Politik: Kommunisten links und Nationalisten rechts?

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4 Antworten

Für eine methodisch einwandfreie Beantwortung der Frage muss zunächst geklärt werden, was politisch links und was politisch rechts ist.

Die politische Linke zeichnet sich insbesondere durch die Betonung der politischen Gleichheit und Freiheit aus. Ziel ist die Verwirklichung der Ideale der Aufklärung nach Gleichheit und Freiheit für alle Menschen. Der Mensch soll als Individuum vom Verwertungsimperativ des Kapitals und vom Herrschaftsimperativ des Staates sowie aus allen anderen Herrschaftsverhältnissen (beispielsweise aus geschlechtsbezogenen Herrschaftsverhältnissen wie dem Patriarchat) befreit werden.

Die politische Rechte zeichnet sich durch die Betonung von Hierarchie, Gemeinschaft (sowie durch die Abwertung und Entrechtung all derer, die außerhalb der Gemeinschaft verortet werden) und Reinheit aus.

Ziel der KPD war die Befreiung der Arbeiterschaft aus ihrer Lohnabhängigkeit. Feindbild war daher das „herrschende Finanzkapital“. Ziel war eine egalitäre Gesellschaft, der Kommunismus. Auch die Befreiung der Frau von patriarchaler Bevormundung war erklärtes Ziel der KPD. So stritt die Frauenorganisation der KPD, der Rote Frauen- und Mädchenbund, für die Abschaffung des Paragraphen 218, der Abtreibungen unter Strafe stellte. Die KPD kann daher unter Hervorhebung der oben genannten Aspekte als links bezeichnet werden.

Diese Einschätzung muss aber dahingehend relativiert werden, als dass die KPD 1927 alle Kritiker*innen innerhalb der Partei mundtot machte, die den sowjetischen Diktator Josef Stalin und seinen Kurs der Gleichschaltung nicht unterstützten. Auch kann das strategische Fischen bei Wählern der NSDAP Anfang der 1930er Jahre bei gleichzeitiger propagandistischen Betonung der „nationalen Frage“ auch nicht als unumwunden links gelten.

Die NSDAP ist entgegen der Aussage von Erika Steinbach eindeutig als politisch rechts einzuordnen. Das Führerprinzip kann als extremste Ausformung von politischer Hierarchie angesehen werden. Die Volksgemeinschaftsideologie grenzt all diejenigen aus, die nicht zum Volk gehören (Jüdinnen und Juden, „Zigeuner“, „Asoziale“, Sozialdemokraten und Kommunist*innen). Damit ist das Kriterium der Gemeinschaft und der Abwertung all derer, die außerhalb der Gemeinschaft verortet werden, erfüllt. Konsequenzen aus dem Wert der „Rassenreinheit“ war in der nationalsozialistischen Ideologie die Entledigung all derer, die den „Volkskörper“ parasitär geschadet haben. Die Vernichtung der Juden in Konzentrationslagern war die praktische Umsetzung dessen.

Die SPD kann ebenfalls als politisch links eingeordnet werden. Die SPD und KPD sind beide links und hatten das selbe Ziel, nämlich die Befreiung der Arbeiterschaft. Sie unterschieden sich lediglich in der Wahl der Mittel und des Tempos zur angestrebten Verwirklichung der klassenlosen Gesellschaft. Die Sozialdemokraten suchten den Weg zum demokratischen Sozialismus über Parlamente und Gewerkschaften. Durch Gesetzgebung und durch die Kartellierung der Arbeit sollte die Arbeitszeit verkürzt und Kinderarbeit unterbunden und so sukzessiv - das heißt Stück für Stück - der demokratische Sozialismus erreicht werden. Dieser Reformismus oder abfällig Revisionismus genannte Kurs wurde von der KPD hingegen abgelehnt - sie wollte den Sozialismus und schließlich den Kommunismus durch eine proletarische (Welt-)Revolution erreichen, also sehr „abrupt“. Auch lehnte sie den Parlamentarismus ab und wollte eine Räterepublik nach sowjetischem Vorbild errichten.

Zusammenfassend kann die SPD also als politisch links eingeordnet werden. Das gilt mit einigen Einschränkungen auch für die KPD. Die NSDAP war eindeutig rechts.

KPD links, NSDAP (die's nicht mehr gibt) rechts - so weit, so gut. Nun wollte die KPD damals mehr oder minder im Hauruckverfahren eine kommunistische Ordnung haben. Die SPD der damaligen Zeit hatte (vielleicht infolge der traurigen Folgen der Oktoberrevolution) wesentlich gemäßigtere Ziele, die sie dann auch nicht 'Hauruck' durchziehen wollte ('Evolution statt Revolution').

Sag mal pennst du im Schulunterricht, oder nehmt ihr die von dir genannten Dinge einfach nicht durchß Es ist doch eine Binsenweisheit, dass die Kommunisten links, die Faschisten rechts sind. Trollst du etwa, dass du dertlei Allerweltsweisheiten erfragst.

1. Nein. Eine linksextremistische.

2. Nein. Eine rechtsextremistische.

Beide Parteien waren totalitaristisch und folglich antidemokratisch, antifreiheitlich und antirechtsstaatlich.

3. Ziel der KPD war die Errichtung einer stalinistischen Diktatur, die nach der Pfeife der Sowjetunion hätte tanzen sollen.

Ziel der Nazis die Errichtung einer faschistischen Diktatur und die Ausrottung von Sinti und Roma, Juden und Slawen.

Da die SPD zwar links und demokratisch war, die KPD aber nicht, sondern linksextrem und antidemokratisch, besteht die von dir vermutete Gleichheit auch nicht.

Sherazee 03.07.2017, 04:04

Die Begriffe „linksextrem“ bzw. „rechtsextrem“ würde ich in diesem Kontext vermeiden. Denn die Extremismustheorie bzw. ihr Vorläufer, die Totalitarismustheorie, entstand zwar in der Zeit des Aufstiegs des Faschismus in Europa, allerdings wurde das Konzept zuerst in Italien aufgegriffen nach der Machtergreifung Mussolinis 1925. Seinem Entstehungskontext entsprechend wurde es auch erst in Italien angewandt. Erst in den 1950er Jahre wurde die Totalitarismustheorie durch Carl Joachim Friedrich auch in der jungen Bundesrepublik populär. Das Konzept des Extremismus auf die Zeit der Weimarer Republik anzuwenden wäre anachronistisch und würde ich so z. B. in einer schulischen Prüfung nicht auf Parteien der Weimarer Zeit anwenden.

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atzef 03.07.2017, 08:17
@Sherazee

Muss sich jetzt also die Realität akademistischer Theoriebildung nach richten oder umgekehrt...? :-)

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