Probleme mit dem Arbeitgeber bei Krankheit

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9 Antworten

Hallo Schulle,

ich schreibe hier, zumindest momentan, nicht mehr, für Dich und Deine Frau mache ich aber eine Ausnahme.

Die rechtliche Bewertung ist leicht, die Chefin Deiner Frau verhält sich nicht gesetzeskonform.

Einen Rat zu geben, ist hingegen alles andere als leicht - ich versuche es trotzdem mal.

Mein Rat fängt bei Dir an, versuche Deiner Frau ein Umfeld zu schaffen, dass sie abschalten kann bzw. einen Ausgleich für den Stress auf der Arbeit hat. Wenn Deine Frau merkt, dass sie mit den Zuständen nicht klar kommt und auch das Privatleben kein Ausgleich mehr ist, solltet Ihr Euch Hilfe holen. Empfehlenswert sind hier Mobbingberatungsstellen bzw. ein Gespräch mit der Krankenkasse, die kennen Anlaufstellen.

Deine Frau sollte auf jeden Fall beginnen ein Mobbingtagebuch zu führen, in dem sie jeden Vorfall mit Datum, Uhrzeit, wer beteiligt war und mit wer als Zeuge in Frage kommt, aufschreibt. Das ist wichtig, falls Deine Frau gerichtlich gegen den Arbeitgeber vorgehen will, oder muss.

Wenn es innerhalb der Firma Deiner Frau eine Beschwerdeinstanz gibt, die über der Chefin angesiedelt ist und die vertrauenswürdig ist, sollte sich Deine Frau dorthin wenden. Wenn die Firma insgesamt ein "rechtsfreier" Raum ist, also es keine vertrauenswürdige Stelle gibt, würde ich von einer direkten Beschwerde absehen.

Parallel dazu sollte Deine Frau auf jeden Fall beginnen sich nach einem neuen Arbeitgeber umzusehen. Ein Arbeitsverhältnis funktioniert nur dann wirklich , wenn beide Seiten miteinander wollen bzw. sich vertragsgemäß verhalten.

Greift der Kündigungsschutz ist die Situation Deiner Frau etwas komfortabler, sie hat dann mehr mehr Möglichkeiten zu reagieren, bei kleinerem Risiko den Arbeitsplatz zu verlieren. Auf jeden Fall empfehle ich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzuzuziehen.

Deine Frau sollte ausloten, ob es vertrauenswürdige Leidensgenossinnnen / Leidensgenossen gibt. Diese kommen gegebenfalls für Zeugenaussagen in Frage, können sich gegenseitig beim "Ertragen" der Situation unterstützen.

Auch wenn Du denkst, dass ich gut Reden habe: Es lohnt sich nicht einen Arbeitsplatz um jeden Preis erhalten zu wollen, zumal wenn so etwas über Jahre hinweg geht. Man hat nur ein Leben - und bevor man sich dieses dauerhaft ruiniert sollte man besser ein Ausstiegsszenario finden (mit Anwalts Hilfe!).

Ich habe eine solche Situation bei meiner Freundin erlebt. Den Arbeitsplatz hat meine Freundin nicht erhalten können, aber für die Firma ist das Ganze sehr teuer geworden! Heute weiß ich, mehr den je, dass es richtig war, dass meine Freundin dort aufgehört hat.

Ich drücke Dir und Deiner Freundin die Daumen.

Peter Kleinsorge

ich bin beeindruckt ... DH ....und ein Kompliment dazu

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@user735

Danke, für den Daumen und das Kompliment...

LG Peter Kleinsorge

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Schön, Dich mal wieder zu lesen!

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@erweh

Guten morgen erweh,

es freut mich ebenso, Dich mal wieder zu lesen bzw. dass Du eine meiner Antworten kommentierst.

LG Peter Kleinsorge

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Danke Peter, nochmals. Meine Zarte hat sich für die HA entschieden.

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Die Firma sollte sich mal folgende Info ansehen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,766954,00.html

Und die Firma verstößt eklatant gegen mehrere Rechte.

Kein Wunder, dass der Anteil der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren zugenommen hat. Das ist vor Allem solchen Machenschaften zuzuschreiben.

Wie viele Semester Medizin hat denn die Chefin studiert, dass sie die Sache besser beurteilen kann als ein Arzt?

Sie sollte eher mal ein paar Kapitel zum Arbeitsrecht lesen.

Und die Kollegen sollten ebenfalls nicht kneifen. Sonst sind sie demnächst selbst mal gekniffen.

Also, die Frage nach der Erkrankung ist m.E. kein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz (der Länder/des Bundes).

Das Datenschutzgesetz - die Datenschutzgesetze - regeln inhaltlich eher den Umgang mit den Daten für Unternehmen auf Länder- wie auch Bundesebene. Wie lange sind sie zu speichern? Welche Sicherheiten müssen beachtet werden?

Es gibt sogar Gründe, warum man als Arbeitgeber fragen muss, etwa bei einem Arbeits- oder Wegeunfall. Das ist dann sogar so vorgesehen im entsprechenden Fragebogen des Trägers der gesetzlichen Unfallversicherung.

Das SGB IX - früher Schwerbehindertengesetz - schreibt sogar Gespräche mit dem Arbeitnehmer gesetzlich vor, wenn jemand innerhalb der letzten zwölf Monate ab demn Stichtag mehr als 42 Kalendertage - am Stück oder insgesamt - arbeitsunfähig war.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, nicht die Wahrheit zu sagen, wenn es um Krankheitsdaten geht. Wie gesagt, die Frage ist nicht verboten, die Antwort sollte allerdings wohl überlegt sein.

Denn: Es ist nicht verboten, bei Fragestellungen die Unwahrheit zu sagen, wenn diese offensichtlich keinen berufsbezogenen Hintergrund haben. Da allerdings kein Betriebsrat die Rechte der Arbeitnehmer vertritt, ist eventuell Vorsicht geboten. Kann im Kündigungsfall geklagt werden? Das Kündigungsschutzgesetz stellt eine Mindestanfordung an die Beschäftigtenzahl der Betriebe im Falle der Kündigung.

Ratschlag ist: Keinesfalls starr verhalten, die Fragen zur Erkrankung sind nicht verboten und teilweise gesetzlich unterstützt. Warum nicht die Wahrheit sagen?

Falls erforderlich, einen Antrag auf Schwerbehinderung stellen, um besondere Schutzrechte zu erhalten.

Falls die "Chemie" nicht stimmt, Bewerbungen schreiben. Vorher ein offenes Gespräch suchen.

"Es besteht jedoch die Möglichkeit, nicht die Wahrheit zu sagen, wenn es um Krankheitsdaten geht."

Dazu gibt es keinen Grund. Es geht den Arbeitgeber einfach nichts an. Basta.

Es sei denn, es geht um Fragen des Schutzes von Schwangeren oder gesundheitliche Belastungen, die vom Arbeitsplatz kommen.

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@PeterSchu

Es ist jedoch nicht verboten, zu Fragen. Also kann eine machbare Reaktion nur auf die unrichtige Beantwortung abstellen. Es geht hier eher ja um eine pragmatische Lösung als die Diskussion eines moralischen Grundsatzes.

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@Internetwacht

Die Fragestellung hört sich aber ganz anders an, als dass es sich um fürsorgliches Denken des Arbeitgebers handelt. Wenn er jemanden drängt, trotz Erkrankung zu arbeiten oder eine Facharzt aufzusuchen, dass geht das eindeutig zu weit und hat nichts mehr mit einer pragmatischen Lösung zu tun.

Und wenn ein Betrieb schon die Regelungen nach dem SGB IX heranzieht (was ich hier bezweifle, denn hier macht man seine eigenen Gesetze), dann sollte man sie auch wortgetreu und sinngemäß leben. Das fängt damit an, dass die Zustimmung des Betroffenen nötig ist. Wenn es die nicht gibt, hat sich der Betrieb damit zufrieden zu geben.

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Also die Art der Erkrankung geht die Chefin wirklich absolut nichts an. - Da reicht es, wenn Deine Zarte der Chefin sagt, dass sie darüber nur mit dem Arzt ihres Vertrauens und mit ihrem Ehemann spricht.

Und dass die Chefin darauf bestanden hat, dass Deine Frau einen anderen Arzt aufsucht - also wünschen kann sie sich ja alles mögliche ... das Leben ist aber kein Wunschkonzert, auch für Chefinnen nicht. Deine Frau hätte den Wunsch-Arzt der Chefin gar nicht aufsuchen müssen.

Wenn die Chefin von Deiner Frau verlangt, so schnell wie möglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, dann braucht Deine Frau nur zu sagen, dass dies auch ihr Wunsch ist. Punkt. Basta. - Schließlich ist sie so lange krank, wie sie krank ist. Und bei SO EINER Chefin wird doch prompt die Genesung verzögert und die Genesungszeit verlängert.

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So wie Du das schilderst, erkenne ich keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt einen Anwalt einzuschalten. Wozu? Soll er der Chefin klar machen, dass sie kein Recht auf Krankheitsgrundauskunft hat? Dazu braucht Ihr keinen Anwalt.

Einen Anwalt braucht Deine Frau, wenn sie eine Abmahnung bekommt oder die Kündigung oder eine Androhung oder derartig Übles.

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Ist Deine Frau in der Gewerkschaft? Ich habe früher in der Rechtsabteilung der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) gearbeitet. Zumindest DIE Rechtsabteilung arbeitete hervorragend, sowohl in der mündlichen Beratung als auch in der Vertretung im Arbeits- und Sozialrecht.

Wenn Deine Frau nicht in der Gewerkschaft ist, könnte es eine Überlegung wert sein, dort einzutreten. Rechtsberatung sowie Vertretung in Gerichtsverfahren ist mit dem Mitgliedsbeitrag abgedeckt. (Hier auf GF haben sich zwar auch schon User enttäuscht zur gewerkschaftlichen Vertretung geäußert - ich konnte aber nicht erkennen, ob das berechtigt oder lediglich chronisches Meckern war.)

Ich geb Dir mal ein paar Infos zu Mobbing:

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Hier findest Du Fragen und Antworten zum Thema Mobbing:

http://www.mobbing-keine-chance.de/fragenundantworten.php

Einen Test zu Mobbing - ob betroffen - findest Du bei Frage:

Welche Mobbing-Handlungen gibt es, klick auf (» mehr).

Klick auch links Betroffene an.

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@cyracus

Wenn Du googlest mit

mobbing am arbeitsplatz

kriegst Du sehr viele Infos. Klick auch unten an der Googleseite auf weiter.

Und google mit

** bossing arbeitgeber**

und klick Dich da durch.

Es gibt Institutionen, die (kostenlos) Hilfe anbieten. - Hier hat schon eine Frau, die am Arbeitsplatz schwerstens gemobbt wurde, geschrieben, dass sie auf diese Weise Hilfe bekommen hat. Sie fühlt sich sehr gut durch die schwierige Zeit begleitet.

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Wenn Du interessiert bist, gebe ich per PN ein, zwei Tipps, wie Deine Frau die Situation möglicherweise auf friedvolle Weise entschärfen kann.

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Auch wenn es in diesem Betrieb keinen Betriebsrat gibt, so kann er doch sehr interessant fr Gewerkschaften sein. Sie sollte sich einfach mal an die zustndige Gewerkschaft wenden.

Recht haben und Recht bekommen sind bekanntlich zweierlei Dinge.

Prinzipiell ist es so wie du sagst: den Chef oder die Chefin geht die Art einer Erkrankung nichts an. Dies der Chefin klarzumachen, dürfte nicht ganz einfach sein. Eventuell wäre letztlich doch der Weg zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht anzuraten. Der kann dann ein höfliches und korrektes Schreiben aufsetzen, in dem der Chefin die Rechtssituation erläutert wird.

Möglicherweise ist der Betrieb auch in einem Fachverband, wie etwa IHK. Auch diese Verbände der Arbeitgeber und Selbstständigen erteilen ihren Mitgliedern Rechtsauskünfte und haben kostenlose Infobroschüren. Vielleicht hilft euch auch ein Anruf dort. Denn selbstverständlich sind diese Gruppen darum bemüht, dass ihre Mitglieder sich korrekt verhalten.

fast alles absolut OK und einen DH

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Hallo ihr zwei,

Bisher habt ihr richtig reagiert.

Ich war lange "Arbeitgeber" als Geschäftsführer in einem Verein (habe eine neue KiTa gebaut).

Leider ist das soziale Verhalten vieler Arbeitgeber für den A*sch. Da ein Verein ja keine Gewinne machen darf habe ich natürlich ein anderes Verständnis und war immer orientiert auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Nur zufriedene Mitarbeiter bringen auch eine entsprechende Leistung.

Leider!!! ist das in Firmen anders und wie Du schon richtig geschrieben hast wird eine Gewerkschaft geblockt. Dagegen kann man zwar etwas machen, aber mit Mitte 50 ist es genau das beschriebene Problem.

Die "Analkumunikatoren" sind dann zudem ein generelles Problem. Nicht nur das diese eigentlich komplette Versager sind, so stören sie auch enorm das Arbeitsumfeld.

Ich habe nur einen Tip: Soll sich bewerben, denn einige Firmen suchen solch erfahrene Mitarbeiter.

Ich sende Dir PN zwei Adressen die ihr bitte vertraulich behandelt, Ich muss aber erst Rücksprache halten ob es OK ist. Dann kann sie sich da bewerben. Bitte schreibe mich PN an das ich das "nicht vergesse". Ich habe grad zu viel um die Ohren und das ist dann ein Denkzettel.

Versprechen kann ich natürlich nichts. Aber ich bin da Berater und auch das sollte keiner wissen ;-)

mfg

Du hast schon mal recht. Welche Krankheit Deine Frau hat, geht die Chefin nichts an. Deshalb steht auf den Attesten auch keine Diagnose. Im Übrigens bestimmt der Arzt die Dauer der Krankheit. Wenn es hart auf hart kommt und eine Kündigung ins Haus flattern sollte, hätte Deine Frau gute Karten, entweder Job behalten oder Abfindung. Könnte sich Deine Frau nicht mal mit der Chefin zusammensetzen und über die Angelegenheit sprechen? Gut, dass ie sich mit dem Getratsche zurück hält. Schweigen scheint in der Firma das beste zu sein, so wie Du die Umstände schilderst.

Absolut richtig. Aber (der A-Bär) kann bei bestimmten Diagnosen schon hilfreich sein das dem AG mitzuteilen (Burnout und Überlastungsanzeige).

DAS ist aber sehr wohl vorher mit einem Rechtsanwalt zu klären, btw. vorher zum Arbeitsgericht (es gibt keine Beratung, das dürfen die nicht, aber eine Hilfe für "Möglichkeiten und Aussicht auf >Erfolg")

Siehe meinen Kommentar ... war lange Zeit Arbeitgeber. Ahso ... DH!

mfg

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Deine Frau arbeitet wohl in der gleichen Firma, wie ich? Wie wärs, wenn ihr mal in der Gewerkschaft vorbeischaut?

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