Problem beim Galopp?

12 Antworten

Hört sich für mich ganz klar nach einem Balanceproblem an. Dein Pferd mag sich in Schritt und Trab recht gut ausbalancieren können, aber im Galopp schafft es das wohl einfach noch nicht.

Für mich hört sich das so an (kann natürlich auch anders sein, Ferndiagnosen sind immer schwierig): Es verwendet den Kopf als Balancestange um sein Gleichgewicht zu halten, du versuchst dann seinen Kopf nach innen zu ziehen und bringst es noch mehr aus dem Gleichgewicht. Das Problem löst es dann durch vorwärts rennen. Wenn du Ausbinder verwendest, passiert genau das gleiche. Umso mehr du da versuchst, umso schlimmer machst du es.

Was ich machen würde:

- Am Gleichgewicht in Schritt und Trab arbeiten (auch wenn du da keine gravierenden Probleme bemerkst, werden sie auch da vorhanden sein, nur kann dein Pferd sie da besser ausgleichen), das heißt Geraderichten und Seitengänge erarbeiten, versuchen, das Pferd von der Vorhand wegzubekommen etc.

- Galopp vorerst nur ganze Bahn entlang. An den langen Seiten kannst du vorsichtig versuchen, das Pferd gerade zu stellen. Eventuell hilft auch eine leichte Kruppeherein-Stellung dem Pferd, stabiler zu bleiben. In den Ecken würde ich das Pferd sich ganz selbst überlassen, egal wenn es da erst einmal in völliger Außenstellung durchläuft und du es furchtbar findest. Du wirst sehen, dass dein Pferd mit der Zeit lernen wird, wie es vernünftig durch die Ecke kommt. Wenn dein Pferd dann die langen Seiten anfängt gut zu meistern, sprich sich relativ leicht tut, wirklich geradeaus zu galoppieren, dann würde ich anfangen, leicht die Stellung in den Ecken zu korrigieren (leicht korrigieren heißt, langsam über Wochen hinweg die Außenstellung zu verringern und nicht gleich einen Innenstellung zu verlangen, damit bringst du dann dein Pferd sonst wieder völlig aus dem Gleichgewicht).  Großer Tipp von mir ist wirklich leichtes Kruppeherein im Galopp, den meisten Pferden fällt es dadurch deutlich leichter stabil zu bleiben.

- im Gelände am Galopp nicht sparen. Lange Strecken geradeaus sind super, um das Gleichgewicht zu finden.

UND: ein guter Trainer schadet sowieso nie, ganz egal ob man gerade Probleme hat oder nicht. Von Beritt in einem anderen Stall halte ich nicht allzu viel, da man dabei als Reiter schließlich nicht lernt, wie man die Fehler selbst korrigiert und diese sich nach einer Zeit leicht wieder einschleichen können. Das ist aber eine rein persönliche Meinung aufgrund dessen, was ich bereits erlebt habe. Kann sein, dass andere da ganz andere Erfahrungen gemacht haben.

Ich schließe mich Viowow an und möchte noch ein Zitat anbringen:

"Der Anfang des Galopps mit dem jungen Pferde ist die beste Probe, ob die vorhergegangene Ausarbeitung desselben vorzugsweise im Trabe, richtig oder falsch, genügend oder ungenügend war. 

Ist dasselbe durch den Trab in das gewöhnliche Gleichgewicht gesetzt worden, hat es durch die Schule Schultereinwärts seine Gliedmaßen zirkelförmig übereinander bewegen gelernt, hat es ferner die so wichtige Genickbiegung erhalten, so ist es auch in der Anlehnung und dem hieraus entspringenden Gehorsam so weit vorgeschritten, daß es nur noch der richtigen Hilfen des abrichtenden Reiters bedarf, um dasselbe den Galopp ansprengen und gleichförmig fortsetzen zu lassen. 

Ist das Pferd aber noch nicht biegsam, steht es noch nicht gehörig im Gleichgewicht, so wird der Reiter viel Mühe haben, es in den Galopp zu setzen, und noch mehr es darin zu erhalten; es wird entweder gleichgewichtslos ohne Anlehnung, fortstürmen, oder sich mit Auflehnung schwerfällig fortbewegen, auch den Galopp, trotz der Reiterhilfen, baldigst wieder von selbst aufgeben und in den Trab fallen.


In diesen Fällen hat die Vorarbeit des abrichtenden Reiters die Probe nicht bestanden. - Er gebe daher vorläufig den Galopp auf und kehre zur Ausarbeitung seines Pferdes in den Trab zurück."


(Theodor Heinze, 1889)

An deiner Stelle würde ich mich nicht auf Hilfe aus dem Internet verlassen, sondern mir Hilfe vor Ort suchen.

Ich finde derartige Fehlerbeschreibungen immer ein bißchen verzwickt, weil die im Endeffekt nie das ganze Bild der Pferd-Reiter-Kombination zeigen (können). So ausführlich kann man gar nicht beschreiben. Manche Dinge, die vielleicht essentiell für das Problem werden, werden gar nicht benannt, weil sie einem vielleicht gar nicht bewusst sind.

An deiner Stelle würde ich mit einem Reitlehrer/Bereiter deines Vertrauens sprechen. Der kann sich vor Ort anschauen, was sowohl du UND das Pferd machen und sollte dann ganz gezielt mit dir und dem Pferd daran arbeiten.

Dann weißt du auch, woran das Problem KONKRET liegt und hast nicht nur irgendwelche Vermutungen - ganz zu schweigen davon, dass ich es auch schwierig finde, schriftlich erteilte Anweisungen immer so korrekt umzusetzen. Vor Ort kann auf die Reaktion des Pferdes reagiert und entsprechend angepasst/korrigiert werden. Das geht bei angelesener Hilfe eher weniger.

Was möchtest Du wissen?