Was gibt es für politische Auswirkungen der Gladiatoren?

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An Gladiatoren als Prestigeobjekten stimmt etwas, aber eher bezogen auf die Veranstaltung von Gladiatorenkämpfen. Gladiatorenspiele waren Bestandteil eines allgemeinen Sachverhalts Massenunterhaltung. Bei den politischen Auswirkungen gibt es noch weitere Gesichtspunkte. Zu beachten sind Zeitabschnitte der römischen Geschichte, da unterschiedliche Verhältnisse in der Zeit der Republik und der Kaiserzeit von Belang sind.

Prestige

Gladiatorenspiele wurzelten in einem privaten Totenkult. Aufgrund der Beliebtheit solcher Veranstaltungen beim Volk (über eine lange Zeit hinweg zeigte anscheinend eine deutliche Mehrheit der römischen Bevölkerung Gefallen daran) eigneten sie sich zur politischen Instrumentalisierung, indem Veranstalter durch ihre Großzügigkeit die Gunst des Volkes, Anerkennung und Zuspruch seitens der Wählerschaft für sich zu gewinnen versuchten.

Allgemein konnten bereitwillige Ausgaben der Wohlhabenden zugunsten der Allgemeinheit ihnen Beliebtheit und Ansehen verschaffen und die Akzeptanz der poltischen und gesellschaftlichen Verhältnisse stützen. Es gab sowohl Wettbewerb mit anderen reichen Leuten, die öffentliche Ämter ausübten bzw. ausüben wollten, als auch eine Erwartung seitens der Gesellschaft/der öffentlichen Körperschaften.

Das Prestige/das Ansehen/die Würde/der gesellschaftliche Rang (lateinisch: dignitas) vornehmer Römerfamilien hing stark davon ab, wieviele ihrer Mitglieder in der Ämterlaufbahn (cursus honorum) erfolgreich waren, insbesondere es bis zu den höchsten Ämtern, zumal zum Konsul (consul) brachten. Bis zum Ende der Republik wurde die Vergabe der Ämter in Volksversammlungen entschieden. Wer das Volk mit Großzügigkeit beeindruckte, hatte bei der nächsten Wahl vergleichsweise bessere Chancen.

Gaius Iulius Caesar hat als Aedil 320 Fechterpaare aufgeboten, wobei vorher der Senat noch rasch eine Begrenzung (Höchstzahl der eingesetzten Gladiatoten) beschlossen hatte (Plinius. Naturalis historia 33, 53; Sueton, Divus Iulius 10, 2; Dio Cassius 37, 8, 1).

In der Kaiserzeit gab es keinen solchen Wettbewerb innerhalb der Führungsschicht mehr, sondern die die politische Spitze war bei einem Alleinherrscher monopolisiert. Dargebotene Massenunterhaltung gehörte zur Freigebigkeit des Princeps (liberalitas principis). Private Gladiatorenspiele wurden unterbunden oder zumindest stark eingeengt und unter Kontrolle genommen. Gladiatorenspiele wurden zu einer hauptsächlich öffentlich organisierten Angelegenheit. Augustus beschränkte Anzahl der Gladiatorenveranstaltungen und der dabei jeweils einsetzen Gladiatoren. Augustus selbst überbot, formal als Privatmann, die Anzahl einsetzen Gladiatoren um ein Mehrfaches: Nach seinem Tatenbericht (Res Gestae Divi Augusti) hat er bei 8 Gladiatorenkämpfen, 3 in eigenem Namen, 5 in dem seiner Söhne und Enkel, insgesamt ungefähr 10000 Gladiatoren eingesetzt.

Die Veranstaltung prächtiger Gladiatorenspiele bildete einen Höhepunkt in der Laufbahn eines Beamten einer römischen Landstadt (municipium). Viele ließen auf ihren Grabmalen Szenen aus Gladiatorenkämpfen darstellen. In den Kollegien der Augustales taten sich dabei besonders reiche Freigelassene hervor.

Schuldenproblem

Übertrumpfungsversuche konnten aufgrund hoher Ausgaben zu erheblichen Schulden von Kandidaten führen. Diese hofften darauf, als Provinzstatthalter und als Anführer auf Kriegszügen wieder zu Geld zu kommen. Bei allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konnte ein Schuldenproblem entstehen und einzelne aus der Führungsschicht Interesse an politischer Agitation für teilweise Schuldenerlasse oder völlige Schuldentilgungen (tabulae novae) haben.

In der Kaiserzeit ist ein Problem der finanziellen Überlastung aufgetreten, weniger aufgrund ehrgeizigen Wettbewerbs, sondern aufgrund von Verpflichtung in Ämtern. Gesetzgebung reagierte darauf mit Kostenbegrenzung (Preisregelungen für den Einsatz von Gladiatoren).

politische Bühne für die Kommunikation zwischen Herrscher und Volk

Schauspiele (spectacula) zur Massenunterhaltung (im Amphitheater, im Circus und bei Theateraufführungen) spielten eine wichtige Rolle in der Kommunikation zwischen Herrscher und Volk. Publikumskundgebungen richteten sich an den Kaiser. Die Zuschauer konnten bei Personen, die eintraten, Beifall oder Mißfallen äußern (Applaus, Pfiffe, Pfui- und Bravorufe, Zischen, Klatschen). Wenn Günstlinge des Kaisers ausgebuht wurden, war dies ein Anzeichen ihrer Unpopularität, Hochrufe dagegen Ausdruck von Zufriedenheit. Die Bandbreite der Reaktion der Herrscher lag, auch abhängig von Situation, Stärke, Dauerhaftigkeit und Häufigkeit der Zuschauerreaktion, von völliger Nichtbeachtung bis zu sofortiger Entscheidung über Personen. Die Herrscher haben öfters berücksichtigt, ob das Publikum für Tod oder Weiterleben eines besiegten Gladiators eintrat. Auch allgemeine politische Bitten und Beschwerden konnten auftreten. Meinungskundgebungen waren ein Stimmungsbarometer.

Leute konnten Äußerungen im Gang setzen, das Publikum aber meistens nur dann wirkungsvoll mobilisieren, wenn Stimmungen zumindest unterschwellig vorhanden waren. Umgekehrt konnte ein Herrscher sich volksverbunden geben und auch (gelenkte) Meinungskundgebungen benutzen, um seiner Regierung und einzelnen (geplanten) Maßnahmen zusätzliche Abstützung durch Anschein von Volksnähe zu verleihen.

Herrscher konnten also das Volk beeinflussen, aber auch von ihm unter Druck gesetzt werden. Publikumskundgebungen konnten als eine Art Ventil dienen, aufgestauten Unmut abzubauen, ohne aus Sicht des Herrschers allzuviel Schaden anzurichten.

Darstellung von Werten

In der Kaiserzeit waren Gladiatorenspiele eine Selbstinzenierung des römischen Staates, eine Demonstration römischer Macht. Von manchen Autoren wurden sie wegen symbolischer Werte geschätzt: Von Gladiatoren wurde angenommen, moralische Eigenschaften wie Stärke/Tapferkeit (fortitudo), Disziplin (diciplina) Standhaftigkeit (constantia), ein heroisches Ideal der Todesverachtung (contemptus mortis), Ruhmesliebe (amor laudis), Siegesbegierde (cupido victoriae) zu zeigen.

Gladiatoren als mögliche Bedrohung der Sicherheit

Gladiatoren sind zeitweilig als mögliche Gefahr für die Sicherheit betrachtet wurde, nach dem Spartacus-Aufstand (Ausbruch von Gladiatoren aus einer Gladiatorenschule in Capua zu Beginn) und in den Machtkämpfen der späten römischen Republik, als Gladiatoren in Leibgarden/Leibwachen, in Schlägertrupps und in Privatarmseen verwendet wurden.

Bücher bieten Informationen, z. B.:

Karl-Wilhelm Weeber, Panem et circenses : Massenunterhaltung als Politik im antiken Rom. Erweiterte Neuauflage. Mainz am Rhein : von Zabern, 1999 (Zaberns Bildbände zur Archäologie : Sonderbände der Antiken Welt ; [15]), S. 2 – 39 und S- 145 – 155

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008, S. 3 - 43

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom. Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 11 – 63 und S. 131 - 184

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Wir können von der Antike lernen. Brot und Spiele

ist so ein Begriff, der auch heute noch sehr gerne genutzt wird.

Weltweit nimmt das Interesse an Gladiatorenspielen enorm zu. Hierunter verstehe ich z.B. Wettkämpfe wie jene der M A oder die Angebote der WWE. Nur Beispielhaft.

Politisch verwoben sind heute manche Sportarten bei uns. So tagt bis heute der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mehrheitlich nicht öffentlich. Lässt sich drüber nachdenken, warum.

Wir sehen es als Mindestleistung an, dass sich ein Kanzlerkandidat für Fußball interessiert zeigt. Oder hochrangige Politiker sich bei Olympischen Spielen wenigstens sehen lassen.

Gladiatorenkämpfe sollten nicht ohne die den Römern zugestandene Grundversorgung mit Lebensmitteln betrachtet werden. Ähnlich wie heute unsere Sozialleistungen. Beide hielten und halten das Volk ruhig, von Politik fern.

Ich habe jetzt mal den Deutschlandfunk aufgerufen. In die Suchmaske dort habe ich mal

Gladiatoren

eingegeben. Wie komplex sich das Wort betrachten lässt ergibt sich schon aus den Überschriften. Viele Sendungen im Archiv lassen sich als Podcast laden. Zudem wirst Du dort zur weiteren Vertiefung auf seriöse Quellen stoßen.

Sicherlich interessant ist auch, bei youtube in die Suchmaske des Browsers einzugeben

arte doku gladiatoren

oder doku gladiatoren

und so fort. Auch da wirst Du Fachquellen zur weiteren Vertiefung finden. Manche davon sind online kostenfrei nutzbar.

Hi.
Einen guten Einstieg bietet Dir - Überraschung - wiki "Gladiator".
Weitere Einzelheiten siehe Links und Google.

Was Du mit "politischen Auswirkungen der Gladiatoren" meinst, müßtest Du mal erläutern.

Gruß, earnest

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