden Nebenwirkungen.

In seinem Buch: Die Welt von Gestern" schreibt Stefan Zweig (im 3. Kapitel):

"... Durch Wochen und Wochen wurde der ganze Körper eines mit Syphilis Infizierten mit Quecksilber eingerieben, was wiederum zur Folge hatte, dass die Zähne ausfielen und sonstige Gesundheitsschädigungen eintraten; das unglückliche Opfer eines schlimmen Zufalls fühlte sich also nicht nur seelisch, sondern auch physisch beschmutzt, und selbst nach einer solchen grauenhaften Kur konnte der Betroffene lebenslang nicht gewiß sein,ob nicht jeden Augenblick der tückische Virus aus seiner Verkapselung wieder erwachen könnte, vom Rückenmark aus die Glieder lähmend, hinter der Stirn das Gehirn erweichend."

Das ist alles noch nicht so lange vorbei.

Interessante Antwort, danke !

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Man hat z.B. herausgefunden, dass Quecksilber bei der Syphilis hilft. Die Wirkung kam einfach dadurch, dass es die Erreger entsprechend abgetötet hat. Es kommt bei allem nur auf die Dosis an. Auch heute werden, besonders in der Onkologie, Medikamente verwendet, die starke oder lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben (so wie damals das Quecksilber), aber eben auch einen gewissen Nutzen bringen.

Im Körper richtet Quecksilber kaum Schaden an. Es sind die Dämpfe die auf den Organismus giftig wirken. Schluckt man also Quecksilber, ohne daher zu Atmen, was schwer fallen dürfte, wird es auch wieder ohne Probleme ausgeschieden. Damals behandelte man mehrere Krankheiten mit Quecksilber in dem man es schluckte. Heut zu Tage aber undenkbar.

es wurden könige damit vergiftet, man hat schlicht keine ahnung gehabt, wie heute z. t. auch, alles was gehört wird scheint glaubhaft zu sein, sachliche argumente werden gar nicht wahrgenommen...

Naja die Wirkung war schlicht und einfach der Tod :)

Guten Tag!

Wie kamen Ärzte der Vergangenheit auf die Idee, dass man geistig Behinderte heilen könnte, in dem man ihnen eine längliche Nadel durch ihr Auge in das Gehirn steckt und dort ein wenig herumstochert?

Ganz einfach: Der Wunsch nach Prestige, Macht, Einfluss und Geld.

MfG

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