Philosophischen Essay über Wahrheit

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1 Antwort

Wissenschaftliche Aufsätze befolgen ziemlich strikte formale Vorgaben, können auch ziemlich lang sein und sollen sich um Objektivität bemühen.

Ein philosophischer Essay ist ein verhältnismäßig kurzer und formal (in der Form) freier Text. Er kann subjektiv sein und auf einen Denkanstoß zielen. Dabei ist ein Anstreben von großer Ausgewogenheit nicht unbedingt verlangt und Gesichtspunkte abseits der Hauptüberlegung können übergangen werden.

Der Text enthält nur für den Gedankengang wichtige Dinge (Konzentration auf die Fragestellung). Der Essay soll klar und verständlich geschrieben sein. Wer eine zumindest einigermaßen gute Allgemeinbildung hat, sollte ihn ohne besondere philosophische Vorkenntnisse verstehen können. Verwendete Fachbegriffe sollten möglichst früh vorkommen und kurz erläutert werden.

Kohärenz (innerer Stimmigkeit; die Gedanken passen zusammen, stehen nicht in Widerspruch zueinander) und überzeugende Argumentation sind ebenso wie bei einem wissenschaftlichen Aufsatz Beurteilungsmaßstäbe.

Die Gattung des Essays bietet viel Raum für das Anstreben eines glanzvollen Stils und eleganter Gedankenführung. Beispiele können für Anschaulichkeit sorgen. Ein Essay kann eine zugespitzte Darstellung sein. Von der eigenen Meinung abweichende Auffassungen sollten eindeutig bestimmt werden und dürfen auch mit einem Schuß Polemik angegriffen werden. Am Ende sollte als Ergebnis eine deutliche These vertreten werden.

Volker Steenblock, Philosophische Bildung : Einführung in die Philosophiedidaktik und Handbuch: praktische Philosophie. 6. Auflage. Berlin ; Münster : Lit-Verlag, 2012 (Münsteraner Einführungen : Münsteraner philosophische Arbeitsbücher ; Band 1 ), S. 173:
„Der Essay (englisch für Versuch, französisch Essai) wurde als Begriff und literarische Gattung vor allem vom französischen Philosophen Montaigne geprägt. Man versteht darunter eine kürzerer Abhandlung in elegant durchdachter und subjektiv pointierter Form.

Ein Essay lebt von der besonderen Idee. Er soll interessant und kann gewagt sein; eine die Zeiten überdauernde, ausgewogene Wahrheit verlangt niemand von ihm. Die seit zehn Jahren durchgeführte sogenannte „Philosophie-Olympiade“, ein Wettbewerb im Essay-Schreiben, verwendet zur Beurteilung von Essays Kriterien wie Originalität und Kreativität, Grad der zugrunde liegenden philosophische Kenntnisse und argumentative Überzeugungskraft […]. Insgesamt ist der Textcharakter eines Essays nicht fest umrissen und bietet einen großen Gestaltungsspielraum.“

ein Literaturhinweis:

Gerd Gebhardt, Der Essay - Über das Verfassen, Verbessern und Beurteilen philosophischer Versuche. In: Philosophiekurse. Herausgegeben von Volker Steenblock. Münster : Lit-Verlag, 2004 (Münsteraner Einführungen : Münsteraner philosophische Arbeitsbücher ; Band 3), S. 141 - 154

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