Pubertät und Bulimie - passt das zusammen?

6 Antworten

Während der Pubertät wird das Gehirn komplett umstrukturiert. Da sich nun die körperlichen Attribute und Prioritäten ändern, müssen ebenso die dazugehörige mentale Leistungsfähigkeit angepasst werden.

In dieser Zeit des Umbruchs ist das Gehirn sehr anfällig für allerlei äußere Einflüsse und diese bestimmen dann mehr oder weniger die weitere Entwicklung des Menschen und welcher Mensch er am Ende seiner Pubertät sein wird. Die Areale für die die organische Kontrolle existieren eben nicht abgekoppelt vom Denken und dem Bewusstsein, so dass hier dann auch eine wechselseitige Interaktion besteht.

Nun sind diese äußeren Einflüsse in unserer medialen Zeit so extrem überfordernd (Stichwort: Reizüberflutung), dass dem Individuum kaum Zeit bleibt, diese Eindrücke ordentlich zu verarbeiten. Hinzu kommt, dass dann auch nicht jeder Mensch gleich konstruiert ist und auch nicht jeder den gleichen feinen Nuancen in seinen Umwelteindrücken ausgeliefert ist. Selbst das exakt gleiche Erlebnis kann von zwei unterschiedlichen Menschen auch völlig unterschiedlich betrachtet, aufgenommen und verarbeitet werden. Und so können sich dann durch verschiedene Impressionen Gedanken und Verhalten festsetzen, ohne dass darauf wiederum bewusst Einfluss genommen werden kann. Die allermeisten Eindrücke verarbeiten wir nämlich unterbewusst, weil wir uns sonst auch nicht mehr auf die Aufgabe, die vor uns liegt konzentrieren können.

Bei Essstörungen verhält es sich vom Prinzip her auch nicht anders, als mit allen anderen mentalen Krankheiten. Sie bilden sich im Allgemeinen nach Traumata aus und solch eine unverarbeitete Einflussnahme entspricht im weitesten Sinn dann auch einem neuronalen Trauma. Nur dass dieses Traum nicht durch exogene sondern endogene Ursachen hervorgerufen wird. Man könnte es auch als Bruch in der Entwicklung des Gehirns und der Persönlichkeit beschreiben, weil hierbei zwei diametral entgegengesetzte Impulse nicht vereint werden können, aber gleichwertig existieren sollen. Also ein Paradoxon entsteht nach dem Motto "You can't eat and have the cake at the same time".

Und dennoch ist es nicht ganz so einfach, denn was für den Einen nicht das geringste Problem darstellt, ist für den Anderen eine unüberwindliche Hürde. Auch die bisherigen Lebenserfahrungen spielen hierbei mit hinein und ein Mensch ohne die entsprechende Lebenserfahrungen, Kenntnisse und Erkenntnisse und auch Hilfen steht dann ganz alleine mit seinem Dilemma und dann passieren einfach Fehler in der Entwicklung.

Ich hoffe, das war in der Kürze (und Allgemeingültigkeit) einigermaßen verständlich, denn dieses Thema ist so verdammt komplex, dass man sich damit normalerweise schon ordentlicher befassen muss (Studium), als es hier möglich wäre.

Während der Pupertät spielen häufig die Hormone verrückt. Man versucht sich selber zu verstehen und manche Menschen schaffen es nicht, mit sich selber zu recht zu kommen. Frauen bekommen ihre Periode, werden reifer und wie bei Männern auch verändert sich der Körper. Ich finde das Veränderungen meistens schwer sind und auch Ängste auslösen können. So könnte ich mir einen Teil davon erklären.

Eine Magersucht (oder Bulimie) entwickelt man, weil einem die Kontrolle fehlt im Leben oder in einem bestimmten Punkt. Mit dem Ziel immer dünner zu werden, hat man dann wieder einen leitenden Faden. Man sieht die Erfolge (am eigenem Körper) und wird quasi abhängig von diesem Gefühl/dieser Kontrolle). Die Gründe für den Kontrollverlust können natürlich völlig unterschiedlich sein. 

In der Pubertät ist es natürlich am einfachsten so etwas zu entwickeln, da man hier emotional am instabilsten ist. Dazu kommt natürlich noch der ganze Schönheitswahn, aber das spielt meiner Meinung nach nur eine marginale Rolle, da man sich mit einem Normalgewicht eigentlich mehr als zufrieden geben kann.

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