Politische Folgen der konfessionalisierung?

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2 Antworten


Die folgen waren doch politische Konflikte

Nicht nur, aber auch. Man kann in dieser Zeit Religion und Politik, zwischen religiösen und politischen Konflikten nicht wirklich trennen, obwohl es in einigen Ländern des Reiches Ansätze dazu gegeben hat.

Die beiden Konfessionen, Protestanten und Katholiken, mussten lernen, miteinander umzugehen. Auch gab es eine "dritte" Konfession, die im Religionsfrieden von 1555 noch nicht im Reich anerkannt wurde, sondern erst 1648: die Calvinisten bzw. Reformierten, die sich in Europa und im Reich ausbreiteten und viele Anhänger fanden: der Kurfürst von der Pfalz z. B. und eine Reihe gräflicher Länder wurden reformiert bzw. calvinistisch, in Europa vorallem die Vereinigten Niederlande. Als Antwort auf die Ausbreitung von Luthertum und Calvinismus gab es auch in der Katholischen Kirche eine "Reformation", Stichwort: Konzil von Trient.

Die Jahrzehnte nach 1555 werden als "Zeitalter der Konfessionalisierung" bezeichnet, weil sich die verschiedenen Konfessionen ausbreiteten und sowohl organisatorisch als auch im Hinblick auf ihre Lehren konsolidierten. Unter katholischer Sichtweise kann man auch von einem "Zeitalter der Gegenreformation" sprechen, denn die Katholische Kirche bemühte sich, evangelische Gebiete wieder für den katholischen Glauben zurückzugewinnen bzw. die katholisch gebliebenen Gebiete gegen den Protestantismus abzuschirmen. Das "Zeitalter der Konfessionalisierung" war gewissermaßen ein Wettbewerb der Konfessionen.

Im Reich wurden konfessionelle Gegensätze und Auseinandersetzungen entweder dadurch vermieden, dass alle Konfessionen mehr oder weniger geduldet und unbehelligt mit- oder nebeneinander lebten, z. B. am Niederrhein in Jülich-Kleve und in einigen Reichsstädten, oder auf dem Rechtsweg über die Reichsgerichtsbarkeit friedlich ausgetragen.

aufgrund konfessioneller Unterschiede, Streit zwischen dem protestantischen Adel Böhmens und dem katholischen Kaiser, was dann zum 30j.krieg führte oder?

Zum Dreißigjährigen Krieg kam es erst, als der habsburgische Kaiser die evangelischen Konfessionen, Lutheraner und Reformierte/Calvinisten, in ihrer Existenz zu bedrohen schien. Da er als König von Böhmen von den böhmischen Ständen abgesetzt wurde, und als diese auch noch den reformierten Kurfürsten von der Pfalz zum neuen König wählten, fühlten sich die Habsburger politisch bedroht: sie wehrten sich gegen den Verlust des Königreichs Böhmen und die Bedrohung ihrer kaiserlichen Stellung, denn als Kurfürst und Kaiserwähler hätte ein evangelischer Böhmenkönig für eine evangelische Mehrheit im Kurfürstenkollegium gesorgt und damit für ein Ende des habsburgischen Kaisertums. In Böhmen ging es also weniger um Religion, sondern vorallem um eine Machtfrage!

MfG

Arnold





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Ein wenig erinnert das an die Frage, was zuerst da war, Henne oder Ei...

Politische, ökonomische aber eben auch theologische Ursachen führten zur Spaltung der christlichen Gemeinschaft und die wiederum wirkte verstärkend und ideologisierend auf die Konflikte zurück.

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