Philosophisches Denken in Kapitalismus integrieren?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Hallo othmarione,

wie ich es verstehe, bist du jemand, der mit Intelligenz an die Fragen und Probleme des Lebens herangeht. Intelligenz, ich meine damit die kreative Intelligenz, versucht eine Frage oder ein Problem zu verstehen, anstatt es zu lösen. Dann machst du die Erfahrung, hast du eine Frage vollständig verstanden, dann ist die Lösung sehr einfach.

So gibt es in der Schule diejenigen, die Wissen auswendig lernen und Methoden lernen, wie man mit dem Gelernten zu Lösungen kommt. Das ist der übliche Weg.

Die (wenigen?) anderen haben gelernt ihre Intelligenz einzusetzen. Intelligenz arbeitet im Grunde spontan, natürlich und im Grunde absichtslos. Sie führt zu guten Ergebnissen, aber sie funktioniert nicht in den Kategorien Ursache und Wirkung. Eine Idee kann man nicht machen, man ihr ihr jedoch den Raum geben, daß sie kommen kann.

Der letzte deutsche Physik- Nobelpreisträger hat einmal sinngemäß im Interview gesagt: Hierachien behindern die kreative Intelligenz. Er forderte Arbeitsplätze für Kreative, die aus dem üblichen Kariereweg herrausgenommen werden.

Vielleicht wäre es eine Aufgabe für dich, dieses Feld für dich zu erschließen. Z.B. mit Unternehmensberatung im Themenfeld Kreativität und Unternehmensführung.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von othmarione
16.11.2016, 14:07

Hallo Nicodemus0815,

Danke für deine Antwort. Es ist für mich sehr einleuchtend. Denn für mich ist es kaum möglich auf Kommando zu leisten. Ich kann schon logische Schlüsse ziehen, ich kann auch die Aufgaben erledigen, welche mir aufgetragen werden. Aber meine innere Stärke und meine Energie entfachtet sich überhaupt nicht. Ich fühle mich nur "halb" funktionierend, weil mir die Pflichten den Weg versperren. Am kreativsten bin ich gegen 22 Uhr, dann bin ich jedoch wiederum müde. Ich konnte nie auswendig lernen ohne den Sinn dahinter zu erkennen, ich verstehe somit die Entwicklung der Karriere nicht, ich kann mich nicht hineinfühlen, es ist mir so fremd. Ich würde nie auf die Idee kommen, etwas auswendig zu lernen, anstelle zu verstehen, da ich mit Auswendiglernen nur an die Oberfläche kratze und bei jeder Abweichung die gesamte Basis verliere. 

Unternehmensberatung habe ich mir auch schon überlegt. Ich befürchte jedoch bis dahin, nur auswendig lernen muss. Ich kann mit der Wirtschaft heutzutage kaum etwas anfangen, weil es für mich zu menschlich "erfunden" wurde. Die Psychologie dahinter jedoch, finde ich schon etwas spannender. Vielleicht habe ich auch, durch meine negative Haltung, einfach nur eine "falsche" Sicht zum Ganzen.

Grüsse

0

Du bist vielseitig begabt, jung, weißt sogar schon um die Grenzen eines vorrangig vom Intellekt gesteuerten Lebens, hast großes Interesse an philosophischen Fragen.
Dich in die alltäglichen Details zu vergraben, um im Leben "Erfolg" zu haben – das ist für Dich schon jetzt  keine tragfähige Motivation mehr.

Mir kommt in den Sinn, dass Du etwas von den Zugvögeln lernen könntest. Sie brechen auf mit der Gewissheit, dass sie nun auf die Reise gehen müssen – ohne das Ziel, das in ihnen ist, bewusst anzusteuern. Ihre Reise ist sehr kräftezehrend und auch bedrohlich. Sie geben Alles in dieses Unterwegs-Sein.

Du hast doch eigentlich ideale Voraussetzungen für Deine Lebensreise. Hindern Dich vielleicht Deine intelligenten Gedanken am „Losfliegen“?

Auf unsere Intuition zu vertrauen ist in einer durch-rationalisierten Welt eine gewaltige Herausforderung – Deine Herausforderung – so vermute ich.

Neben der Reflexion – die Dir so wichtig ist – und der Aktion – nach der Du Dich doch sehnst – könntest Du als Übergreifendes vielleicht die Kontemplation entdecken, die Dir das „Nichthandeln“ (Wu wei) schenkt, bei dem „nichts ungetan bleibt“ – also, das „Handeln“ aus der Intuition.

Das braucht Dich aber nicht davon abzuhalten Automechanikerin zu werden oder Gärtnerin und auch nicht davon, meine Worte für dummes Geschwätz zu halten.

Na, und philosophisches Denken in den Kapitalismus  integrieren - vielleicht kann man auch den "Islamischen Staat" in die UNO iintegrieren.

Wünsche Dir ein kreatives Leben.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Mit der Philosophie ist es ähnlich wie mit der Kunst, sie stellt sich dem Verwertungsprinzip des Kapitalismus quer.

Es zum Beruf innerhalb des Kapitalismus zu machen, ist sehr schwer. Entweder verdient man so gut wie nichts, oder man gibt die Unabhängigkeit seiner Philosophie oder Kunst auf und wird zum Auftragsdenker bzw Zierleistungsträger.

Ich glaube, dass es besser für die Kunst oder Pilosophie ist, sie nicht zum Beruf zu machen, der Geld einbringen muss, sondern Amateur ( = Liebhaber) zu bleiben. Also einen Beruf zu wählen, der genug Zeit und Raum lässt, seine geliebte Philosophie oder Kunst auszuüben.

Vielleicht eine Halbtagsstelle oder einen zeitweiligen Beruf, bei dem man so gut verdient, dass man sich ein halbes Jahr oder länger frei nehmen kann.

Auf jeden Fall ist man umso unabhängiger, je weniger man zum Leben braucht. Das muss nicht so extrem sein wie bei Diogenes in seiner Tonne, aber im Prinzip hat er recht.   

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Hallo othmarione,

unser aller Leben orientiert sich mehr oder weniger an Kompromisslösungen und an der Tatsache, dass es kaum noch - vernünftig - möglich ist, sich aus dem gesellschaftlichen Kontext herauszulösen. Vor diesem Hintergrund wird dein Problem erst einmal verständlich. Dir zu raten ist insofern schwierig, da du dich wegen deiner vielseitigen Interessen und spezifischen Denk- bzw. Betrachtungsweisen generell noch nicht festlegen kannst - d. h. im Grunde wohl auch nicht willst.

Du bist intelligent, vielseitig begabt und Neuem gegenüber aufgeschlossen, vor allem aber noch jung - damit sollten dir alle Wege offenstehen. Deiner erwähnten Neigung entsprechend wäre wohl die Fachrichtung Psychologie (Studium) anzuraten, ohne dabei kreative Berufsfelder wie eben Informatik aus den Augen zu verlieren. Flankierend kannst du deine Ausbildung mit Themenfeldern wie Philosophie, Kunst (Design, Musik) und ggf. Architektur abrunden. In allen Fällen wäre aber deine Einstellung, "nicht in die Materie einsinken" zu wollen, generell zu überdenken.

Der aus meiner Sicht anspruchsvollste Weg wäre letztlich der Schritt in die Selbstständigkeit, wenn du der Stupidität des fachlich tristen Arbeitslebens entrinnen willst. In deiner eigenen Firma könntest du intellektuell aufgehen und dein breit gefächertes Wissen sehr gezielt einbringen. Diesen Schritt solltest du jedoch - entsprechend deiner Grenzen - sorgfältig abwägen und keinesfalls unterschätzen.

Noch etwas: Der Kapitalismus hat bereits seine ihm eigene Philosophie, der man sich auch aus moralischen Gründen nicht unbedingt anschließen muss. Tangieren wird sie dich dennoch, unweigerlich. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, wenn diese einfach gestrickte Philosophie vernünftigeren Idealen angepasst werden könnte... 

Ich wünsch dir alles Gute, LG.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Höre ich da etwas Kapitalismuskritik heraus? Wenn ja, wie wäre es mit einem Studium im Bereich Wirtschaft, z.B. Volkswirtschaftslehre, mit dem Ziel diesen gesamten Komplex zu verstehen und dann, gemäß einer schlüssigen Philosophie verändern zu können?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Also ich finde Philosophie und Informatik passen bestens zusammen.
Zumindest ist das meine Erfahrung, Philosophisches Denken kann dir aber in allen Bereichen hilfreich sein.
Aber mit reiner Philosophie ist heute leider nicht mehr viel anzufangen, außer wie du sagtest, vielleicht ein Buch zu schreiben.
Du könntest dir noch überlegen in die Politik einzusteigen, allerdings muss man dafür Knallhart drauf sein, sonst geht man dort unter.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nach meiner Einschätzung könntest du die Lösung durch Trennung der Bereiche finden, mit Beibehaltung und Kutivierung der Trennung.

Unternehmensberater sind überwiegend im Bereich "Bauch", aber nur sehr geringfügig im Bereich "Kopf" der Unternehmen tätig. Das mag an dümmlichen Vorgaben bzw. Voreingenommenheit der Auftraggeber liegen.

Die Trennung der Bereiche könnte es dir ermöglichen, in den leider von Geringschätzung geplagten "produktiven Bereich" einzudringen und dort, außer Erfolg zu haben, deinen persönlichen Wert zu pflegen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Und was ist nur mit Psychologie? 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von othmarione
16.11.2016, 11:29

Das habe ich mir auch schon überlegt... wäre natürlich eine Möglichkeit. Meine Befürchtung hier wäre, dass es mich zu wenig fordert, da auch hier Routine eintreten kann. Wäre aber sicher eine Überlegung wert!

0

Was möchtest Du wissen?