Physiker (Beruf)

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

die jobaussichten allgemein (also dass du irgendeinen guten job hast, aber außerhalb der forschung) sind sehr gut.

die jobaussicht als theoretischer physiker (also wirklich in der forschung) sind schlecht, das kann ich dir auf jeden fall sagen. du brauchst dir nur ausrechnen, wieviele doktoranden ein professor im laufe seiner karriere betreut. nur einer wird schließlich seine anstellung übernehmen. das ist keine gute quote.

bis zum doktorat ist es überhaupt kein problem, wenn du bis hier hin durchhältst wirst du normal auch eine doktorandenstelle bekommen. von dem gehalt kann man auch gut leben (vl. nicht unbedingt eine familie ernähren). aber danach wird es schwierig. nach dem doktorat folgen einige postdoc anstellungen. diese sind normal auf zwei bis drei jahre beschränkt, d.h. du musst alle zwei bis drei jahre deinen wohnort wechseln. das kann auch bedeuten, dass du auf einen anderen kontinent ziehen musst. das kann je nach lebenssituation aufregend und abenteuereich sein, für menschen mit fester sozialer bindung, lebensgefährten oder sogar kindern ist das aber natürlich schon sehr problematisch. auch die bezahlung liegt unterhalb dessen, was man mit der selben qualifikation in der wirtschaft verdienen könnte.

irgendwann nach ein paar postdocs eine feste anstellung zu erhalten ist quasi der jackpot. das gelingt aber nicht allzu vielen. du musst dazu nämlich eben nicht nur fachlich zu den besten gehören (mit weltweiter konkurrenz), sondern diesen lebenswandel auch bis dahin durchgestanden haben. viele hochtalentierte leute mit den besten vorraussetzungen kommen gar nicht bis hierhin, weil sie sich eben vorher schon für einen sichereren, besser bezahlten job entschieden haben, z.B wegen familie.

wenn du mal eine feste anstellung hast (die meist schon auch gut bezahlt sind), tja dann ist es denke ich schon ziemlich geil ;-)

viele leute verlassen wie gesagt die forschung nach dem doktorat oder aber nach ein oder zwei postdoc anstellungen. hier landen theoretiker meist dort, wo auch mathematiker gebraucht werden. das sind z.B banken, versicherungen, finanzwirtschaft,... . hat also mit der forschung die man in seinem "früheren leben" gemacht hat dann meist überhaupt nichts mehr zu tun. bezahlung ist aber meist deutlich höher als in der wissenschaft. experimental physiker haben es wahrscheinlich ein bisschen einfacher, in eher "forschungsnäheren" bereichen in der wirtschaft unterzukommen, je nachdem was sie gemacht haben. aber know-how in halbleitertechnik, laser,... kann man in der industrie schon brauchen. als theoretiker ist das schon schelchter, weil ob du dich z.B. in theoretischer teilchenphysik auskennst interessiert in der wirtschaft halt kein schwein. aber mathematische fähigkeiten, programmierkenntnisse, erfahrung mit numerischen mehtoden...., werden wie gesagt durchaus gebraucht und gesucht.

ob das studium für dich schwer ist oder nicht, das hängt von dir ab, das kann dir niemand sagen. ein physikstudium in mindestzeit ist aber auf jeden fall ein ziemlicher vollzeitjob. übungsaufgaben rechnen, protokolle schreiben, seminare vorbereiten wird auf jeden fall einen großteil deiner zeit in anspruch nehmen, auch wenn du zu denn besten gehörst und schnell arbeitest. das ist einfach so.

auch kann ich dir sagen, dass du dich jetzt noch nicht festlegen solltest (und im studium im bachelor zum glück auch gar nicht musst bzw. kannst) in welche richtung du gehen willst. am anfang des studiums wollen meist >80% theoretiker werden, in wirklichkeit sind die theoriegruppen immer viel viel kleiner als die experimentellen. die begeisterung für theoretische physik endet bei vielen leider mit den ersten theorie-vorlesungen im zweiten studienjahr. du musst einfach im laufe der zeit selbst herausfinden, was dir spaß macht und worin du begabt bist. das hat aber locker bis zum masterstudium zeit, also mach dir hier nur keinen stress.

und der berufsalltag als theoretiker: naja, für professoren geht verdammt viel zeit mit organisatorischen sachen und bürokratie und lehre drauf, die tatsächliche forschung (die oft von doktoranden und postdocs gemacht wird) ist aber auf jeden fall eher langwierig und nicht unbedint geeignet für fernsehserien. ich glaube viele leute stellen sich theoretische physik irgendwie "actionreicher" oder "philosophischer" vor als es ist. man schreibt zwei wochen an einem programm, dann funktionierts nicht und man sucht zwei wochen den fehler. dann sitzt man ein paar wochen an einer rechungen, dann sucht man wieder ein paar wochen den fehler und zum schluss kommmt man drauf, dass das eine andere gruppe ohnehin schon früher gerechnet hat. dann verbingt man zeit damit, paper zu schreiben, sich mit den reviewern zu ärgern, das paper nochmal zu schreiben, literatur zu suchen,... muss man halt alles irgendwie mögen, sonst hält man es wahrscheinlich nicht durch.

ich wünsch dir auf jeden fall viel erfolg bei deinem studium.

Fang erstmal an zu studieren. Dann kannst du erkennen, ob die theoretische Physik dein Fleisch und Blut ist. Mit irgendwelchen Perspektiven hat das nichts zu tun. Falls du Perspektiven suchst, musst du ein Ingenieur-Studium vorziehen.

Berufsperspektiven für Physiker

Physiker sind flexibel einsetzbar, weil sie analytisch denken können und Probleme strukturiert angehen. In der Wirtschaft findet man sie überall dort, wo Firmen ihr Wissen über Stoffe und Naturgesetze nutzen wollen, um neue Technologien zu entwickeln etwa in der Photonik-, in der Mikroelektronik- oder in der Energiebranche. Physiker sind auch bei IT-Unternehmen gefragt oder arbeiten bei Versicherungen, für die sie zum Beispiel Risikoszenarien berechnen. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat ermittelt, dass drei Viertel aller Physiker in angrenzenden Feldern, wie zum Beispiel der Informatik, arbeiten. Rund zehn Prozent sind in der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung tätig. Laut einer Studie des Hochschul-Informations- Systems in Hannover von 2010 waren drei von vier Physikabsolventen nach einem Jahr regulär erwerbstätig. Das Einstiegsgehalt lag im Durchschnitt bei 33 000 Euro. Gute Berufsaussichten haben auch Physiklehrer. Sie werden deutschlandweit gesucht.

Quelle - Studienführer 2013/14

Ansonsten schau auch mal hier - http://www.physikerboard.de/

Was möchtest Du wissen?