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7 Antworten

Hi,- kurz gefaßt ist dieser Satz deshalb wichtig, weil Descartes als eine Art Vorbote / Vordenker der >Aufklärung< damit den Menschen aus den Fesseln der bis dahin gültigen, auschließlichen  Bedeutungszuweisung durch religiöse Ableitungssystematiken (der Mensch ist das was (ein) Gott will...) als >Autonomes Subjekt<, weil seiner selbst bewußtes und damit sich selbst er-schaffendes /erdenkendes Wesen zeitaktuell formuliert hat.

Zeitaktuell deshalb weil schon die griechisch-antike Philosophie den logischen Zusammenhang kannte, dass das >Denken< nur von sich selber wissen kann (als von-sich selbst-wissen / Selbstbewußtsein) wenn es sich im Denkgegenstand (quasi als Spiegel) bei seiner und durch seine Beschäftigung mit dem Denkgegenstand selbst beobachtet.

Einen ähnlichen Rückgriff auf diese Systematik findest du u.a. auch bei Karl Marx wenn er von >Entäußerung< im Unterschied zu >Entfremdung< als dem zentralen Unterschied zwischen nicht-entfremdeter und entfremdeter Arbeit spricht, also von Arbeit, die einerseits die natürliche Aneignung von Umwelt in einem Schaffensprozeß zur Emöglichung von Selbst-Bewußt-Sein und damit Selbst-Entwicklung darstellt und andererseits aber die Zerstörung dieser Beziehung durch die Reduzierung des Menschen auf entlohnte Funktionalität im Rahmen fremdbestimmter Produktionsprozesse.

Also: ja! Der Satz ist deshalb Richtig weil er logisch ist und auch deshalb wie ein "Urknall" bei der Emanzipation des Menschen von bevormundenden Welt- und Sinn-Erklärungsbehauptungen und -systemen gewirkt hat.

Das wir in heutiger Zeit leicht das Gefühl haben könnten, wieder hinter diese Erkenntnis in ein "dunkles" Zeitalter zurückgefallen zu sein ändert an der bestechendenden Logik, Klarheit und Zuspitzung der Feststellung, dass Niemand Jemandes Knecht ist, weil er seinen Sinn und seine Bedeutung zuallererst nur in sich selber hat, nichts!

Und da menschliche Entwicklung fast immer zwei Schritte vor macht, um direkt danach wieder einen zurück zu machen wird dieser Satz von Descartes die Grundlage für die nächsten "zwei Schritte vor sein" - irgendwann. ;-)

Gruß

Grautvornix16 26.09.2017, 19:33

Vielleicht noch eine Anmerkung. Für die Gültigkeit dieser Aussage ist nicht entscheidend ob wir das "ich bin / Sein" materiell oder ideell" definieren. Das ist für die Descartes`sche Verwendung des "Existenzbegriffes" gar nicht entscheidend. Es ist einfach eine TATSACHE, dass wir von uns selber wissen und damit auch der Begriff "Individuum" oder "Subjekt" in seiner Bedeutung in uns selbst und nicht außerhalb von uns verankert ist. Und damit sind wir Wesen, die sich selber denken und weil wir uns selber denken können interessieren und gestalten wir uns in einem fortlaufenden Prozeß der Umweltaneignung für uns selber als primär autonome Selbstwahrnehmungssysteme und deshalb SIND wir. - Punkt.

In welcher Weise ist eine ganz andere Frage, die ja u. a. in den berühmt berüchtigten Depatten zum Descartes`schen "Leib-Seele-Dualismus" immer wieder fröhliche Urstände feiern. Würde man heute Philosophie und Psychologie kombinieren würde man diesen "Dualismus" ganz unaufgeregt als "Alltagszustand" zur Kenntnis nehmen, ohne den Satz von Descartes an sich in Frage zu stellen. Denn er sagt nur, dass wir aus uns selber wissen, dass wir sind. Er sagt nichts darüber wie wir sind. ;-)

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Der Satz an sich ist durchaus überzeugend. Er hört aber auf, es zu sein, wenn man "sein" mit "existiere" gleichsetzt. Auch ein rein ideelles Sein ist ein Sein, aber keine Existenz. Die Vorstellung eines denkenden Gottes gibt ihm zwar eine Seinsform, ist aber kein Existenzbeweis.

Danke für´s Sternchen. War nur meine Idee zu deiner Frage. Aber Ideen sind ja auch irgendwie wie Sterne - mal heller, mal weniger - mal mit viel mal mit weniger Masse, mal langlebig mal Stern-Schnuppe - aber immer ein Ereignis das uns verändert. Und Leben ist ja bekanntlich Dynamik. Wünsche dir in diesem Sinne noch viele "Sternstunden" auf GF-Philo. ;-)

Nur weil man denkt muss man nicht sein. Es kann ein simuliertes denken sein, oder ein vorgetäuschtes.

Im grunde könnte man auch die ungenaue definition von "ich" und "denken" kritisieren, da man auch sagen könnte das unsere Existenz nur eine simulation ist und ähnliches. Da gibt es viele möglichkeiten. Der gute alte Teufel, der einem alles vorgaukelt.

Ja ich finde sie sinnvoll und richtig, weil man existiert wenn man denkt. 

Ist leider schon länger her als ich mich genauer mit dem Thema beschäftigt habe. 

Was mir jetzt aber noch so einfällt: Pflanzen denken ja nicht aber existieren trotzdem. Und Steine etc. Ja auch. Vielleicht habe ich auch etwas durcheinander gebracht, dann tut es mir leid 

LG

ulrich1919 27.09.2017, 09:09

Vielleicht habe ich auch etwas durcheinander gebracht

Nein, aber einen nicht erlaubten Umkehrschluss gemacht. Ich denke, also bin ich heißt überhaupt nicht, dass ich existiere, also ich denke.

Ein Pferd ist ein Tier, aber nicht: ein Tier ist ein Pferd.

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Cogito ergo sum - ist historisch überholt, war aber zu seiner Zeit sehr wichtig. Heute wissen wir Emoveo ergo sum - ich fühle also bin ich. Da wir noch nicht wissen, was "Bewusstsein" ist, aber durch psychoneuroimmunlogische Zusammenhänge verstehen, dass eben das "Gefühlsleben" biologische Bedingung des "Gedankenlebens" ist, ergibt das ein neues Menschenbild.

Ich finde sie sehr überzeugend, denn das Denken bestimmt all unser Handeln & (Da-)Sein. Jedes Lebewesen denkt & kann sich dem nicht entziehen, Du kannst es ja mal probieren ;)

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