Philosophie - Zweifeln?

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5 Antworten

Vermeintliche Wahrheit anzweifeln ist leicht, wenn man nachweist, das die vermeintliche Wahrheit lediglich eine Form sehr gefestigten Glaubens (Glauben ist nicht Wissen) ist.

Die Sache mit 3+3=6 läßt sich anzweifeln, indem man die Gegenfrage stellt, was wohl wäre, wenn niemand glauben würde, daß 6 herauskommt. Daraus ergibt sich dann im Umkehrschluß, daß 3+3=6 ebenfalls nur geglaubt ist und es deshalb offen bleiben muß, ob die Aussage wahr ist oder nicht.

Ob es sich bei dieser Art des Argumentierens nun um "geniale Logik" handelt oder nur um geschickte Rhetorik, kann dahingestellt bleiben. Diese Strategie stammt im Ursprung aus einer ganz anderen Diskussion und ist ihr nur entliehen.

Zu bedenken ist jedoch, daß zu jeder Gegebenheit Bedingungen gehören, ohne die eine Gegebenheit nicht möglich ist. Auch die o. g. Strategie des Argumentierens unterliegt solchen Bedingungen, und wo sie in ihrer ursprünglichen Diskussion berechtigt war, könnte es sich ergeben, daß sie bei dem in der Frage vorgestellten Thema Schwächen zeigt.

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Hallo MR255!

Eigentlich haben Deine "Schützer" doch schon verloren, wenn sie behaupten, Wahrheit sei subjektiv! Der Begriff der Wahrheit beinhaltet schon eine Objektivität oder Absolutheit. Eine subjektive Wahrheit verzichtet ja auf den Anspruch, allgemeingültig zu sein, und damit ist der Anspruch auf Wahrheit aufgegeben.

Was die Mathematik angeht, würde ich eine Nummer größer ansetzen: Lies mal ein bisschen über Kurt Gödel und seine Unvollständigkeitssätze nach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_G%C3%B6del

und:

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6delscher_Unvollst%C3%A4ndigkeitssatz

Diese besagen, dass ein System wie die Mathematik ihre eigene Gültigkeit nicht beweisen kann. Damit gilt für die Mathematik dasselbe, wie für die Physik, dass nämlich alle Aussagen nur innerhalb enger Grenzen gelten.

Die Aussage 3 + 3 = 6 ist im gekrümmten Raum falsch - nicht nur zweifelhaft!

Gruß Friedemann

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Kommentar von Galdur
29.09.2016, 16:39

Ganz genau, geh' einfach komplett existenzialistisch an die Sache. Es gibt das allgemeine Totschlag Argument, dass alles, was irgendwie menschlich ist, nur im Rahmen der Menschlichkeit existiert und darüber hinaus keine Aussage über die Gültigkeit getroffen werden kann, weil Menschen nicht über ihren Rahmen hinaus denken können - könnten sie es doch, so würden sie lediglich ihren Rahmen vergrößern und sich automatisch wieder in ihm befinden. Es gibt also allgemein immer einen Rahmen außerhalb des menschlichen Denkens, in den man sich nicht hinein denken kann.

So ist auch die Mathematik im Rahmen des menschlichen Denkens existent, aber außerhalb? Darüber kann man einfach keine Aussage treffen, wie ich oben bereits erklärt habe. Man wird versuchen, dagegen zu argumentieren, da "Mathematik logisch sei" und deswegen allgemein gültig sei. Unsinn, das kann man nicht sagen, sonst müsste man sein menschlichen Rahmen verlassen, um das zu prüfen. Und das kann man nicht.

Die ganz Cleveren könnten jetzt fragen, wie man von so einem Rahmen, über dessen Existenz man keine Ahnung hat, überhaupt sprechen kann. Simpel zu erklären: Der Rahmen des außermenschlichen hat allein schon Existenzanspruch, weil es die Idee von ihm gibt. Nach Kant ist alles, was in einer Idee manifestiert wird, existent.

Außerdem könnte man, um das leichter zu erklären, noch die simple Kontraposition anführen: Angenommen es gibt so einen Rahmen nicht, was dann? Na Dann ist der menschliche Rahmen der alleinige Rahmen, damit wäre der Mensch allwissend - es gibt aber innerhalb des Menschlichen Rahmes Probleme, deren Antwort unbekannt ist (Gibt es Gott?) - also kann der Mensch nicht allwissend sein.

Gruß, Galdur :)

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Kommentar von DarkSepia
01.10.2016, 20:59

Eigentlich haben Deine "Schützer" doch schon verloren, wenn sie
behaupten, Wahrheit sei subjektiv! Der Begriff der Wahrheit beinhaltet schon eine Objektivität oder Absolutheit. Eine subjektive Wahrheit verzichtet ja auf den Anspruch, allgemeingültig zu sein, und damit ist der Anspruch auf Wahrheit aufgegeben.

Nein, dadurch haben sie nicht verloren. Nicht allgemeingütlig zu sein bedeutet nicht, ungültig zu sein.

Was die Mathematik angeht, würde ich eine Nummer größer ansetzen: Lies mal ein bisschen über Kurt Gödel und seine Unvollständigkeitssätze nach. Diese besagen, dass ein System wie die Mathematik ihre eigene Gültigkeit nicht beweisen kann. Damit gilt für die Mathematik dasselbe, wie für die Physik, dass nämlich alle Aussagen nur innerhalb enger Grenzen gelten.

Trotzdem gibt es irgendeinen Mechanismus, nach denen wir Menschen einige Aussagen anderen vorziehen. Selbst du wirfst offenbar nicht jede Annahme aus dem Fenster, nur weil du sie nicht restlos beweisen kannst. Sonst hättest du die Antwort nicht geschrieben. Und was auch immer es ist: Damit können die Schützer arbeiten.

Die Aussage 3 + 3 = 6 ist im gekrümmten Raum falsch - nicht nur zweifelhaft!

Nein, ist sie nicht.

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Erstmal: Den Satz "Wahrheit ist subjektiv" kann man auch bezweifeln. Bitte sie, dir diesen Satz zu begründen, oder bring Argumente dagegen vor. Suchen kannst du die bei diversen Philosophen, u.a. Kant und Habermas. 

Bei 3+3=6 dürftest du aber gegen einen halbwegs intelligenten Schützer keine Chance haben. Es handelt sich einfach um eine tautologische Aussage: Zur Definition der Zahl drei gehört, dass 3+3=6. Selbiges gilt für die Art, wie die Zahl 6 definiert ist.

Sofern du diese Definitionen akzeptierst, kannst du diese Aussage nicht kritisieren. Und die Definitionen nicht zu akzeptieren, wäre unsinnig. Es würde die Kommunikation erschweren, ohne, dass irgendjemand einen Nutzen davon hätte. 

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Du könntst einfach die gesamte Mathematik anzweifeln und als vom Menschen erfunden auslegen. Somit müssten die Schützer dir beweisen, dass 3+3 auch 6 ergibt, wenn kein Bewusstsein eines Menschen vorhanden ist um diesen Satz zu bestätigen. Das sollte sie erstmal in die enge treiben. Oder du könntest zum Beispiel einfach infrage stellen, ob Zahlen überhaupt existieren, was prinzipiell aufs gleiche rausläuft. Wo sind denn diese Zahlen, von denen die Schützer sprechen? Sie werden wahrscheinlicu argumentieren, dass sie Konstrukte in den Köpfen der Menschen sind, und schon hast du sie dazu gebracht die tatsächliche Existenz der Zahlen bzw. Mathematik anzuzweifeln. Hoffe ich konnte dir helfen :-)

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Kommentar von DarkSepia
01.10.2016, 20:52

Somit müssten die Schützer dir beweisen, dass 3+3 auch 6 ergibt, wenn kein Bewusstsein eines Menschen vorhanden ist um diesen Satz zu bestätigen.

Das wäre nur wichtig, wenn es kein Bewusstsein gäbe. Wenn Mathematik etwas voraussetzt, was es ohnehin gibt, dann ist es für Zweifler nicht wichtig, dass Mathematik es voraussetzt.

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Kommentar von xSasukex
01.10.2016, 20:56

Sehr scharfsinnig! Danke, du hast natürlich recht. Das ist mir gar nicht aufgefallen :-)

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Die Schützer müssen doch auch argumentieren. Wie argumentieren sie für "Wahrheit ist subjektiv"? Wenn ihre Argumente nicht überzeugend sind, dann brauchten sie keinen Grund, warum Wahrheit subjektiv sei.

"3+3=6" kommt mir für einen Zweifler aber sehr schwer vor. Dieser Satz ist per Definition wahr, weil 6 das ist, was wir mit 3+3 meinen. Du könntest auch versuchen die Bedeutung der Aussage. Eine bedeutungslose Aussage ist auch nicht wahr. Nicht, dass ich das von 3+3=6 behaupten würde. Aber es ist deine Hausaufgabe und du kannst auch etwas von Versuchen lernen, wenn sie scheitern.

Und theoretisch könntest du auch kapitulieren. Als echter Zweifler oder Schützer im echten Leben sollte man das können, um nicht dogmatisch zu sein.

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