Psychisch Krank als Teenager?

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3 Antworten

Auch wenn ich nicht mehr in deinem Alter bin, so kann ich dir versichern, dass du mit 15 Jahren sicherlich nicht alleine bist. Nicht umsonst sind auch die Kinder- und Jugendpsychiatrien zum Teil bis auf das letzte Bett belegt.

Gerade mit der Pubertät entwickeln sich nicht selten psychische Störungen beziehungsweise werden zu dieser Zeit erst deutlich und treten hervor - das hängt gerade mit den Veränderungen zusammen, die mit der Pubertät greifen. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts publizierte in einem Faktenblatt* zu dieser Studie:

"Ein Fünftel (20,2 %) der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren kann der Risikogruppe für psychische Auffälligkeiten zugeordnet werden."

Das bedeutet nicht, dass auch diese 20,2% eine schwere Störung entwickelt, jedoch laufen sie Gefahr, dass sich eine solche mit der Zeit herauskristallisieren könnte. Gerade die Angststörungen liegen hierbei weit vorn und sind im Jugendalter besonders häufig anzutreffen.

Wie du siehst - alleine bist du sicherlich nicht, auch wenn es sich oft genau so anfühlt.

Aus eigener Erfahrung gesprochen, ich erwähnte bereits nicht mehr ganz in deinem Alter zu sein, kann ich dies auch nur bestätigen. Es gab bereits in der Kindheit gewisse Anzeichen, die allerdings sehr schwammig waren und eigentlich nur rückblickend als solche zu erkennen sind und dann, mit dem Eintritt in die Pubertät, kristallisierten sich klare psychische Störungsbilder heraus. Ebenfalls mit dem Gedanken damit der einzig Betroffene zu sein, habe ich allerdings schnell gemerkt, dass dem nicht so ist - manchmal übersieht man es schlicht nur und merkt es erst, wenn es über Gespräche zum Vorschein kommt. Schließlich möchte man gerade in der Schule nicht unbedingt das Wissen, um die eigenen psychischen Erkrankungen, verbreitet wissen.

Das du jetzt in einer therapeutischen Behandlung bist, ist eine sehr gute Entscheidung und ich hoffe, dass du auf diesem Wege auch Fortschritte erzielen kannst. Mir fällt es an der Stelle, wo du bereits in guten Händen zu sein scheinst, schwer dir einen guten Rat mit auf den Weg zu geben außer den, dass eine Therapie auch ihre sehr harten Momente mit sich bringt und du an diesen Stellen nicht das Handtuch werfen solltest. Ein Therapeut sagte mal den sehr schönen Satz zu mir:

"Wenn eine Therapie richtig weh tut, dann ist sie gut."

Kluger Satz, der auch viel Wahrheit in sich birgt. 

Ich bin früher, diese Frage hast auch noch gestellt, erst sehr verschlossen und später sehr offen mit meiner Krankheitsgeschichte umgegangen. Aufgrund der massiven Selbstverletzungen war ein ständiges Versteckspiel auch reichlich aussichtslos und somit habe ich mich dazu entschlossen, einen offenen Umgang damit zu pflegen - zumindest mit dem, was man sehen kann. 

Es muss nicht jeder um mein gesamten Seelenleben wissen aber wenn das Thema doch einmal aufkommt und ich das Gefühl habe, dass mir ein ehrliches Interesse entgegen kommt, dann rede ich auch sehr offen über mehr, als nur das Ersichtliche. Im Endeffekt ist dieser Umgang auch das Beste was ich rückblickend hätte machen können, denn erst wenn man mit seiner, zugegeben sehr hinderlichen psychischen Störung, einen normalen Umgang pflegt, kann man auch selbst wieder einen Zugang zu einem normalen Leben erschließen. 

Womöglich gibt es nichts Schlimmeres, als sein Leben nach seiner psychischen Störung auszurichten - im Gegenteil muss sich, soweit es zu diesem Zeitpunkt möglich ist, dieses Störungsbild in mein Leben eingliedern. Das ist der zweite sehr wertvolle Satz, den ich aus meinem ersten stationären Aufenthalt mitgenommen habe:

"Du bist nicht deine Störung."

In diesem Sinne wünsche ich dir weiterhin alles Gute und hoffe sehr, dass deine Therapie weiter Früchte tragen wird.

Liebe Grüße.

*http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsF/KiGGS_W1/kiggs1_fakten_psych_auffaelligkeiten.pdf?__blob=publicationFile

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Kommentar von pinkfrodo
05.02.2017, 20:14

Vielen lieben dank, dein Text war wirklich toll und hat mich aufgemuntert bzw. Mut gemacht :)

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Hey , bin auch 15 und habe auch eine generalisierte angststörung , hab agoraphobie ( Angst vor Menschenmengen usw) und soziale Ängste . Wechsel jz zum Halbjahr aucv die Schule weil alles zu viel wurde und ich auch erst wegen so vielen Ängsten nicht mehr raus gegangen bin aber jetzt bin ich bei einer Psychologin und auf dem Weg der Besserung

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Kommentar von pinkfrodo
05.02.2017, 00:34

 wie "schön" zum 1 mal zu hören das dass auch jemand in meinem Alter hat, fühle mich damit so alleine... hoffe du kannst deine Ängste besiegen

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Kommentar von Aliciaa18
05.02.2017, 00:37

Dankeschön , hoffe ich für dich auch . Dachte auch erst das ich damit alleine wäre , aber guck zum Beispiel mal auf Instagram beim suchwort ' anxiety disorder ' da gibt es viele Seiten ( mutmacher ) wo ich dann gesehen habe dass es noch sehr viele andere Menschen gibt die das selbe haben

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Hey ich bin auch 15 und werde dieses Jahr 16 und bei mir haben sich leichte Depressionen diagnostizieren lassen, weil ich sehr viel Druck und Stress mit der Schule habe und das seit 8 verdammten jahren. Diesen druck und stress hab ich sooo lange in mich gefressen das ich selbst nicht einmal gemerkt habe das ich  mich total verädert habe. Momentan läuft alles gut! Wir überstehen schon alle schwierigen phasen ! :) kopf hoch lg trapfiqueen01

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