Pflege von Familienmitgliedern. Wer kommt finanziell dafür auf?

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6 Antworten

Das ist ein komplexes Thema. Als erstes sollte eine Pflegestufe beantragt oder überprüft werden. das geht per Antrag bei der zuständigen Pflegekasse. Wenn deine Oma dement ist, steht ihr ein zuschlag bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz nach SGB XI §45 zu. Das sind monatlich bis zu 200€. Bekommt deine Oma Pflegegeld, kann sie auch zur Tagespflege gebracht werden. Dies wäre anrechnungsfrei, wenn die Kosten 50% des Pflegegeldes nicht übersteigt. Solltet ihr euch doch entschließen die Oma in ein Pflegeheim zu geben, sucht euch ein passendes aus. Das anrechnungsfreie Einkommen der Kinder deiner Oma (also deiner Mutter und deren Geschwister) liegt bei 100.000€. Erst wenn das überschritten wird, verlangt der Sozialhilfeträger Regress von den Kindern. Da allerdings vom Einkommen auch Selbsbehalt, Werbungskosten, Versicherungsprämien, Raten fürs Haus, u.ä. abgerechnet werden, ist in seltenen Fällen etwas zu zahlen. Im Zweifel würde ich meinen Sozialhilfeträger mit allen zahlen aufsuchen und um ein Rechenbeispiel bitten. Gibt es bei euch Pflegestützpunkte in der Nähe? das sind kompetente Ansprechpartner. das Haus der Eltern wird eigentlich nicht gewertet. Das Haus der Oma eventuell schon, vielleicht kann man es vermieten und die Mieteinnahmen zur Pflege heranziehen. Es ist definitiv so, dass die PV keine Vollversicherung ist und von Angehörigen auch erwartet werden kann, das sie sich an den Pflegekosten beteiligen, wenn sie finanziell in der Lage sind. Der gesetzgeber hat einen ziemlichen Freibetrag eingeräumt (100.000€). Problematisch wird es nur, wenn es mehrere Kinder gibt, die über ein gutes Einkommen verfügen. Aber dann sollte auch nicht die Solidargemeinschaft für die Pflegekosten aufkommen müssen. LG lernend67

SLH84 22.06.2011, 11:27

Vielen Dank für die Antwort. Also: Meine Oma hat bereits Pflegestufe 2. Meine Mutter ist Einzelkind und verdient lange keine 100.000€ im Jahr. Selbst dann nicht, wenn das Einkommen ihres Ehepartners (mein Vater) eingerechnet wird. Das Haus der Oma gehört ja seit über 10 Jahren meiner Mutter und ist zudem in einem Zustand in dem man es keineswegs vermieten kann (keine Heizung, nur Holzöfen, alle Wände schief, nur Erdgeschoss halbwegs brauchbar, Dach undicht).

Über Pflegestützpunkte muss ich mich erst noch informieren. Ich hoffe ich finde einen. Vielen Dank schon mal für die Antwort...

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lernend67 22.06.2011, 14:47
@SLH84

Dann hol dir doch einen Kostenvoranschlag von denen ab, wo die Oma betreut werden soll (Heim, Tagespflege,) und geh zum Sozialhilfeträger deiner Stadt. Normalerweise rechnen die es aus und dann bist du auf der sicheren Seite. Manchmal macht es Sinn, sich bei einem Rechtsanwalt beraten zu lassen, da die Behörden gerne mal etwas weg lassen, was zum Freibetrag dazu gehört. Die genaue Rechnung kann ich dir leider nicht sagen, aber der direkte Weg ist oft der kürzeste. Viel Erfolg

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Hallo SLH84, deine Oma wird sicherlich eine Witwenrente bekommen. Diese wird dann als Einkommen angerechnet. Wenn deine Oma Pflegestufe 2 hat, wird dir/deiner Mutter auch ein Pflegedienst (du brauchst diesen nicht in Anspruch nehmen) beratend zur Seite stehen. Ebenso DRK, AWO, Diakonie oder Sozialstationen im Ort/Umgebung. Viele Sozialstationen haben auch wöchentliche Betreuungsangebote. Du kannst dich auch bei der Alzheimer Gesellschaft beraten lassen:
Alzheimer-Telefon: 01803 - 17 10 17 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) oder: 030 / 2 59 37 95-14 (Festnetztarif)

Wünsche dir/deiner Mutter viel Kraft!

SLH84 22.06.2011, 19:44

Vielen vielen Dank, ich habe jetzt viele neue Ideen und werde mich an die arbeit machen um das richtige zu finden !Viele liebe grüße und nochmal Danke!

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Hallo SLH84, finanziell kann die Pflegekasse beitragen. Voraussetzung ist, dass deine Oma eine Pflegestufe (wird bei der Pflegekasse beantragt) hat. Weitere Info siehe:http://www.alzheimerinfo.de/angehoerige/pflegeversicherung/

Ein Pflegeheimplatz kostet ca. 2.500 € - 3.000 €. Angerechnet werden die mtl. Renteneinkünfte und andere Einnahmen (z.B. wenn Mieteinnahmen wären). Von der Pflegekasse werden ca. 1.000 € bezuschusst, wenn Pflegestufe 1vorliegt. Wenn Einkünfte und Pflegekassenzuschuss nicht ausreichen, wir vom Sozialamt der Differenzbetrag bezahlt. Das Sozialamt erkundigt sich dann, ob zahlungsfähige Kinder leben. Bei den Kindern gibt es einen gewissen "Eigenbehalt". Dieser Eigenbehalt ist aber sehr hoch, so dass man auch sein "kleines Häuschen" behalten kann. Genaues erfährst du von der Pflegekasse oder Sozialamt.Wenn das Haus deiner Oma vor mehr als 10 Jahren deiner Mutter überschrieben wurde, gehört es nicht mehr zum Eigentum von deiner Oma.Es gibt die Tagespflege im Pflegeheim, die von der Pflegekasse bezuschusst wird (Pflegestufe vorausgesetzt). Deine Oma würde morgens in die Tagesstätte gefahren und abends wieder nach Hause, so dass sie nachts zu Hause schlafen kann.

SLH84 22.06.2011, 11:32

Meine Oma hat Pflegestufe 2 aber in ihrem Leben NIE gearbeitet. Also keine nennenswerte Rente. Wenn das Haus jetzt meiner Mutter gehört, hätte sie ja zwei Häuser. Zählt das noch zu "Eigenbehalt" oder muss sie eins verkaufen? Tagespflege hört sich wirklich super an. Da kann meine Mutter ein halbwegs normales Leben führen und dreht nicht mit der Zeit durch!!!

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Als erstes wird alles das der Oma gehört verwertet, sofern die Rente und das Pflegegeld nicht reicht. Dann kommt es auf den Verdienst der ELtern an ob sie überhaupt für die weiteren Kosten der Pflegeanstalt aufkommen müssen.

Eine Alternative wäre evtl. das Oma wieder in ihr Haus zurückgeht, und eine Pflegekraft 24 Std. bei Ihr wohnt. Das sind meist Pflegekräfte aus Ost-Europa, es gibt Agenturen die diese Kräfte vermitteln. Aufpassen die müssen hier bei der Sozialversicherung angemeldet werden - aber da kann man bei der gentur für Arbeit nachfragen. Meist ist es günstiger so zu verfahren, da es auch sehr ange dauert einen guten Pflegeplatz in einem guten Heim zu bekommen.

Eine weitere kurzfristige Lösung wäre die Unterbringung in einer Kurzzeitpflege, da könnten die Eltern mal in den Urlaub oder besser noch Mutter in eine Kur. Die Kosten sind zu ertragen, ihr müsst immer auch das Pflegegeld der Pflegekasse mit zu den Einkünften der Oma zählen. Wichtig wäre für Deine Mutter , wenn Oma Pflegegeld bezieht - und das sollte hier bei dem Pflegeaufwand gegeben sein, sie soll sich mal bei der Rentenversicherung erkundigen, da ist was mit Pflegezeiten anrechnung- bin da aber nicht auf dem neuesten Stand.

Geht mal zur Caritas oder dem VDK da bekommt ihr gezielte Hilfe zu Euren Fragen.

iris66 21.06.2011, 12:22

stimmt, bei der Rentenversicherung wird die zeit der pflege angerechnet. War bei mir auch so.

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SLH84 21.06.2011, 12:38

Vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort.

Ich hätte dazu noch ein paar Fragen:

Das Haus meiner Oma wurde schon vor über zehn Jahren auf meine Mutter überschrieben. Würde das mit "verwertet" werden? Spielt beim Besitz von zwei Häusern das Einkommen eine Rolle? Wenn ja, wie hoch ist da die Grenze und kann man gezwungen werden ein Haus zu verkaufen um die Pflege zu bezahlen? Ich würde nämlich gerne dort einziehen, wenn es mein Job erlaubt in 2 oder 3 Jahren wieder in die Heimat zu ziehen.Weiß jemand was so eine 24Stunden Pflegekraft kostet?

Danke

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iris66 21.06.2011, 12:47
@SLH84

in der Bekanntschaft von mir ist eine Familie, die hat eine 24 Stunden pflegekraft aus Polen. Es sind zwei Frauen, die sich vierteljährlich abwechseln. Die Pflegekraft bekommt 1800 Euro, freie Kost und Logie. Die Fahrt mit dem Bus in die Heimat kostet 90 Euro eine Strecke, die bekommt sie auch bezahlt. Seit 11 Jahren wird die oma so versorgt, auch Demenzkrank. Die Angehörigen können so ihren Beruf weiter ausüben, eigentlich führen die ein ganz normales Leben ohne sich ein schlechtes Gewissen zu machen.

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tipsie69 21.06.2011, 13:47
@iris66

Das mit der Überschreibungszeit könnte knapp vor der Gesetzesänderung gewesen sein, also wird nicht zum Vermögen der Oma zugerechnet. Dafür ist das Vermögen der Eltern höher und es könnte sein das das Amt das dann mit einrechnet. Hat Deine Mama denn das Haus z.B. vermietet ? Das wären dann Einkünfte die auf jeden Fall mit in die Berechnung mit einfließen.

Wie bereits geschrieben, wendet Euch am besten an den VDK, die sind in den Dingen super fit.

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wendet euch an euren behandelnden arzt, damiteine pflegestufe beantragt wird. Wenn die Oma nicht zu hause bleiben soll, dann wird die Rente von der Oma und das pflegegeld beim heimauffenthalt mitangerechnet. Habt ihr denn keinen ambulanten pflegedienst? Die Oma kann auch in eine Tagespflege für Demenzkranke. Erkundige dich mal bei der Diakonie. Dadurch wirst du entlastet. Vielleicht solltet ihr euch mal überlegen, ob die Oma nicht doch lieber zu hause bleibt? Die Demenzeinrichtungen sind wirklich eine große hilfe

lg iris

Kommt so weit ich weiß immer auf den Fall an.... Aber meistens bekommste vom gevater Staat auch kohle dazu was aber in den meisten fällen nicht ausreicht.....

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