Pharmaindustrie.. Moralische Verfehlung?

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Das Ergebnis basiert auf 4 Abstimmungen

Nein, am Ende retten sie ja doch Menschenleben. 50%
Ja auf jeden Fall, man verdient kein Geld am Leben anderer! 50%

10 Antworten

Nein, am Ende retten sie ja doch Menschenleben.

Ich arbeite derzeit bei Tier-Pharma.

Und die Rohstoffe die Verwendet werden, sind fast 100% rein. Es steckt viel Arbeit und aufwand dahinter. + Müssen diese Medikamente von uns noch Analysiert und geprüft werden. Und die Arbeitskräfte, Rohstoffe, Wasserverbrauch.. kommt ja alles mit dazu. + die Chemikalien die wir für eine Untersuchung benötigen!

Hallo,

mit Produkten der Pharma-Industrie werden alljährlich unzählige Menschenleben gerettet.

Bei uns hier in Deutschland hat jeder, der eine Krankenversicherung hat, Zugriff zu diesen Möglichkeiten. Vom Kleinkind bis zum Greis. Ist Gefahr für Leib und Leben im Verzug, werden "Heilmittel" (wie bspw. teure Antibiotika)  auch anstandslos von den Krankenkassen bezahlt für den Versicherten, und andere finanzträchtige Behandlungen ebenso. Da spielt es keine Rolle, wieviel Geld der jeweilige denn selbst hat.

Von dem her verstehe ich die Formulierung nicht: "...Sie retten nur die, die das nötige Kleingeld haben..."

...Auch Sie selbst werden gerettet, wenn Sie schwer krank sind, die Krankheit selbst auch durch verschiedene Maßnahmen heilbar ist und noch rechtzeitig mit der Behandlung begonnen wurde. Das mag nicht bei jeder Erkrankung zutreffen, ist von der Art der Erkrankung auch sehr individuell abhängig.

Nur mal als Beispiel:

...Wenn Sie heute Abend ins Krankenhaus gehen würden und Ihr Blinddarm würde kurz vor dem Durchbruch stehen, würden Sie vermutlich untersucht, die Diagnose gestellt und Sie als Notfall sofort operiert.

...An Ihrer möglichen Genesung dann wäre wohl die Pharnaindustrie nicht ganz unschuldig. Und keiner im Krankenhaus wird danach fragen, wie voll denn nun Ihr Geldbeutel ist - sondern jeder wird Ihnen einfach nur helfen helfen wollen.

Die Formulierung, wie die Frage hier gestellt wurde, erschließt sich mir so leider nicht, und ich selbst finde Sie auch völlig unzutreffend und dazu noch unwahr.

Nein, am Ende retten sie ja doch Menschenleben.
  • Natürlich muss man jene bezahlen, die dafür arbeiten, Medikamente herzustellen.
  • Möchtest du kostenlos arbeiten, nur weil du Medikamente herstellst? Wie kommst du auf so einen abwegigen Gedanken? All die Arbeiter, Laboranten, Wissenschaftler, Mediziner, Verwaltungs- und Vertriebsmitarbeiter... wo willst du die Grenze ziehen? Die brauchen doch auch Einkommen und müssen ihr Leben bestreiten?
  • Die Entwicklung von Medikamenten ist zudem teuer und aufwendig und risikobehaftet. Es wird an sehr vielen Stoffen geforscht, aber nur wenige führen letztlich zu vermarktbaren Medikamenten.
  • Deine Frage könnte ebenso gut für Ärzte gestellt werden oder für die Fabrikanten von Sicherheitsgurten. Nur weil etwas Menschen retten oder heilen kann, bedeutet das doch nicht, dass nicht genau die gleiche Arbeit dahintersteckt wie hinter anderen Produkten auch.
Florendil 02.08.2017, 15:21

Hallo,

Vielen Dank für deine aufschlussreiche Antwort.

Ich möchte noch einmal aufzeigen, dass die Auswahlmögichkeiten nicht meine Meinung widerspiegeln, sondern einfach nur mögliche Standpunkte sind.

Diese Frage soll außerdem in keiner Weise dazu dienen, normalsterbliche Arbeitende zu diffamieren.

mfg

Florendil

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Kajjo 02.08.2017, 15:41
@Florendil

Na ja, aber es gibt ja nicht "'DIE Pharma-INDUSTRIE" in Kontrast zu all ihren Mitarbeitern. Die Gesamtheit der Angestellten und Eigentümer verkörpern einen Industriezweig und ich empfinde diese Verunglimpfung eines ganzen Industriezweigs als nicht wirklich zielführend.

Außerdem ist deine Aussage zum "Kleingeld" stark irreführend, da in Deutschland ja alle Menschen krankenversichert sind und jeder die angemessene Behandlung erhalten kann. Niemand wird wegen der Kosten der Medikamente von einer Behandlung ausgeschlossen.

Ich finde daher schon, dass du die Frage relativ stark vorverurteilend gestellt hast.

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Mir fehlt da eindeutig eine dritte Option. Denn es werden ja auch absolut unnötige Medikamente wie Cholesterinsenker verkauft und propagiert und damit Mio. gescheffelt. Aber ist es auch wichtig dass dadurch wirklich sinnvolle Medikamente entwickelt werden und so eine Entwicklung ist sehr kostspielig. Also, halb gut und halb verwerflich. 

JuxSinnlos 02.08.2017, 15:08

Kannst du mir mal erklären, warum Cholesterinsenker "absolut unnötig" sind? Ist dir klar, dass eine Hypercholesterinämie ein (nachweislich) sehr wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkte ist?

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isibisi18 02.08.2017, 15:29
@JuxSinnlos

Da Cholesterin ein Stoff ist den unsere Zellen zum Aufbau benötigen, um Galle herzustellen, ein Bestandteil der Hormone sind etc. ist Cholesterin nichts böses, es ist wichtig. Die Studie, dass erhöhte Cholesterinaufnahme zu Herzerkrankungen führt wurde an Pflanzenfressern durchgeführt - natürlich vertragen die keine Tierischen Fette. Die von dir genannte Hypercholesterinämie ist nicht eine Auswirkung von zu hohen Cholesterinwerten sondern verursacht diese, und das ist die Folge von anderen Krankheiten. Oft ist zu "hohes" Cholesterin auch gar nicht zu hoch sondern für den Menschen im Moment wichtig da z.B. gerade viele neue Zellen aufgebaut werden. Die Menge des Freien Cholesterins schwankt sehr stark. Sollte wirklich eine starke Überhöhung vorliegen, die nicht erblich bedingt ist, reicht es aus seine Ernährung umzustellen, auf Transfette zu verzichten und gesunde lebenswichtige Fette zu sich zu nehmen. Satine liegen übrigens im Verdacht sogar sehr schädlich zu sein. Und nebenbei wurden die "normalen" Cholesterinwerte in den letzten Jahren immer weiter nach unten geschraubt, weit unter die durchschnittlichen Bevölkerungswerte.

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JuxSinnlos 03.08.2017, 11:47
@isibisi18

Danke für den Einblick in dein exklusives Insider- Wissen! Dann werde ich ab jetzt keine Statine mehr verschreiben, wenn du das für nicht sinnvoll hältst...

Natürlich ist Cholesterin ein wichtiges Substrat für verschiedene Prozesse im menschlichen Körper. Das heißt aber nicht, dass es auch in jeder Konzentration gesund ist.

Einfaches Beispiel ist der Zucker: Ohne Glucose wären wir innerhalb kürzester Zeit tot. Eine dauerhafte Erhöhung des Blutzuckers führt auf der anderen Seite bekanntermaßen zu einer Vielzahl von Folgeerkankungen.

So ist es auch mit dem Cholesterin: Es ist lebensnotwendig, in erhöhter Menge fördert es aber die Degeneration von Blutgefäßen und damit das Risiko von Herzinfarkte, Schlaganfällen etc.

Deine Theorie, dass erhöhte Blutfette Folge anderer Erkrankungen sind, kann ich gar nicht pauschal widerlegen, dafür ist in diesem Bereich vieles noch zu schlecht erforscht. Woher nimmst du aber diese Erkenntnis?

Was wir wissen: Erhöhte Cholesterinwerte (auf die HDL/ LDL- Werte gehe ich jetzt mal nicht gesondert ein) führen beim Menschen zu einer signifikant höheren Rate an o.g. Folgeerkrankungen.

Deshalb sind die Zielwerte so "streng" geworden: Es wäre doch unethisch, nur schwach zu senken, wenn eine stärkere Senkung Schlaganfälle oder Herzinfarkte verhindern könnte, oder?

Wo ich dir absolut recht gebe ist die Ernährung: Dass heute so viele Patienten Probleme mit dem Fettstoffwechsel haben, liegt in erster Linie an unserem ungesunden Lebenswandel (schlechte Ernährung, wenig Bewegung etc.). Deshalb sollten wir in der Medizin darauf wesentlich mehr wert legen!!

Leider ist es extrem schwer, Patienten davon zu überzeugen, ihren seit Jahrzehnten gewohnten Lebensstil umzustellen. Ein (effektives) Medikament zu verschreiben ist dagegen einfach. Ideal wäre eine Kombination aus beidem oder eine reine Lebensstil- Änderung, die häufig schon ausreichend ist.

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Stellst du dir diese Frage tatsächlich? Also mir haben Medikamente schon einmal das Leben gerettet, deshalb kann ich die Frage bzw. dein Denken dabei absolut nicht nachvollziehen. In Deutschland wird jedem Menschen der Zugang zu Medikamenten gewährt und man muss keine Unsummen bezahlen. Meistens reicht dafür die Rezeptgebühr und der Rest wird von der Krankenkasse übernommen.

Natürlich gibt es Mittel wie die Anti-Baby Pille und homöopathische Medikamente denen ich kritisch gegenüber stehe, aber grundsätzlich bin ich doch sehr glücklich über unsere Organisation bzgl. dieses Themas in Deutschland.

Ja auf jeden Fall, man verdient kein Geld am Leben anderer!

Sicher ist das so, Medikamente für seltene Krankheiten gibt es wenig bis keine.

Im Gegenzug erfindet die Pharmaindustrie auch Krankheiten die es gar nicht gibt. ( Der Klassiker Cholesterin)

Klar retten sie Menschenleben, weil das ihr Geschäft ist, wirkliche Empathie mit dem Leben und der Gesundheit ihrer Klientel ist aber nur ein Kollateralnutzen ihres wirtschaftlichen Florierens.

Das ist ja das Problem des Neokapitalismus. Der Autoindustrie ist es letztlich egal, ob die Menschen in den Innenstädten an Lungenkrebs verrecken und der Pharmaindustrie ist zwar jeder Patient im Land lieb und teuer, aber dass sie ihr Zeug mal zum Erzeugerpreis an die bitterarmen Länder in Afrika abgeben würden, hab ich noch nie gehört.

Für seltene Krankheiten werden überhaupt keine Medikamente entwickelt, weil das Überleben von 2 Dutzend Schwerkranken ja keinen eigentlich lohnenden Markt darstellt.

Die Heilung der Kranken ist ihre Maske der Nächstenliebe, erinnert mich an die Autobahnen eines gewissen Herrn H.

Ja auf jeden Fall, man verdient kein Geld am Leben anderer!

Die Produkte sind doch nur zweitrangig, das wichtigste ist die Dividende.

Und deswegen ist es wichtig, Medikamente zu verkaufen, die nur lindern, aber nicht heilen (das wäre doch ein Fiasko).

JuxSinnlos 02.08.2017, 15:12

Aha, und wie passen dazu die vielen Medikamente, die nunmal bewiesenermaßen

- Krankheiten verhindern (Impfungen, bestimmte Kreislaufmedikamente etc.)

- ...heilen (Antibiotika, Antidiabetika, Chemotherapeutika bei bestimmten Indikationen etc.)

- oder den Verlauf deutlich mildern und zur Heilung beitragen?

Manchmal macht es Sinn, tatsächlich Ahnung von Themen zu haben, zu denen man sich äußert..

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d1ndu 02.08.2017, 15:17
@JuxSinnlos

Und der Fall Neurodermitis? 950 Millionen werden damit jährlich umgesetzt bei 10 Herstellern...Wirksame Patente werden zurückgehalten, damit man "die Linderung" weiter verkaufen kann.

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JuxSinnlos 03.08.2017, 11:27
@d1ndu

Auch das musst du wohl genauer erklären..

Mit welchen Medikamenten werden jährlich 950 Millionen umgesetzt?

Welche "wirksamen Patente" werden zurückgehalten?

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es dreht sich halt alles ums Geld. das wirst fu auch nicht ändern können

Florendil 02.08.2017, 14:49

Es geht mir hier nicht um's ändern, es geht mir um eure Meinungen.

mfg

Florendil

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Lebenswichtige Medikamente bezahlt in DE die Krankenkasse, also von demher 0braucht man hier nicht das "nötige Kleingeld".

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