Planwirtschaft: "Zwangsarbeit"

11 Antworten

Das ist so nicht ganz richtig!
Zwangsarbeit mussten politische Häftlinge verrichten (wie ich, im Stahl- und Emaiiliewerk Thale), andere mussten während der Haft für Ikea und andere westliche Firmen arbeiten.

Natürlich hatte die DDR einen Mangel an Arbeitskräften und Facharbeitern, der aber konnte nicht durch zwangsweise Besetzung von Stellen behoben werden. Wo zu wenige Leute sind können auch keine zwangsweise rekrutiert werden.

Es gab keine Zwangsarbeit! Es gab aber eine Berufslenkung und Berufsberatung. Das hat z. B. verhindert, dass entgegen jeder ökonomischen Vernunft in Berufen ausgebildet wurde, für die es dann keine Arbeitsplätze gab. Bei Studienplätzen verhielt es sich auch so.

Grundsätzlich (nicht immer) war es so, dass je besser die Schulzeugnisse waren, die Aussicht stieg auch den Traumberuf erlernen oder das Traumstudium absolvieren zu können. Überzählige Bewerber wurden in ähnliche Berufe oder Studienfächer umgeleitet, wobei niemand gezwungen wurde. Dass nicht jeder mit einer solchen Umleitung glücklich war, liegt auf der Hand, aber man lag eben auch nicht auf der Straße.

Dann passierte es, dass ein Berliner seine Berliner Zuzugsgenehmigung oder Wohnrecht verlor, wenn er zur Ausbildung in andere Bezirke geschickt wurde. Dafür ließ man die Sachsen rein. Plan oder Zwang, faktisch war es dasselbe!

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@Nunuhueper

@Nunuhueper,

Zwang hört sich so schön nach Diktatur und Unterdrückung an, nach Knüppel und Knute, nach Stasi, Stalin und Unrechtsstaat. Da bedient man sich schon lieber dieses Wortes, als dem Wort "Notwendigkeit" den Vorzug zu geben, die nun mal in der Planwirtschaft begründet war.

Heute wirst du von niemandem "gezwungen", zum Arbeiten in eine andere Stadt oder eine andere Region zu gehen. Heute zwingt dich das, was deine Situation gebietet: Keine Arbeit, keine Ausbildungsmöglichkeiten etc. Mach was draus.

Irgendwann machst du nichts mehr. Dann gibt dir der Staat die Möglichkeit, dich als "Unterschichtler" bei der Tafel ein kostenloses Essen abzuholen. Und alles ohne Zwang!!!

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Bei uns war es strafbar nicht zu arbeiten. Asoziale wurden per Polizei gesucht und kamen ins Gefängnis und dann bekammen sie eine Altbauwohnung mit Ofenheizung und Klo auf dem Flur (Normale Leute warteten schon mahl 10 Jahre auf so eine Wohnung). Diese Leute mußten dann Arbeiten in Betrieben übernehmen. Wie z.B. Putzfrau, Hausmeister usw. Der Zwang lag aber hauptsächlich beim Betrieb. Wenn die Mist gebaut hatten und gekündigt wurden, kam kurze Zeit später die STASI und der Betrieb mußte den Betreffenden wieder einstellen. So zusagen staatlich verordnete Sozialhilfe bei vollem Lohnausgleich.

Es gab ja kein Arbeitslosengeld. In den größeren Betrieben gab es eine Rehabilitationskommission, die entschied darüber, wohin Alks oder Assis untergebracht werden und welche Brigaden sie aufnahmen. Die "Brigadevorsitzenden" holten diese Leute manchmal aus dem Bett, um sie zur Arbeitsstelle zu bringen. Sehr produktiv war das nicht.

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Selbstverständlich gab es in der DDR Zwangsarbeit als disziplinarische Maßnahme: Wohlgemerkt: nicht zu vergleichen mit dem System Gulag in der UdSSR oder dem Dritten Reich, wo der Tod drohte aber es soll mir jemand ein Bsp für die wenigen Kriegsdienstverweigerer in der DDR geben, wo jemand sich gegen die Zwangsarbeit in so einem Fall verweigern konnte.

Drehen wir den Begriff um:" Arbeitszwang" war positives Recht - jeder musste, wenn nicht von Ausnahmen betroffen, arbeiten! Argumente: Ich will aussteigen und in Wald und Flur leben - zählten nicht.

Mit der Zuweisung - das ist so eine Sache - die Akten sind voll von Fällen, dass jemand zugewiesen wurde aber nicht geeignet war - dann ging es hin und her zwischen der Produktionseinheit und den Behörden. "Planwirtschaft schützt im Einzelfall nicht vor gesundem Menschenverstand": IM Einzelfall machte sich ein Bürokrat doch Gedanken und steckte den "Möchte-gern-Aussteiger" von der Fabrik doch auf eine Lehrstelle in der LPG als Schäfer.

Es konnten Leute verurteilt werden wegen "asozialem Verhalten." § 249 StGB der DDR vom 12. Januar 1968, auch in der Neufassung vom 4. Dezember 1988 (GBl. 1989 Nr. 3 S. 33) lautete:

Abs. I: Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, wird mit Verurteilung auf Bewährung, Haftstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.
Abs. II: Ebenso wird bestraft, wer der Prostitution nachgeht oder in sonstiger Weise die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch asoziale Lebensweise beeinträchtigt. 

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