Politisch korrekt reden und handeln?

7 Antworten

Ich versuche bei manchen Sachen schon drauf zu achten, aber sehe es auch nicht immer ein.

So finde ich es persönlich angenehmer, wenn in Texten nicht ständig alle Geschlechtsformen genutzt werden, das stört den Lesefluss. Dann lieber unten drunter klatschen, dass es zur besseren Lesbarkeit nur in der Männlichen Form gehalten wurde, sich aber alle gleichermaßen angesprochen fühlen sollen. Habe ich vor kurzem so gesehen und fand ich gut.

Je nach Situation frage ich auch einfach nach, ob das was ich vorhabe (bzw. getan habe) ok war/ist oder nicht.

Letztens gab es da eine Situation, wo mein (männlicher) Kollege meinte, ich sei ein Schatz. Danach sah er mich ganz erschreckt an, ob das nun ok war oder ich mich belästigt fühlen würde, dass es nett gemeint war. Habe ihm versichert, dass er das sagen darf und das Thema war erledigt.

Mir stellt sich dieses Problem in einem nicht ganz so großem Ausmaß.

Wenn ich nicht weiß, dass etwas politisch inkorrekt ist, mache ich mir darüber keinen Kopf.

Weiß ich es, habe ich schon einmal gehört, dass es inkorrekt ist. Meistens bekomme ich dann dabei gesagt, wie es besser sein würde.

Das Nervige ist die Umstellung. Man muss aufpassen, gewohnte Wörter zu vermeiden. Das ist aber nichts Übermenschliches, was da von einem erwartet wird.

Je älter man wird, desto ungerner passt man sich neueren Gepflogenheiten an.
Das ist völlig normal.

Das Problem an der politischen Korrektheit ist, dass sie Probleme nur kaschiert und nicht löst.

Wenn eine Gruppe allgemein mit negativen Eigenschaften besetzt ist, dann kann die Bezeichnung dieser Gruppe als Beleidigung verwendet werden. Durch die Verwendung des Wortes als Beleidigung ist es an sich negativ belegt. Das ändert sich kurzfristig, wenn man ein neues Wort für die Gruppe verwendet, aber dadurch verliert die Gruppe nicht ihre negativen Eigenschaften, wodurch auch das neue Wort als Beleidigung verwendet werden kann und auch dieses der Negativität anheim fällt und die PC-Community die nächste wertfreie Bezeichnung erfinden muss - was nach einigen Änderungen schonmal ins lächerliche abdriften kann.

Hast du ein Beispiel dafür? Ich habe das Gefühl, dass es in der Regel ganz gut funktioniert und die Begriffe deutlich weniger bis gar nicht beleidigend sind und bleiben.

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@kaladinus

Krüppel war ursprünglich eine wertneutrale Bezeichnung. Als Menschen anfingen Krüppel als Beleidigung zu verwenden wurde das Wort durch Versehrter oder Behinderter abgelöst, dann durch Mensch mit Behinderung und schließlich Mensch mit Beeinträchtigung.

Das Problem der PC ist, dass die Bezeichnung den Umstand um den es sich handelt benennen muss, sonst hätte man ja kein Unterscheidungsmerkmal. Man könnte absolut politisch korrekt jeden Menschen einfach nur "Mensch" nennen, aber dann würde der angesprochene niemals verstehen welchen Menschen man denn nun meint. Wenn man also den Blinden meint, dann muss die Bezeichnung irgendwie vom anderen auf diese Eigenschaft zurückzuführen sein und damit behält es auch seine Eigenschaft abfällig verwendet werden zu können.

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@5432112345

Tatsächlich geht es ja auch viel darum deutlich mehr "Mensch" zu verwenden und Benennungen auf die Situationen zu reduzieren, wo sie kontextuell notwendig sind, bzw. auch darauf zu achten, Menschen weiterhin als Menschen zu sehen. Darum nicht "Behinderter", sondern eben Mensch mit Behinderung (was nach meiner Recherche auch nach wie vor politisch korrekt ist) oder eben Mensch mit Migrationshintergrund, bzw. geflüchteter Mensch statt Flüchtling.

Ich sehe deinen Punkt, dass auch neue Begriffe abfällig verwendet werden können, sehe aber, dass das in der Regel nicht so ist - vorallem weil die neutralen Wörter von Menschen benutzt werden, die nicht abwerten wollen. Es ist nach wie vor ein Unterschied, ob Weib oder Frau, ob Schwu*htel oder schwul, ob Polacke oder Pole, ob Transe oder Transgender.

Political Correctness hat für mich auch weitere Aspekte: Nämlich wie behandle ich die Menschen um mich herum. Ich starre nicht, stelle sie nicht bloß, bzw. mache sie lächerlich, versuche sie gleichberechtigt/gleichwertig zu behandeln, bzw. sie darin zu unterstützen die gleichen Möglichkeiten zu bekommen.

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Ich finde es anstrengend, seit dieses politisch Korrekte so Überhand genommen hat. Man kann fast schon nicht mehr normal reden, ohne dass einem ins Wort gefallen wird, weil irgendeiner völlig grundlos Diskriminierung oder ähnliches wittert.

Mir kommt es so vor, als stände man unter Generalverdacht, sobald man zum Beispiel dieses Gendergequatsche nicht mitmacht. Vielleicht haben diese Leute auch zuviel Langeweile.

Ich finde, dass die Kommunikation damit unnötig erschwert wird. Ausserdem dauert es länger, immer drumherum zu reden und alles für jeden passend auszuformulieren. Ja, das ist sogar extrem unentspannt.

Wie ich damit umgehe? Ich rede ganz normal. Wem es nicht passt, der hat halt Pech gehabt.

Hmm, vieles ist halt nicht grundlos. Es gibt super viel subtile Diskriminierung "Sei kein Mädchen/keine Pussy.", "Männer weinen nicht.", "Ich bin kein Rassist, aber ...", Männlichkeit als Standard in (fast) jeder Situation vom Ampelmännchen bis zum geschriebenen Text. Laszive, schlanke Frauen und erfolgreiche, starke Männer in den Medien.Solche Dinge haben Macht und bleiben hängen. Ich finde es für mich wichtig das aufzubohren und zu vermeiden das zu reproduzieren. Aber ja, ich kann voll nachvollziehen, dass es unentspannt und anstrengend ist und vieles erschwert. Damit würde ich gerne einen besseren Umgang finden.

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Dein Problem ist kaum zu verstehen.

Wenn du den - vernünftigen Anspruch hast - mit anderen erstmal respektvoll zu kommunizieren, auch politisch, wo genau soll denn da das Problem sein?

Wie flirte ich z.B. ohne grenzüberschreitend und aufdringlich zu sein? Wie rede ich politisch korrekt über ein Thema, wenn ich zwar weiß, was politisch inkorrekt ist, aber nicht wie politisch korrekt aussieht? Nachfragen hilft da natürlich, aber fällt mir halt gerne schwer. Oder, was ich bei Kumpels erlebe: Sie wissen z.B. nicht, ob es okay ist einer Frau bei handwerklichen oder körperlichen Aktivitäten Unterstützung anzubieten oder ob sie in Diskussionsrunden gerade zu viel reden und anderen zu wenig Raum lassen und und und.

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@kaladinus

Beim "Flirten" geht es nicht um "politische Korrektheit", sondern um Erfolg.

Wenn er/sie anfängt, auf deine Ansprache angewidert den Mund zu verziehen, weißt du gleichermaßen, dass du unerfolgreich und "politisch" nicht korrekt warst...

Nachfragen hilft dann auch nicht mehr "generell"...wenn du z.B. einer wildfremden Frau in der Disko den Popo täscheslt und ihr ins Ohr säuselst, "Hey Schnalle, du hast ja eine geile Kiste!", kenne ich Frauen, die dir dafür stumpf die Nase oder gar die Hoden brechen, grinsend... Da verkneifst du dir garantiert das "Nachfragen".

Und wo soll das Problem bestehen, einer Frau für handwerkliche Aktivitäten nett und freundlich Unterstützung anzubieten?

Ansonsten gibt es nunmal keinerlei Garantie dafür, dass dich andere Menschen auch dann für ein "A---loch" halten, wenn du dich beanstandungsfrei verhalten hast.

Hilfreich ist auch immer der auf Kinderniveau getrimmte kategorische Imperativ: "Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu!".

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@atzef

Ob Menschen mich für ein A-loch halten ist mir recht egal. Was mir mehr zu schaffen macht, ist Menschen in Situationen zu bringen in denen sie sich unwohl fühlen. Wenn ich einen Menschen beflirte und dieser das als aufdringlich empfindet, dann ist es natürlich am Ende dessen Verantwortung mir das zu kommunizieren, aber viele können das nicht und ich mag es wie gesagt generell nicht Menschen in eine Situation zu bringen, in der sie sich unwohl fühlen, wenn ich es vermeiden kann. Vielleicht muss ich damit aber auch einfach zu leben lernen.

Ich sehe bei Kram, den ich kann, auch keinen Grund nicht meine Hilfe anzubieten. Wie ich es verstehe geht es darum, dass sie nicht wollen, dass die angesprochenen Frauen das Gefühl bekommen, dass sie dazu nicht in der Lage seien und Männer das ja viel besser können und geeigneter seien. Dazu muss man die Frage nach Unterstützung aber schon ziemlich dumm formulieren.

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@kaladinus

Mehr Selbstkritik und Selbstreflexion würden dir auch etwas weiterhelfen...

Es sei dir egal,wenn andere dich für ein A-Loch halten? Gleichzeitigist es dir unangenehm, wenn du andere Menschen in eine Lage bringst, in der sie sich unwohl fühlen...? :-)

Letztere bekommt man mit durchschnittlicher Wahrnehmungsfähigkeit und Empathie schnell mit und zieht sich dann halt mehr oder weniger elegant zurück - beim flirten.

Bei politischen Diskussionen kann es durchaus ein legitimes Ziel sein, dass sich der Diskussionsgegner "unwohl" fühlt...:-)

Hilfsangebote kann man annehmen oder ablehnen. Niemand bekommt durch ein nett und freundlich formuliertes Hilfsangebot irgendein negatives Gefühl! :-)

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@atzef

Wenn es mir an etwas nicht mangelt, dann als Selbstkritik und Selbstreflexion. ;)

Leute können mich gerne für ein A-loch halten, weil ich neben ihnen pupse oder kein Interesse an ihnen zeige oder blöde Sprüche kommentiere oder weil ich eben bewusst bin wie ich bin und damit rechne, dass ich mit diesem und jenem anecke. Davon kann ich mich gut distanzieren. Wenn Menschen sich unwohl fühlen, weil ich unreflektiert und ungewollt deren Grenzen überschritten habe, dann ist das tatsächlich etwas anderes für mich, weil ich dann für etwas verurteilt werde, was ich nicht als Teil von mir sehe(n möchte).

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@kaladinus

Da man wiederum niemandem hinter die Stirn sehen kann und auch Grenzverläufe nichts statisches sind, kann man ungewollte Grenzverletzungen auch nie absolut vermeiden.

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