piloten unter euch? habe angst vorm fliegen...

8 Antworten

Dir die Angst nehmen ist schwierig. Leider hat Angst nichts mit Verstand zu tun, sonst könnte man ja einfach entscheiden, keine Angst zu haben. Ich kann dir aber versuchen zu schildern, wie so ein Flug abläuft.

Vor Beginn des Fluges treffen sich Piloten und Kabinenpersonal und sprechen den kommenden Flug und eventuelle Besonderheiten durch (VIPs an Bord, Tubulentes Wetter, etc.). Dann machen sich die Piloten nochmal mit der Flugdurchführung vertraut. Geplant wird so ein Flug von speziellen Flugplanern, die Piloten bekommen dann ein fertiges Paket mit Karten, Kraftstoffplanung, Wetterkarten usw. Dann gehen sie an Bord.

Der Kapitän macht einen Rundgang um den Flieger, um alle wichtigen Dinge zu überprüfen (Bremsen nocht gut, Reifen in Ordnung, Triebwerke unbeschädigt, alle Wartungsklappen zu, keine Dellen im Flugzeug, keine Flüssigkeiten, die auslaufen). Der Kopilot (bei langen Flügen können es auch zwei oder gar drei sein) bereiten den Flieger im Cockpit vor. Sie geben z.B. den Flugweg ein, starten alle Systeme und überprüfen die Ausrüstung an Bord. Wenn der Kapitän wieder da ist, wird sich gemeinsam auf den Abflug vorbereitet. Unter anderen spricht man durch, wo man lang fliegt, was man macht, wenn ein Triebwerk ausfällt (was kein Problem ist, man landet einfach wieder) oder den Start abbrechen muss.

Wenn alle Passagiere drin sind, die Türen und Frachttüren zu, genug getankt wurde und die Flugsicherung die Freigabe erteilt hat, darf man die Triebwerke anlassen und sich vom Flughafengebäude zurüchschieben lassen. Laufen alle Triebwerke, rollt man zum Start und setzt dabei die Landeklappen. Das ist das leiernde Surren, was man hört, wenn man an den Flügeln sitzt. Man kann sie auch ausfahren sehen. Man rollt zur Startbahn und startet, wenn man die Erlaubnis bekommen hat. Am Anfang fliegt man steil vom Boden weg, um die Anwohner möglichst wenig mit Lärm zu belasten. Dann fliegt man etwas flacher und reduziert den Schub, was sich manchmal etwas komisch anfühlen kann, so also ob man leichter wird. Das ist aber ganz normal. Man steigt weiter bis auf die Reisflughöhe und beschleunigt auf die Reisegeschwindigkeit (etwa 950km/h). Im Reiseflug beschäftigen sich die Piloten hauptsächlicht damit, den Spritverbrauch zu kontrollieren und zu navigieren.

Kommt man in die Nähe des Flughafens, beginnt man seinen Sinkflug. Dabei versucht man so zu fliegen, dass die Triebwerke im Leerlauf sind und das Flugzeug wie ein Segelflieger nach unten gleitet. Das spart am meisten Kraftstoff. Deshalb wird es zu Beginn des Landanflugs auch erst mal leiser.

Vor der Landung wird es wieder spannend. Man muss das aktuelle Wetter am Zielflughafen einholen. Auch die vorraussichtliche Landebahn kann jetzt bestimmt werden. Sie ändert sich je nach Windrichtung, man versucht immer möglichst gegen den Wind zu landen. Dann wird der Anflug durchgesprochen. Was für Wolken und welche Sichtweite hat man, wie ist der Wind, wie sieht die Anflugroute aus. Und wieder auch der was-wäre-wenn Fall: Was mache ich, wenn ich durchstarten muss (z.B. wenn noch ein Flugzeug auf der Landbahn ist, was nicht schnell genug runterrollt oder man eine starke Böe abbekommt, die einen von der Bahn wegdrückt).

Im Anflug werden nacheinander auch die Landklappen ausgefahren. Diese bremsen das Flugzeug spürbar ab. Ist man immer noch zu schnell, kann man Bremsklappen auf den Oberseiten der Flügel ausfahren. Man spürt dann ein leichtes Schütteln und es rauscht etwas mehr. Dann wird das Fahrwerk ausgefahren. Die Verriegelung, die das Fahrwerk und die Fahrwerksklappen im eingefahrenen Zustand festhält, löst sich mit einem deutlichen Rumms. Das kann sich komisch anhören, wenn man im Bereich des Flügels sitzt, ist aber völlig normal.

Ist der Flugplatz erreicht, landet man auf der Landebahn. Dabei ist es eher schlecht, ganz sanft zu landen, weil man beim sanften Ausschweben noch eine längere Strecke die Landebahn entlang schwebt. Man hat dann also weniger Strecke zum bremsen. Man versucht also lieber "deutlicher" zu landen, als zu weit zu schweben. Ist man aufgesetzt, bremsen die Radbremsen, die Bremsklappen auf den Flügeln (kann man super sehen) und der Umkehrschub der Triebwerke das Flugzeug ab. Dabei kann man etwas stärker Bremsen, wenn man z.B. eine bestimmte Ausfahrt erreichen will.

Hat man die Landebahn verlassen rollt man zum Flugsteig. EIne Bitte: nicht losschnallen, bevor die Zeichen ausgegangen sind. Ich hab schon Leute durch die Kabine purzeln sehen, weil ein Auto dem Flugzeug die Vorfahrt genommen hat und es stark bremsen musste.

Wenn der Flugsteig erreicht ist, steigen die Passagiere aus und die Fracht wird entladen. Die Piloten müssen jetzt noch viel Papierkram erledigen, bevor sie dann auch Feierabend haben.

So, jetzt gehen mir die Zeichen aus. Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Guten Flug! maussuam

vielen lieben dank fuer deine antwort, die war sehr ausfuehrlich und genau das was ich mir gewuenscht habe :-)

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@maussuam hi,

Ich wollte dir nur mal sagen wie Cool ich das von dir finde, dass du dir so viel zeit nimmst sachen zu beantworten die mit dir garnix zu tun haben bzw. wo du auch einfach weiterklicken könntest.

Ich musste dir das einfach mal sagen

MFG jan

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Ein Auto, das dem Flugzeug die Vorfahrt nimmt? ;-) Na das traut sich aber was ... Danke übrigens für die sehr detaillierte Schilderung. 

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Auch wenn ich nicht der Fragesteller war -vielen Dank für die ausführliche Antwort, jetzt steige ich auch etwas beruhigter in den Flieger :)

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Du brauchst keine Angst zu haben falls doch solltest du mehr fliegen und dich über die heutige Luftfahrt informieren ich meine es fliegen pro Tag locker über 1000 Flügzeuge hin und her und du willst glauben das unbedingt deins Abstürzen soll ( etwa so in der Art denken ) außerdem werden Piloten für den Tiebwerkausfall usw.trainiert im Flightsimulator und wenn du bedenkst was die heutige Flugzeuge aushalten können von Turbolenzen da staunst du wa:) am besten immer angeschnallt sein und es sterben mehr leute pro jahr an einer Erdnuss (oder Kokosnuss ) als beim Flugzeugabsturz. Auf jeden fall fliegst du mit nem super Flugzeug wenn du lange Strecke. fliegst wie z.B Boing 747-8 so was in der art

Und was können Piloten daran ändern? Vielleicht hilft das: Die Flügelspitzen können sich über einen Meter nach oben und unten bewegen, ohne dass ein Flügel abbricht. Wenn es so doll ruckelt, dass die Gepäckkabinen auffliegen und nicht angeschnallte Leute unter die Decke klatschen, ist das immer noch kein Problem für das Flugzeug. Es gibt spezielle Trainings in Simulatoren, die man an Flughäfen buchen kann, zB in Frankfurt. Da erlebt man mal, was noch "normal" ist und dann belächelt man das bißchen Schaukeln.

und wieso stuerzen so viele flugzeuge doch ab?

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@superblume

Das sind nicht viele. Es kommt dir so vor, weil jedesmal groß darüber berichtet wird. In derselben Zeit sterben zigmal mehr Menschen in Autos und Küchen.

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@superblume

Weil ab und an ein "pilot" da vorne sitzt der nicht für alle situationen den nötigen skill hat. Wie zB die air france die in den atlantik krachte.

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