Plante die Türkein einen Kriegsbeitritt auf der deutschen Seite?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Ich denke hier handelte es sich wohl eher um Planspiele einiger deutscher Akteure, die wussten, dass die Türken mit den Russen noch die eine oder andere Rechnung offen hatten und deshalb die Türkei gerne mit einbezogen hätten.

Die Türkei verfolgte aber nach dem 1. WK eine Politik der Neutralität. Trotzdem hielt die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg die Beziehungen zu Deutschland aufrecht. Mit der Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages (1924) kamen die diplomatischen Beziehungen wieder in Gang. Auf militärischer Ebene wurden intensive Beziehungen gepflegt: Deutschland half bei der Ausbildung türkischer Soldaten und war die primäre Quelle der Türkei für Rüstungsgüter; deutsche Firmen unterstützten außerdem den Aufbau der türkischen Waffenindustrie. Hier wirkten also die guten Beziehungen aus der Zeit vor und während des ersten Weltkrieges nach und wurden weiter gepflegt.

Allerdings setzten die Türken nicht nur auf eine Karte. So trat am 8.11.1939 das Beistandsabkommen zwischen der Türkei, Frankreich und Großbritannien in Kraft, das Vereinbarungen „über gegenseitige Militärhilfe und Zusammenarbeit“ vorsah – ohne die Neutralität der Türkei ganz aufzugeben. Auf der anderen Seite wurde 1941 ein Freundschaftsvertrag mit dem Deutschen Reich geschlossen.

Ein offener Kriegsbeitritt auf deutscher Seite oder eine offene Unterstützung des Dritten Reichs durch Gestattung deutscher Truppenbewegungen durch die Türkei und als Aufmarschgebiet gegen die Sowjetunion lag nicht in türkischem Interesse. Das ist eine der Lektionen aus dem 1. WK, die die Türkei gezogen hatte.

Die Deutschen wiederum schienen die Rolle der Türkei zu akzeptieren. Der seit April 1939 als deutscher Botschafter amtierende Franz von Papen sicherte der Türkei zu, ihre territoriale Integrität zu respektieren. Im Oktober 1941 wurde ein Abkommen (Claudius-Abkommen) geschlossen, wonach die Türkei bis 1944 bis zu 135.000 Tonnen Chromit-Erz nach Deutschland lieferte. Die Türkei bezog dafür militärische Ausrüstung.

Als im August 1944 mit dem Einmarsch der Roten Armee in Bulgarien der Landweg zu den Achsenmächte gekappt wurde, stellte die Türkei auch ihre diplomatischen und Handelsbeziehungen mit Deutschland ein. Man hatte die Zeichen der Zeit verstanden und wollte nicht auf der Seite der Verlierer sein.

Am 23. Februar 1945 erklärte die Türkei auf Seiten der Alliierten dem Deutsch Reich schließlich den Krieg, um es sich nicht mit den Siegern zu verderben und um Gründungsmitglied der Vereinten Nationen werden zu können.

derdorfbengel 13.09.2012, 18:57

Diese "Last-Minute-Kriegserklärungen" waren ja '45 grosse Mode, die nehme ich aber natürlich nicht ernst, und die meinte ich auch nicht.

Die Darstellung trifft es gut und verweist das Gespräch von Heydrich und einem anderen SS-Oberen aus der Serie offenbar in das Reich der Phantasie des Autors. Ich merke mir das allerdings und achte darauf, ob ich an anderer Stelle noch mal was in der Richtung höre.

Die Serie war übrigens eine DDR-Produktion. Auf unerwartet hohem Niveau.

0
PeVau 13.09.2012, 19:04
@derdorfbengel

Ich kenne die Serie und das hohe Niveau war für mich nicht unerwartet. ;-) Du solltest auch bedenken, dass die Türkei als Mitglied der Nato auf der gegnerischen Seite stand.

Wie sich allerdings die Türkei entschieden hätte, wenn der Krieg einen anderen Verlauf genommen hätte ....?

0
derdorfbengel 13.09.2012, 19:28
@PeVau

"Du solltest auch bedenken, dass die Türkei als Mitglied der Nato auf der gegnerischen Seite stand."

Ohweh. Soviel tagespolitische Aktualität in einem Film vor historischem Hintergrund zu suchen - das ist für mich ungewohnt, selbst wenn ich da schon "gebildeter" bin als der Durchschnitt. Was für ein ideologisiertes Leben!

Zum Niveau: ich habe aus Interesse shcon mehrere DDR-Filme gesehen, und die meisten macht die ideologische Zielsetzung ungeniessbar. Und zwar. ungeniessbar langweilig. Wenn Du Ernst Thälmann auf der Flucht aus einem KZ im Kanal politische Reden dozieren hörst, oder mitten im spanischen Schützengraben, dann ist das schon gerade grotesk komisch unglaubwürdig. Wer da nicht den Kopf einzieht, der wäre kein Held, sondern tot. Und zuhören würden nur andere Tote :)

Plump-aufdringliche Pädagogik!

In dieser Serie bleibt die Doktrin clever im Hintergrund. Eigentlich ist der Film damit wahrscheinlich sogar wirkungsvoller (siehe die unauffällige Stichelei gegem die Nato-Türkei), weil es in gute Unterhaltung gepackt ist.

0
PeVau 18.09.2012, 18:44

Danke für den Stern!

0

Hi, die Türkei war dem Waffengefäherten aus dem 1. Wk freundschaftlich verbunden, pflegte eine wohlwollende Neutralität. Sie erklärte kurz vor Kriegsende auf starkem Druck der USA Deutschland den Krieg, ohne aber Kriegshandlungen zu begehen. Der Handel zwischen Türkei und Reich war ausgezeichnet. Die USA und England kauften den Türken zu überhöhten Preisen Wolframerz und als Beigabe: Früchte ab, damit nicht die Achse an das Wolfram kommt (ökonomische Kriegsführung des Preclusive purchasing). HitIer hat einen Brief an MP İnönü beteuert, daß die Wehrmacht in Bulgarien, Griechenland nur ihre Interessen gegen England vertreten, diese nicht gegen Türkei gerichtet seien. Ab der verheerenden Niederlage der Wehrmacht in Bulgarien 1944 fror die Türkei die Kontakte mit dem Reich etwas ein. Sicher hatte die Türkei die Option, zusammen mit der Achse im 1. Wk verlorenes Terrain zurückzuholen, die Aussichten dazu waren aber zu ungünstig, um alles dreinzuwagen. Aber auch der Gegenseite Wunsch wurde nicht entsprochen. Die Türkei blieb bis 1944 wohlwollend neutral, danach neutral, Ende Februar 1945 Kriegserklärung. Gruß Osmond

osmond 14.09.2012, 14:21

Hi, die Türkei hatte 50 Divisionen unter Waffen. Die Briten befürchteten, daß Deutschland über die Türkei in den Irak einmarschieren könnten. Daher stationierten sie extra die 18. Division in Bombay (Mumbay), nicht Rangun, um im Bedarfsfalle (über den persischen Golf geschippert) ihre irak. Ölquellen verteidigen zu können. lgO

0

Ja gut iwas is vlt drann aber eig wolte ja das Afrika Korps oder auch Panzerarmee Afrika mit der Heeresgruppe Süd im Kaukasus zusammen treffen oder? Naja wäre warscheinlich sowiso niemals möglich gewesen...

derdorfbengel 13.09.2012, 20:21

Genau dieses Zusammentreffen im Irak erläutert Heydrich und kommt darauf hin dazu, dass anschliessend die Türkei in den Krieg eintreten und Deutschland Flugplätze zur Verfügung stellen werde.

Da das Zangenmanöver als Plan ja historisch als Fakt gilt, ging da das Altbekannte und das Verwirrende für mich ineinander über.

0

Also eigentlich nicht. Die Türkei(Osmanen) waren Öl/Treibstofflieferant des Deutschen Reichs. Eine Erwägung zum Kriegsbeitritt ist historisch nicht so korrekt, soweit ich das beurteilen kann

derdorfbengel 13.09.2012, 18:13

Die Türkei hat gar keine Ölfelder. Also kann sie wohl kaum ein Öllieferant gewesen sein.

0
orangenzwiebak 13.09.2012, 18:34

Im Gegenteil, die Türkei war neutral, im Februar 1945, als der Krieg so gut wie vorbei war, hat sie Deutschland den Krieg erklärt um noch von einer Mitgliedschaft in der UN zu profitieren, aktiv in den Krieg eingegriffen hat sie nicht.

0
gugggug 14.09.2012, 17:58
@orangenzwiebak

Sorry! Stimmt mein Fehler! Das Osmanische Reich wars :) Voll verpeilt. Sorry. 1. Weltkrieg

0
derdorfbengel 17.09.2012, 00:34
@gugggug

Ja. Im 1. Wk hatte die Türkei noch Ölfelder, weil sie ja noch die arabischen Länder besetzt hielt. Die im Nordirak waren gerade entdeckt.

Allerdings war Öl da noch nicht von DER entscheidenen Bedeutung.

Mit Kriegsende verlor sie alle diese Gebiete.

0
gugggug 17.09.2012, 18:12
@derdorfbengel

Ja genau, daran hab ich gedacht :)

War es auch nicht... Ressourcen waren eigentlich da ;)

0

Was möchtest Du wissen?