Problem mit VWL?

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4 Antworten

Mit dieser Argumentation müsstest du auch die Soziologie und Biologie vollständig ablehnen. Jede Art von Theoretisierung und Systematisierung eines Systems von komplexen realen Prozessen beinhaltet eine auch Vereinfachung und damit Verfälschung der "Realität" zugunsten von vereinfachter Erklärbarkeit.

Die "Realität" unserer Wirtschaft ist etwas, dass man "noch nie in einer Reinform" beobachten konnte. Du verlangst eine nicht-verfälschende Empirie über etwas, was ausschließlich in verzerrter Form und mit unzulänglichen Messinstrumenten messbar ist.

Du solltest dir überlegen, über was die Volkswirtschaftslehre eigentlich redet. Es geht um die verbreitete (und von Mensch zu Mensch unterschiedliche) Wahrnehmung von Wert, Risiko etc. (also um größtenteils unerforschte psychische Mechanismen und Prozesse) und dessen Auswirkung auf ein ebenso größtenteils nicht lückenfrei erklärbares System von Unternehmen, Märkten und Staaten.

Es fehlen also viele Basics, um dieses System lückenlos zusammenzufügen. Die Volkswirtschaftslehre stellt jedoch nicht den Anspruch auf, reale Systeme genau abzubilden, sondern bezieht sich lediglich auf ein (stark) vereinfachtes System, um zumindest die grundlegendsten und einfachsten Mechanismen und Prozesse zu verstehen. Ganz nach dem Motto, besser die Realität wenigstens zum Teil abbilden, als überhaupt nichts über diese sagen zu können.

Schließlich geht es in diesem Kontext (unternehmerisches und staatliches Wirtschaften und Handeln bei Problemen der Märkte) um viel zu wichtige Themen, als dass man sagen könnte "Ach, das ist sowieso stark verzerrt und von der Realität entfernt, da können wir genau so gut Würfel entscheiden lassen."

Vergleiche das vielleicht mit der frühen Medizin, diese hat nach heutigen Maßstäben auch schrecklich viel falsch gemacht, aber auch die rückständigen Methoden von damals haben dem einen oder anderen das Leben gerettet. Besser eine nicht ganz passende Behandlung als gar keine.

Danke für den Stern! Die Formulierung, die mir damals gefehlt hat, ist die, dass die Wirtschaftswissenschaft eine "empirische Wissenschaft" ist (genau wie z.B. die Sozialwissenschaft, Politikwissenschaft usw.). Das gilt für die VWL und sogar noch stärker für die BWL. Das Untersuchungsobjekt sind reale Objekte und Phänomene, es geht also "nur" um die Annäherung an eine (hoffentlich) immer bessere Abbildung der "objektiven Realität", also die immer genauere Modellierung der Realität in immer weiter verfeinerten Theorien.

Es geht eben nicht (wie z.B. in der Mathematik) um ganz genau definierte und in sich abgeschlossene Systeme, aus deren Weiterentwicklung man konkrete und sichere Schlüsse ziehen kann, die dann mit 100%-er Sicherheit stimmen.

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Ich denke du musst dich einfach darauf einlassen und versuchen, die Sicht deines Profs zu verstehen. Selbst wenn du das Fach an sich nicht gut findest ist es doch eine gute Übung für die reale Arbeitswelt mit Dingen konfrontiert zu sein, die du eventuell nicht magst aber trotzdem "abarbeiten" musst. Das kann im Job der unliebsame Kunde sein, der dir einen lästigen Auftrag gibt, den du trotzdem erfüllen musst. Ich glaube es geht auch immer ein Stück weit darum zu zeigen, dass man auch mit den unkomfortablen Dingen im Leben umgehen kann. Inhaltlich kann ich deine Frage ansonsten nur bedingt beantworten - Theorie und Praxis sind nunmal zwei verschiedene Dinge, die gerade in VWL deutlich zum Vorschein treten. Eventuell hilft es dir, dich mit deinen Mitstreitern in der Schule/Studium auszutauschen, wie sie einen Zugang zu diesem Fach finden?

Was is denn dann eine Wissenschaft für dich? Wenn du so kommst gibt es keine Wissenschaft, da selbst Mathematik auf Axiomem also nicht beweisbaren Annahmen begründet ist (z.b. Auswahlaxiom), die falsch sein könnten.

In der VWL werden Modelle betrachtet, entworfen welche den Beobachtungen am nächsten kommen. Und hinter den (meisten) steht eine in sich schlüssige Logik.

Gruß Tobi

Nun, da steht eine Ideologie gegen eine andere (nicht benannte) Ideologie. Deine ablehnenden Aussagen sind derart pauschal und allgemein, dass man selbst als Volkswirt sich keine Vorstellung davon bilden kann, was Du wirklich meinst. Deine offensichtlich "richtige" Gegenvorstellung wird nur angedeutet aber mit keinem Wort zur Diskussion gestellt. Nur anpinkeln gilt nicht! Damit machst Du Dir nur Dein Studium mies. Wenn Dir das hilft?

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