Private oder gesetzliche Krankenversicherung bei Beihilfe

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Hallo,

jedes Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse kann die Kinder kostenlos familienversichern (§ 10 SGB V).

Es gibt aber eine Ausnahme (§ 10 Absatz 3 SGB V), wenn diese Punkte alle zeitgleich zutreffen:

  • Eltern sind verheiratet

  • ein Elternteil ist nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, also in einer privaten Krankenversicherung oder Soldat ohne Krankenversicherung

  • die Einkünfte des PKV-Elternteils übersteigen die Versicherungspflichtgrenze: 2013 = 52.200 bzw. 2014 = 53.550 Euro jährlich. Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Miet- und Zinseinnahmen werden auch angerechnet; Werbungskosten können aber abgezogen werden; es gilt der Begriff "Einkünfte" wie im Steuerrecht (siehe Steuerbescheid).

  • die Einkünfte des PKV-Elternteils übersteigen die Einkünfte des GKV-Elternteils

Entscheidend ist hier also, ob die Versicherungspflichtgrenze durch die Einkünfte des PKV-Elternteils überschritten werden.

Wenn die kostenlose Familienversicherung ausgeschlossen ist, dann besteht für jedes Kind eine Wahlmöglichkeit zwischen einer GKV-Mitgliedschaft (156 Euro Monatsbeitrag) und einer PKV-Versicherung. Viele private Krankenversicherungsunternehmen versichern Kinder nur, wenn dort auch ein Elternteil versichert ist. Der Beitrag in der PKV ist auch vom Gesundheitszustand des betreffenden Kindes und den vereinbarten Leistungen abhängig. Es gibt in der PKV keinen einheitlichen Beitrag.

Wenn man sich dann für ein Kind für eine PKV entscheidet, kann das Kind nur wieder in die GKV wechseln, wenn:

• einer der 4 Punkte wieder entfällt

• eine betriebliche Berufsausbildung begonnen wird

• ein Studium an einer dt. Hochschule begonnen wird

Bei den Leistungen sollte man neben vielen anderen besonders auf folgende Punkte achten:

• Reha/Kur (z.B. nMutter-Kind-Kur oder nach Unfällen)

• Hilfsmittel: Katalog der GKV:

.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/hilfsmittel/hilfsmittelverzeichnis/hilfsmittelverzeichnis.jsp

Hilfsmittel erreichen schnell 4- und teilweise 5-stellige Beträge.

• Psychotherapie (Anzahl und Erstattungshöhe), z.B. in der Pubertät

• Heilmittel (z.B. Krankengymnastik, Sprachtherapie, Ergotherapie), z.B. nach Unfall

-> Heilmittelarten und Erstattungshöhe

In der PKV werden Leistungen, soweit sie das medizinisch notwendige Maß nicht übersteigen, erstattet. Was notwendig ist, prüft die Versicherung, wenn man Rechnungen einreicht. Der Leistungserbringer hat aber trotzdem einen Anspruch auf Vergütung. Im Übrigen werden - je nach Tarif - oft nur anerkannte Methoden erstattet.

§5 Absatz 2 und § 4 Absatz 6 PKV-Musterbedingungen:

.pkv.de/recht/musterbedingungen/mbkk2009.pdf

Wenn man im Krankheitsfall Probleme mit einem PKV-Unternehmen hat, kann man praktisch nicht mehr wechseln. Jede andere Versicherung wird einen voraussichtlich wegen der Erkrankung ablehnen (oder gravierende Risikozuschläge erheben). In der GKV sind die anderen Krankenkassen verpflichtet, einen aufzunehmen, und man hat ab dem 1. Tag den vollen Leistungsanspruch (ohne Zuschläge).

Vielleicht interessante Links (3x "w" ergänzen"):

focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/tid-5429/krankenversicherung-zehn-irrtuemer-ueber-die-privatenaid52165.html

bundderversicherten.de/app/download/BdV-PKV-Broschuere.pdf

.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/1114/00_pkv.jsp

pkv-ombudsmann.de/

(unter Tätigkeitsberichte sind häufige Beschwerden von PKV-Versicherten aufgelistet)

Online-Vergleichsportale haben oft ihre Tücken:

http://www.wiwo.de/finanzen/kroetenwanderung-versicherungen-die-fiesen-tricks-de...

Die Entscheidung hat ggf. sehr lange Auswirkungen und sollte daher sehr genau überlegt werden.

Viel Erfolg bei der richtigen Entscheidung!

Noch Fragen offen?

Gruß

RHW

RHWWW 22.01.2014, 19:12

Danke für den Stern!

0

Ob die Vergütung Deiner Frau unterhalb Deines Einkommens ist, ist egal solange sie sozialversicherungspflichtig ist. Lass also die Kinder dann über die Gesetzliche laufen. Sprich mit Deiner Privatversicherung über einen möglichen Zusatztarif.

nachfolgende Situation. Ich beihilfeberechtigt und zusätzlich privat krankenversichert.

Also bist Du Beamter und erhältst eine Beihilfe von 70 % und bist zu 30 % restkostenversichert in einer PKV.

Meine Frau noch bis September in der Elternzeit und gesetzlich mit unseren drei Kindern (1,2 und 7 Jahre) beitragsfrei familienversichert

Damit willst Du uns sagen, dass deine Ehefrau in der GKV versichert ist und beiden Kindern bei ihr beitragsfrei in der Familienversicherung der Ehefrau sind. Und natürlich zusätzlich, dass dein Bruttojahreseinkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt - also in 2013 unter 52.200 € lag. ( 2014 unter 53.550 €)

Wenn ich dich nun richtig verstehe, endet die Tätigkeit deiner Ehefrau im September 2014. Man sollte doch aber vermuten, dass sie anschließend noch Arbeitslosengeld erhält und somit weiterhin GKV-pflichtig versichert ist.

Wenn es allerdings Übergangszeiten gibt, wo keine GKV-Pflicht deiner Ehefrau mehr vorliegt, hat man die Wahl 1.) Ehefrau und Kinder in der PKV zu versichern (Ehefrau mit 30 % Restkostenversicherung / Kinder mit 20 % Restkostenversicherung)

  1. Ehefrau und Kinder in der GKV als freiwilliges Mitglied zu belassen. für die Ehefrau wird zur Berechnung der Beiträge dein hälftiges Brutto-Einkommen herangezogen. Auch die Kinder können dann als freiwillige Mitglieder in der GKV versichert werden - der Beitrag pro Kind dürfte dann so in etwa bei 75 € liegen.

Alternativ können die Kinder aber auch privat versichert werden für ca. 45 € mtl pro Kind

Leichte Abweichungen wenn das Beihilferecht von Hessen oder Bremen zutrifft.

Wenn noch weitere Fragen bestehen, einfach melden.

Gruß Kematef .

kevin1905 19.01.2014, 10:58

Warum mehr als 50% Beihilfe, wenn der doch aktiv ist?

0
Kematef 19.01.2014, 11:02
@kevin1905

Hallo Kevin1905,

mit unseren drei Kindern (1,2 und 7 Jahre)

dies hast Du wohl überlesen.

Ein Beamter mit 2 und mehr Kindern erhält 70 % Beihilfe.

Gruß Kematef

0

hmm, kapiere ich nicht ganz: Du bist beihilfeberechtigt und "zusätzlich" privat versichert? Was heißt hier "zusätzlich"? Ich bin hessischer Beamter, daher beihilfeberechtigt und deshalb privat versichert, wo ich nur den Prozentsatz versichere, den die Hessische Beihilfe nicht bezahlt. Wer beihilfeberechtigt ist, dessen Familie ist es doch auch.

Kematef 19.01.2014, 10:59

Tja.... ist doch ganz einfach:

Ein Beamter erhält Beihilfe und hat zusätzlich noch eine Restkostenversicherung über die PKV.

Bis 2008 bestand die Möglichkeit, dass ein Beamter auf die Private Zusatzversicherung verzichtet hat und nur über die Beihilfe abgesichert war.

Aber seit Einführung der Pflichtversicherung auch für die PKV ab 2009 besteht diese Möglichkeit nicht mehr.

0
Gernspieler 20.01.2014, 23:26
@Kematef

Hmm, das ist mir ja ganz neu. Habe nie gewusst, dass ich ab 2009 privat versichert sein muss. Nun gut, Mein PKV stand bei mir nie zur Disposition.

0

Was möchtest Du wissen?