Privatinsolvenz-Freibrief oder Strafe?

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8 Antworten

Grundsätzlich gelten Vollstreckungstitel 30 jahre; ein Gläubiger kann also 30 Jahre versuchen zu seinem Geld zu kommen; Tatsache ist aber auch, dass dann, wenn einmal nichts zu holen ist auch in Zukunft nichts mehr zu holen ist; d.h. wenn einer mal soweit ist, dass er seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, dann kann er sie auch in 30 Jahren nicht mehr bezahlen (Ausnahmen bestätigen diese Regel); das Problem liegt dabei auch bei den Gläubigern, da sie Ware verkaufen ohne eine Gegenleistung zu verlangen; wenn ich in eine Bäckerei gehe und hab kein Geld für eine Semmel, dann bekomm ich halt keine. Wenn ich bei einem Versandhaus einkaufe, bekomme ich geliefert ohne Bezahlung; das ist eben auch das Risiko des Verkäufers; wer einkauft, obwohl er nicht zahlen kann, macht sich strafbar; aber davon bekommt der Gläubiger sein Geld auch nicht; ausserdem muss er den Besteller strafrechtlich verfolgen; das machen die Wenigsten; während des Insolvenzverfahrens gibt man dem Schuldner die Möglichkeit, sich eine neue Existenz zu sichern; er muss in der sogenannten Wohlverhaltensphase arbeiten und den pfändbaren teil seines Lohnes an die Gläubiger zur Verfügung stellen; wenn er dies nicht tut, kann vom Gläubiger die Versagung der Restschuldbefreiung verlangt werden; er steht sozusagen unter Aufsicht des Insolvenzverwalters; soviel in Kürze dazu; natürlich ist es für viele Gläubiger bitter, keinen Pfennig/Cent mehr zu sehen, aber ohne Insolvenz sehen sie regelmäßig genauso nichts mehr;

Die Privatinsolvenz ist weder Freibrief noch Strafe. Für die Betroffenen ist es die Chance aus einen sonst übermächtigen Schuldenberg raus zu kommen. Und das die Gläubiger oft nicht die volle Summe bekommen, erhöht maximal die Sorgfalt bei der Kreditvergabe. Kann ja nicht sein das es Kreditvermittler gibt, die einem Haushalt ohne genügend Einkommen, eine Eigentumswohnung und 2 Autos aufschwatzen. Bei so mancher Finanzierung müßte man die Banken/Berater noch dafür Schadensersatzpflichtig machen.

Ich kenne jemanden, der ist in der Privatinsolvenz. Er hat ca 1700 Euro zum Leben und muss nichts an seine Gläubiger zahlen. Hat sogar Auto und Handyvertrag (der aber schon vor Jahren gemacht wurde). Naja so ganz Existenzminimum ist das ja nicht grade. Aber nach 6 Jahren ist man Schuldenfrei und dann kann man wieder welche machen (wenn man nicht draus gelernt hat)!!!!

Ganz so einfach ist das mit der 6 Jahres-Regel nicht. Wenn beispielsweise Straftaten begangen wurden, wie Betrug (z.B. Leben in Saus und Braus aber ohne Bonität) oder Steuerhinterziehung (passiert auch bei Schwarzarbeit), kann man die Privatinsolvenz vergessen! Zu empfehlen ist immer wieder http://www.insolvenzbekanntmachungen.de

So einfach ist das nicht, zumindest musst Du alles was über den normalen Selbstbehalt ist, an Deine Gläubiger bezahlen, Du bekommst keine Kredite, keine Kreditkarte, eigentlich nichts, selbst bei einem Handyvertrag kann es schon Schwierigkeiten geben. Du lebst wirklich ziemlich am Existensminimum und ich glaube, das ist für diese Menschen kein gutes Gefühl, da sie ja mal einen gewissen Lebensstil hatten, von dem sie dann ausgeschlossen sind und 6 Jahre können sehr sehr lang sein.

Na, wenn man sich damit aber eines fetten Sackes Schulden entledigen kann, sehe ich das aber recht kocker!

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Es ist kein Freibrief , aber eine Chance auf einen Neubgeinn. Als Schuldner mußt du alles offen legen. Eigentum muß verkauft werden, ein Auto darf man nicht mehr besitzen (es sei denn der Beruf hängt davon ab).

6 Jahre lang muß alles abgeführt werden,was über der Pfändungsfreigrenze liegt. Ein Alleinstehender hat ca. 950 Euro für sich, der Rest geht an die Gläubiger. Der Insolvenzverwalter informiert in der Regel den Vermieter und zum TEil auch den Arbeitgeber über die Insolvenz. Das heißt, der Schuldner muß sich öffentlich dazu bekennen. Er bekommt meist keine neue Wohnung mehr , bzw. auch schwer einen neuen Job. Es ist kein Zuckerschlecken, aber dafür bekommt der Schuldner nach 6 Jahren seine Restschulden erlassen.

Wenn klar ersichtlich ist, daß der Schuldner bewußt Geld verschleudert hat und betrogen hat, dann kommt für ihn die Insolvenz auch nicht in Frage. Vorher wird die Sachlage genau geprüft.

Ich bin selbst seit zwei Jahren in der Privatinsolvent und sehe es keinesfalls als Freibrief an. Bei mir war das Problem das ich durch die Schwangerschaft den Kredit nicht mehr abzahlen konnt und mir die Bank im Nacken sass und durch mein geringes Einkommen würde ich durch die Zinsen bis an mein Lebensende zahlen. Ich sehe es als Chance dann alles besser zu machen. Würde mir heute z.B. keinen Kredit mehr aufnehmen.

Freibrief für den Schuldner - Strafe für den Gläubiger!

Jeder bekommt was er verdient. ^^

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@Kabark

Du bist also der Meinung, dass ein Dachdecker es verdient auf den investierten Arbeitsstunden und Material sitzen zu bleiben und evtl. selbst insolvent zu werden, weil ein Bürger meint zuviel Extrawürste konsumieren zu müssen. Ich kenne aus meinem Umfeld nur einen Fall der ein Privatinsolvenzverfahren rechtfertigt. Der Selbstbehalt für den insolventen Bürger ist höher als mancher Durchschnittsbürger an Einkommen hat. Für viele Gläubiger der echte Horror.

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