Postfaktisches Zeitalter - ist das wirklich so neu?

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3 Antworten

Der Begriff 'postfaktisch' enthält eine große Lüge, nämlich dass die Politik bisher 'faktisch' gewesen sei, also dass sie sich an Tatsachen orientiert hätte.

Politik versucht schon immer Interessen durchzusetzen und das Ganze so zu verkaufen, dass die Wähler den Gegensatz zu ihren eigenen Interessen nicht merken.

Tatsachen, die nicht ins Konzept passen, werden einfach ignoriert. Die Tatsache, dass die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird, ist lange bekannt, aber wo sind die Politiker, die da gegensteuern?

Stattdessen wird immer wieder die Illusion gefüttert, wenn es "unserer Wirtschaft" gut ginge, ginge es uns allen gut. Umverteilung ist Tabu, Hinweise auf die Tatsache des extremen Mißverhältnisses werden als "Neiddebatte" diffamiert. 

Emotionale Manipulationen mit Illusionen und Tabus sind wahrlich nichts Neues in der Politik. Neu ist nur die Plumpheit der Rechtspopulisten.

Die neoliberalen Politiker der letzten Jahrzehnte waren geschickter darin, den Schein von "Faktizität" zu wahren, sie waren subtiler und kultivierter. Das macht sie aber nicht harmloser.


Wut, Haß, Enttäuschung oder auch egozentrisches Kalkül psychologisch geschickt in spitzfindige Argumente verpackt und als vernünftig oder alternativlos bezeichnet war schon immer ein Hauptmerkal kontroverser politischer Diskussionen.

So besehen gab es diese Erscheinungsbilder schon immer und sind keine Neuerscheinung unserer Gegenwart.

Recht variabel ist jedoch die Tünche, die jeweils gerade Passendes als ein Projekt zum Wohle der Welt vorstellt,  obwohl unter dem Stroch meistens und mit Bedacht verschwiegen damit nur die winzige (Un)Welt einiger Vollzeitabzocker oder auch Durchgeknallter gemeint ist.

Das sollte für Menschen zutreffend sein, die sich nicht für Fakten interessieren, sie handeln nach ihrem "Bauchgefühl". 

Doch Politiker, die aus lauter Gefühlen die Faktenlage ausklammern, sind dann für ihre Aufgaben ungeeignet.

Das wäre Populismus, wenn emotionsgeladene Politik auf Wählerstimmen hofft.

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