Psychische Erkrankung wieder am Leben teilnehmen?

7 Antworten

Deine Schilderung ist fehlerfrei und grammatikalisch korrekt. Hier ist also noch nicht Hopfen und Malz verloren, dass Du die Kurve kriegst. Jedoch hat sich Dein Lebensrhythmus mit Deiner Situation arrangiert, weshalb es Dir schwer fällt, im Arbeitsrhythmus Fuss zu fassen. Hier brauchst Du den Weg der kleinen Schritte. Schaffe Dir selbst eine Art wöchentlicher Stundenplan, auf dem Du abhakst, was Du erledigen konntest. Daran erkennst Du nach kurzer Zeit, wo Deine Schwächen liegen. Setze Dich nicht unter Druck, sondern freue Dich über jede abschlossene Aufgabe. Fang mit einem Minijob an und Versuche Dich darin zu festigen. Das stabilisiert Deinen Rhythmus und festigt Dein Durchhaltevermõgen.

Da du schreibst, dass du schon seit Jahren krank bist, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass du eine Diagnose hast, bereits beim Psychiater in Behandlung bist, Medikamente nimmst, eine Psychotherapie machst und auch schon in Kliniken warst. Aber ich habe hier auch schon oft erlebt, dass man bisher gar nichts dagegen gemacht hat und sich selbst diagnostiziert hat. Daher frag ich mal vorsichtig, was du bereits versucht hast?

Ich könnte mir gut vorstellen, dass dir der Gang in eine Tagesklinik hilft. Dort kommst du wieder in eine geregelte Tagesstruktur, bekommst eine Psychotherapie (und viele weitere Therapieformen) und vor allem kannst du dich „ausprobieren“. Damit meine ich, dass du in den Wochen, in denen du dort bist siehst, in wie weit du belastbar bist. Kannst du jeden Tag hingehen? Bist du bereits nach zwei Stunden erschöpft? Werden deine Symptome schlechter durch die Veränderung und Belastung? Sollte es gut klappen gibt es dir Sicherheit, dass du auch wieder stundenweise mit arbeiten versuchen kannst.

Du solltest es schrittweise und sehr langsam angehen. Ein Rückschlag könnte dich frustrieren. Ein Psychotherapeut an der Seite kann dich dabei gut unterstützen.

Wie ist denn deine aktuelle Situation? Wie alt bist du? Bist du arbeitslos, krankgeschrieben oder berentet?

Erstmal vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit nimmst für so eine einfühlsame und ausführliche Antwort.

Zu deiner Frage ob ich schon Therapie in Anspruch genommen habe.

Ja habe ich, bisher 2 psychosomatische Kliniken (eine Art Reha über 4-6 Wochen jeweils), im Anschluss war ich weiterhin bei meinem behandelnden Psychotherapeuten in der Langzeit-, Tiefenpsychologie.

Da der Pschotherapeut nur Kinder und Jugendtherapeut ist bin ich nun nur noch in der Nachbehandlung. (ca. 1 mal im Monat seit etwa 2 Jahren)

Eine Psychiaterin hätte ich auch, weigere mich aber mittlerweile nach langem rumgespiele mit Psychopharmaka solche Tabletten zu nehmen. (ca. 10 Medikamente ausprobiert mit der Konsequenz von Langzeitproblemen darunter Tremor).

Dann noch zu deinen weiteren Fragen.

Ich bin mitte 20 und arbeitslos gemeldet, hab vor kurzem 30% Schwerbehinderten Ausweis ausgestellt bekommen, durch die Diagnosen Depressionen und Somatoforme Störungen.

Das mit der Tagesklinik ist eine Option welche ich mir zu Herzen nehmen werde, da ich schon länger darüber nachdenke soetwas in Angriff zu nehmen. Diese Art der Therapieform habe ich auch noch nicht ausrpobiert.

Hoffe dieser kurze und doch auch in einer Form lange Kommentar hat dir halbwegs meine Situation geschildert.

0
@alphabeta96

Sehr gern. Es tut mir sehr leid, dass du dich in einer solchen Situation befindest.

Willst du keinen Rentenantrag stellen, weil du denkst, dass du bald wieder arbeiten kannst? Was ich natürlich sehr positiv fände. Oder warst du noch keine fünf Jahre rentenversicherungspflichtig angestellt? Was wenn dein Arbeitslosengeld ausläuft und du nicht gesund genug bist um zu arbeiten? Kommt dann Hartz IV?
Wieso nur 30% Schwerbehinderung? Unter 50% bringt das doch kaum was. Da sollten 50% machbar sein bei der Diagnose.

Die Schwierigkeit bei einer einer Tagesklinik ist die Doppelbelastung. Du hast jeden Tag die Fahrt, musst trotzdem einkaufen fürs Abendessen und Wochenende und die Wohnung sauber halten (falls du alleine lebst). Bei einer vollstationären Klinik ist quasi alles inklusive. Allerdings hat das nur wenig mit dem späteren Alltag zu tun.

0
@Calla83

Ich lebe noch zu Hause und bin in einer Bedarfsgemeinschaft. Ich glaube sowas wie Frührente etc. kommt nicht in Frage. Ich war immer wieder mit Abständen arbeitstätig. Irgendwie will ich ja gerne vollkommen in allen Lebensbereichen teilhaben. Ich muss aber sagen, dass ich einfach schon immer ein problembehafteter Mensch war. Normalität war für mich immer Wunschdenken. Den Antrag auf Behindertenausweis habe ich vor kurzem gestellt, und mit folgenden Diagnosen kommt man nunmal nur auf diese 30%, was ich als vollkommenen Schwachsinn halt. Menschen mit Autismus bekommen da schon mehr. Das ist wirklich ein Unding. Die Tagesklinik ist das einzige Konzept welches ich noch nicht ausprobiert habe und mich anspricht. Einerseits die Sicherheit des eigenen zu Hauses, andererseits bist du vollkommen beschäftigt wenn's klappt. Somit ist das sehr vergleichbar mit dem Arbeitsleben. Es ist aber wirklich schwer wieder was zu versuchen. Einerseits träume ich von einer Besserung, andererseits weiß ich wie schlecht es nunmal um mich steht. Die Realität ist in meinem Fall doch ziemlich Trist.

Ich danke dir für dein Interesse, das zeugt von riesen Empathie. Wirklich toll solche Mitfühlenden und hilfswilligen Menschen hier aufzufinden.

0
@alphabeta96

Ich würde da beim Versorgungsamt widersprechen oder einen Antrag auf Höherstufung stellen. Da müsste echt mehr drin sein. Hast du auch alle ärztlichen Befunde beigelegt?

Schau doch mal nach, wie viele Jahre du in Summe gearbeitet hast? Fünf müssen es mindestens sein, in denen die Rentenversicherungspflichtig tätig warst. Leider wird man damit auch nicht reich, aber besser als andere Sozialleistungen.

Gibts bei dir in deiner Stadt eine Tagesklinik? Meinst du könntest da mal anrufen und nach einem Vorgespräch fragen? Wahrscheinlich brauchst dafür eine Überweisung von deinem Arzt. Meistens haben die paar Wochen Wartezeit, daher solltest du dich rechtzeitig informieren. Wäre doch interessant zu Wissen, wie bei denen der Tagesablauf aussieht. Vielleicht könntest du auch erstmal einen reduzierten Therapieplan bekommen. Fragen schadet ja nicht. Was hast du denn beruflich gemacht? Würdest du in diesem Bereich auch wieder arbeiten wollen? Käme für dich auch eine Einrichtung okay, wo auch andere psychisch Kranke arbeiten oder nur ein regulärer Job?

0

Solange wie sich an deinem generellen Gemütszustand nichts ändert, kann man wohl kaum von sich selbst erwarten, dass man von heute auf morgen wieder aktiv am Leben teilnehmen kann.

Ich frage mich eher, ob du irgendeine Form von Behandlung oder Hilfe in der Vergangenheit angenommen hast, um eben den besagten Zustand abzuändern. Denn es hat ja auch alles eine Ursache. Und die sollte man angehen. Vorher macht es ja auch wenig Sinn, auf Krampf jetzt wieder zu versuchen, alles zu machen als wenn nicht wäre.

Ich würde sagen wenn das dir mit der Arbeit so schwer fällt und du aufgrund deiner psychischen und physischen Probleme nicht zuverlässig arbeiten kannst ist das erstmal noch nichts für dich.

Wenn du es wirklich versuchen möchtest könntest du ja mit einem Psychologen oder Therapeuten darüber sprechen und dir ein wenig Unterstützung holen.

Was du auch versuchen könntest wäre, einen Arbeitsplatz zu finden, der es dir erlaubt an solchen schlechten Tagen eine Auszeit zu nehmen. Am besten einfach von vornherein erzählen, dass du spezielle Umstände hast und es da zu Problemen kommen kann.

Frag vielleicht einfach mal beim Arberitsamt ob sie einen Arbeitsplatz kennen, der mit deinen Problemen zurechtkommt.

Sonst könnte ich dir noch vorschlagen es vielleicht erstmal auf dem zweiten Arbeitsmarkt zu versuchen also z.B. Behindertenwerke oder ähnliches. So weit ich weiß nehmen die da auch Leute mit psychischen Problemen, die in der Arbeitswelt nicht klar kommen. Da könntest du dann ohne Druck und Stress erstmal anfangen und schauen ob du das besser findest.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Bin Aspie und finde Menschliches Verhalten faszinierend O.o

Danke für deine ausführliche Antwort.

Das Problem an der ganzen Geschichte ist einfach, dass es bei mir ne extrem verwirrende und verzwickte Situation ist. Wie erwähnt handelt es sich um körperliche und psychische Struggles welche wirklich alles im Alltag beeinträchtigen. Ich erwähne dir mal paar Symptome :

körperlich: Schwäche, Müdigkeit, Schmerzen (Kopf und Glieder), zittern, frieren, Ausschläge am Kopf und im Gesicht, Unwohlsein (schwer zu definieren, der Körper fühlt sich einfach ekelhaft an)

pschisch: Konzentrationsstörung, Antriebslosigkeit, Leere, Verhaltensstörungen (dauerndes Bedürfnis im Bett zu liegen), Verwirrtheit, Realitätsverlust, Wahrnehmungsstörungen (Licht-, Lärmempfindung)

Ich war schon in zwei psychosomatischen Kliniken um dagegen anzugehen. Davon hat nichts wirklich eine dauerhafte Änderung vorgerufen. Es war eher temporär um dann wieder komplett ins Loch zu fallen. Ich war auch einige Jahre in Langzeittherapie beim Psychologen. Zusammen haben wir viele Sachen zusammen unternommen, darunter auch die Teilnahme an zwei Bildungswerken, welche ich abbrechen musste, weil ich kaum den Tag meistern konnte. Es lag eher an der kontinuierlichen Erschöpfung dass ich den Tag nicht meistern konnte.

Wie du siehst habe ich schon so einiges unternommen, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Irgendwann denkt man dann nur noch daran aufzugeben, weil es nunmal so scheint als gebe es keine Option.

0
@alphabeta96

Dann ist vermutlich Arbeit wirklich nicht dein dringendstes Problem.

An deiner Stelle würde ich mich vielleicht erstmal auf deinen Alltag konzentrieren. Hattest du schon mal eine Betreuung, die dich im Alltag begleitet und unterstützt? Vielleicht hilft es dir ja wenn du einfach auch bei etwas „kleineren“ Sachen betreut wirst.

Wenn dir die Kliniken für kurze Zeit geholfen haben, dann ist das auch schon ein Fortschritt. Mach da weiter und versuche es noch mal und finde heraus was dir hilft. Einfach nicht aufgeben und weiter Hilfe suchen.

Wenn dir die Arbeit zu erschöpfend ist, könntest du vielleicht auch versuchen für dich selbst eine Art Hobby-Arbeit zu finden und z.B. zu Basteln aber nur so viel und lange wie du verkraften kannst und dir so vielleicht das Gefühl oder Übung für Arbeit zu geben.

Ich bin mir sicher da lässt sich was machen. Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor und erwarte keine großen Sprünge.

Ich wünsche dir viel Glück und hoffe du findest noch eine Lösung für dich.

0

Gehe zu einem Psychologen in Behandlung und sage ihm das alles, was du hier geschrieben hast. Es gibt auch die Möglichkeit zur Kur zu fahren oder dich von dem Arzt in eine Tagesklinik (du bist nur über Tag dort) überweisen zu lassen.

Danke für deine Antwort. Ich habe schon ne Langzeittherapie bei einem Psychotherapeuten hinter mir, als auch 2 Klinikaufenthalte. Das mit der Tagesklinik ist aber eine sehr interessante Idee, welche auch die anderen Mitglieder geäußert haben.

Vielen Dank.

1

Was möchtest Du wissen?