Psychotherapie ohne Diagnose?

7 Antworten

Der Begriff Therapie (Heilung) impliziert vom Wort her bereits die Notwendigkeit einer Erkrankung.

Psychotherapie dient der Behandlung von Menschen, die an einer psychischen Störung mit Krankheitswert leiden (Diagnose), welche in den Indikationsbereich von Psychotherapie fällt, sofern diesen Menschen voraussichtlich von einer Psychotherapie profitieren werden (ausreichend günstige Prognose), was auch das Vorliegen notwendiger Voraussetzungen auf Seiten des Patienten erfordert. Insofern gilt, dass ohne Diagnose keine Psychotherapie indiziert ist. Ob eine Behandlung von der Krankenkasse oder selbst bezahlt wird, spielt dabei keine Rolle. Es gelten die allgemeinen Grundsätze, nicht zuletzt die beruflichen Sorgfaltspflichten.

Ohne psychisches krankheitswertiges Leiden kann eine Intervention logischerweise keine Psychotherapie sein.

Eine Psychotherapie kann daher auch gesunden Menschen nichts nutzen, genauso wenig, wie Medikamente gegen Krankheiten nichts nutzen, wenn sie von einem gesunden Menschen eingenommen werden.

Die Idee, eine Selbsterfahrung mit Psychotherapie zu vergleichen, ist aberwitzig (und ist pure, brutale Geringschätzung von Menschen, die psychisch schwer erkrankt sind). Das wäre das Gleiche, wie eine Gesundheitsgymnastik mit einer physiotherapeutischen Reha nach einem schweren Unfall gleichzusetzen.

Ich meine, dass gute Psychotherapie auch den vermeintlich Gesunden zur Verfügung steht, denn das fördert eine harmonische Persönlichkeitsentwicklung und das kann nie schaden.

In der Praxis wird das aber keine Krankenkasse bezahlen, denn der Auftrag der Krankenkasse lautet ja: Mach den Menschen so gesund, dass er wieder arbeiten kann.

Damit wäre zu fragen, was denn Gesundheit überhaupt ist. Oft schleppen sich Menschen tagein tagaus zur Arbeit, kommen erschöpft nach Hause, hängen sich vor die Glotze, trinken dabei etwas Alkohol und dann ab ins Bett. Falls gerade Mittwoch ist kommt noch kurzer Sex hinzu. Ist das ein Ausdruck von Gesundheit?

Vielleicht von körperlicher Gesundheit, doch es gibt auch emotionale Gesundheit, und die wird erst als behandelbar angesehen, wenn du wirklich auffällig bist.

Wenn du in einer ähnlichen Situation sein solltest, kannst du direkt einen Psychotherapeuten aufsuchen. Der wird dir sagen, ob du im Sinne der KK gesund bist und falls nötig auch eine Diagnose für dich haben.

Es kann aber auch sein, dass er dir sagt, dass du keine Therapie im Sinne der Krankenkasse brauchst und könnte dir zugleich doch eine Therapie empfehlen, um dir bei der Entwicklung von mehr Zuversicht, Klarheit, Freude und Beziehungsfähigkeit zu helfen. Das müsstest du aber privat bezahlen.

Ich arbeite seit Jahren mit Menschen ohne eine Diagnose, wobei wir das aufsteigen lassen, was für den Menschen dran ist. Und das ist sehr spannend und beglückend.

Alles Gute...

Danke. Ich gehe noch zu schule (das schaffe ich kaum noch) und musste in letzter Zeit zu viel durch machen und muss es immernoch. Mir geht es jetzt seit 2 Jahren einfach nicht gut. Die Therapeutin meint sie sieht es als nötig eine Therapie zu beantragen, die wird von der Krankenkasse bezahlt. Wird noch eine Diagnose gestellt?

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@Twihard2002

Dann ist alles im grünen Bereich und das normale Verfahren mit Diagnose läuft an. Da musst du nichts bezahlen...

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@Twihard2002

Ja, sie wird dann für die Kasse eine Diagnose schreiben. Eben damit die Kasse die Therapie bezahlt.

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Die Diagnose ist eine Krankenkassengeschichte. Sonst nix. Die Krankenkasse will das, da sie dem medizinischen Denken verhaftet ist. Es geht um Geld!

Die wirkliche Diagnose innerhalb einer Psychotherapie ist immer prozessual und nicht vergleichbar mit medizinischen Diagnosen. Aber erkläre das mal einem Sachbearbeiter der Krankenkasse. Der ist die medizinische Diagnose gewöhnt: Unterschenkelfraktur. Da weiß jeder, was damit gemeint ist.

Aber die psychol. Diagnose läuft halt anders. Angenommen ein Patient wird mit Depression "abgestempelt" äh.. diagnostiziert. Da weiß der Fachmann/die Fachfrau noch lange nicht, wie der reale Patient vor ihm so so tickt. Nur der Krankenkassensachbearbeiter, der die Therapie bewilligen muss, glaubt jetzt zu wissen: "Ah, Depression. Alles klar."

Nichts ist klar, aber das weiß er/sie halt nicht. LOL


Die therapeutische Diagnostik entfaltet, gestaltet und differenziert sich im Laufe der Therapie. Therapie und prozessuale Diagnostik sind im Grunde zwei Seiten einer Medaille.

Die Diagnose nach ICD-10 etc.. ist, im Vergleich dazu wie ein Stempel, den man auf die Stirn gedrückt bekommt.

Wie gesagt, für die Kostenübernahme der Kassen ist das nötig. Aber für den Verlauf von Therapie ist das nicht so interessant.



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