Kann mir jemand bitte in einfachen Worten die Philosophie von Rene Descartes erläutern?

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2 Antworten

Cogito ergo sum ist zwar der bekannteste Spruch von Descartes, aber das ist nicht seine wichtigste Leistung.

Seine wichtigste Leistung, die die Grundlage der gesamten modernen Wissenschaft gelegt hat, ist das mechanistische Weltbild. Dabei geht Descartes davon aus, dass die gesamte Welt und alles in ihr wie eine Maschine, wie ein Uhrwerk funktioniert. Man müsse diese Maschine nur in ihre Einzelteile zerlegen, die Bedeutung der Einzelteile analysieren und dann würde man auch verstehen, wie das Große und Ganze funktioniert.

Zur Analyse der Einzelteile entwickelte er auch diverse mathematische Methoden. Hier war das wichtigste das rechtwinklige Koordinatensystem, das deswegen auch kartesisches Koordinatensystem heißt.

Das mechanistische Weltbild hatte einige interessante Folgen. Die wichtigest war die Vermutung, dass alles in der Welt vorherbestimmt ist, also determiniert ist. Aus dieser Voraussetzung ergibt sich dann über einiges Denken um die Ecke zwangsläufig, dass es einen vom Körper getrennten Geist und Seele gibt.

Das mechanistische Weltbild mit seiner deteministischen Folge gilt allerdings seit 1977 als widerlegt. In seiner Theorie Dissipativer Strukturen (Nobelpreis 1977) zeigt Ilya Prigogine, dass die Welt, insbesondere alles, was mit Leben zu tun hat, nicht mechanistisch bzw. deterministisch betrachtet werden kann und dass das mechanistische Weltbild ein Grenzfall in der Nähe des thermodynamischen Gleichgewichtes darstellt. Das zugehörige Stichwort für alle anderen Fälle ist Emergenz.

DH für Hamburger02! Descartes wurde nicht von ungefähr als Urahn der französischen Aufklärer benannt. Aus seinem mechanistischen Weltbild hat dann La Mettrie die "Maschine Mensch" entwickelt. Bei Philipp Blom "Böse Philosophen" wird zwar Epikur als Stammvater der französischen Aufklärer erwähnt, doch das stimmt nicht - zumindest was die Naturauffassung anging waren sie außer Diderot alle Anhänger von Demokrit und seinem Determinismus. Descartes ist groß geworden in der Denktradition der Scholastik, bezog von dort die "ewige Sehnsucht" nach einem "sicheren Wissen", nach Gewissheit. Doch mit seinem "Cogito" durchbricht er bereits die Definitionsmacht der Kirche. Mit seinen empirisch gegründeten Arbeiten zu den notwendigen Voraussetzungen einer experimentellen Wissenschaft hat er die moderne Wissenschaft mit aus der Taufe gehoben. Es hatte seine Gründe, dass er anonym veröffentlichen musste.

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@berkersheim

Volle Zustimmung.

Descartes hat die Grundlagen der modernen analytischen Wissenschaften geschaffen und damit das mittelalterliche Weltbild einer von Dämonen, Teufeln und Gott gesteuerten Gesamtsicht überwunden. 

Newton wendete die neue Denkweise Descartes als erster konsequent an und bewies damit die Leistungsfähigkeit des kartesischen Modells, womit er dem mechanistischen Weltbild zum breiten Durchbruch verhalf, das die europäische Philosophie für gut 300 Jahre maßgeblich prägte.

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Danke für die ausführliche(n) Antwort(en)!!

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Ganz kurz: "Ich denke, also bin ich." (Latein: Cogito, ergo sum. Französisch: Je pense, donc je suis.)

Danke, aber kannst du vielleicht in einfachen Worten erläutern wie er zu dieser Erkenntnis gelangt ist?

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@Antifascist

Wahrscheinlich, indem er nachgedacht hat. Philosophen tun so etwas. Ich vermute, er hat auch die antiken Philosophen (Platon, Sokrates, Aristoteles) sowie die aktuellen Philosophen seiner Zeit gelesen.

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Wir mögen zwar möglicherweise diversen Sinnestäuschungen ausgesetzt sein, sind aber auch in der Lage, über diese Sinnestäuschungen nachzudenken. Dass wir denken, setzt aber die Existenz unseres Ichs voraus. Anders formuliert: Sobald wir denken, können wir uns zumindest einer Sache sicher sein: unserer eigenen Existenz. Sobald wir das Bewusstsein haben, dass wir zweifeln und denken heißt das wir sind.

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D.h. auch Denken liefert eine klarere Aussage über die Welt, als es die Sinne tun. Bewusstsein und Geist sind die wichtigsten Eigenschaften des Menschen und heben ihn von Tieren/Maschinen ab.
Zweigeteilte Welt: Körper - Geist

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