Pferdewirt/in Ausbildung sinnvoll?

12 Antworten

Huhu, 

zur genauen Höhe der Ausbildungsvergütung für Pferdewirte kann ich leider nichts sagen. Es gibt allerdings tarifliche Regelungen für diese Branche. Selbst wenn du oder dein Betrieb nicht an einen Tarifvertrag gebunden sind, muss die Ausbildungsvergütung dennoch mindestens 80 Prozent der Summe des Tarifertrags betragen (siehe z. B. https://katja-schoenefeld.de/ausbildungsverguetung/).

Ganz abgesehen davon solltest du aber auf dein Herz hören. Wenn diese Ausbildung wirklich dein Wunsch ist, spielt Geld vielleicht eine kleinere Rolle, da deine Motivation sehr hoch ist. Ganz abgesehen davon solltest du auch prüfen, wie deine Weiterbildungsmöglichkeiten sind. Kannst du später vielleicht auch als Trainerin oder Coach arbeiten? 

Egal wie du dich entscheidest - ich wünsche dir alles Gute.

Liebe Grüße,

Caith

Ganz abgesehen davon solltest du aber auf dein Herz hören. Wenn diese Ausbildung wirklich dein Wunsch ist, spielt Geld vielleicht eine kleinere Rolle,

DAs ist Romantik. Man darf auch nicht vergessen, dass man nicht jünger wird. Was mit 25 vielleicht noch viel Spaß macht, sieht mit 50 aber ganz anders aus. Wenn man  sich dann aber kein zweites Standbein aufgebaut hat oder einen gut verdienenden Ehemann hat oder sich einen Namen gemacht hat, spielt GEld sehr wohl eine Rolle.
Meine Freundin macht nicht umsonst nun neben ihrer Tätigkeit als RL und Bereiterin (bis S) die Ausbildung zur Pferdeosteopathin am DIPO Institut (was sehr teuer ist und extrem zeitaufwändig. Wie hier bereits gesagt: sie ist ein Workoholic, arbeitet 12/7 in der Woche. Und büffelt nun nachts für DIPO. Ein Semester musste sie schon ausfallen lassen, bzw. verschieben. Aus Zeitmangel.

Urlaub? Was ist das? Ja, sie macht zwei Wochen Urlaub im Jahr. Auf einem Dressurreiterhof an der Nordsee, wo sie Pferde bereitet und noch mal Training bekommt.  Ibiza ist das nicht gerade.
Und Zeit für einen Freund hat sie auch nicht.

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@Dahika

Huhu Dahika, 

danke für deinen Kommentar und deine Meinung. Ich persönlich habe mehrere berufliche Umbrüche in meinem Lebenslauf und diese Entscheidungen niemals bereut. Daher empfehle ich immer auf sein Herz zu hören - den Weg ändern oder sich weiterbilden kann man ja jederzeit. Doch wenn man glücklich im Beruf ist, stört Weiterbildung, am Anfang ein kleinerer Verdienst und wenig/ kein Urlaub nicht - so zumindest meine Erfahrung.

Ich wünsche dir und deiner Freundin für eure weiteren Lebenswege alles alles Gute. :)

Liebe Grüße,

Katja - die fest daran glaubt, dass man alles schaffen kann was man will, wenn man sich anstrengt

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Wirklich darauf antworten kann ich nicht.
Aber...
Meine älteste Tochter, jetzt 35 Jahre, hatte so Ausbildung gemacht, in Frankreich. Zuerst die landwirtschaftliche Seite, dann gleichzeitig Dressurreiten (alle Abschlüsse), Pferde zureiten zu dürfen und dann andere Leute dazu auszubilden. Auch die speziellen Geschichten, Lizenzen und Versicherungen die man für Hengste brauchte. Auch Diplome um schwerbehinderte Kinder mit den Pferden betreuen zu dürfen. Das mochte sie am Liebsten, das wr zu ihrem eigentlichen Ziel geworden.

Sie war bereits in der Ausbildung körperlich kaputt gemacht worden. Einzelheiten führe ich hier nicht auf, das würde ein Roman.
Hinterher, im Beruf, war es noch schlimmer. Rücken kaputt. Nach einer Zwischenphase wo sie edle Pferde von irgendwo nach sonstwo überführte, hat sie es endgültig aufgegeben, konnte einfach nicht mehr, vor etwa zehn Jahren.
Sie kann nicht mehr reiten, kann auch kein Pferd nicht mehr führen. Es ist eben zu Ende.

Aber sie mag eben Pferde, und sie mögen sie. Pferde verstehen viel - weitaus mehr als moderne Städter denken mögen.

Pferde mögen, Pferde zu haben, Pferde zu machen und sich (verantwortlich !) drum kümmern, sind ganz verschiedene Sachen.
Geld damit zu machen und davon zu leben (Einkommen) erscheint mir schwierig oder gar unmöglich zu sein.

Irgendwie hat meine Tochter die Liebe zu Pferden anscheinend von mir geerbt. Es gibt nicht-verbale Kommunikation.

Ich habe die ausbildung nicht gemacht, hatte das auch nie vor. Ich kenne aber einige, die das gemacht haben. Na ja...Knochenjob.

Und wenn man sehr bescheiden ist, kann man auch davon leben. Ich kannte eine gute, und gut beschäftigte RL, die mir mal sagte: wenn gleichzeitig vier meiner Kunden ausfallen wegen Krankheit oder so, dann muss ich mir schon überlegen, was ich mir zu Essen kaufe. Sie hat Abitur gemacht, wie viele Pferdewirte mit Schwerpunkt Reiten übrigens. Ehrlich gesagt, in einem anderen Beruf würde sie mehr verdienen, könnte sich dann ein Privatpferd halten und müsste keinen Unterricht geben.

Meine Freundin ist RL. Sie ist sehr gut, aber sie ist auch "nur" Trainer A. D.h. sie hat eine andere Berufsausbildung  und das Reiten nebenberuflich gemacht. Sie ist gelernte Physiotherapeutin, was sie übrigens für Beritt und Unterricht unglaublich gut verwenden kann, da sie einfach einen ganz anderen Blick für Bewegungsabläufe und Biomechanik hat.

Sie arbeitet nun schon einige Jahre als hauptberufliche Trainerin. Sie verdient auch gut, aber sie ist auch ein workalholic. Wir reden hier von 7 Tagen in der Woche und 12 Stunden Arbeit pro Tag. Ihr Hauptverdienst aber ist, (hochklassige) Pferde zu Turnierehren zu führen, damit die dann gut verkauft werden können. Sie bekommt dann Prozente vom Verkauf ab. Oder sie korrigiert hochklassigige, aber hoffnungslos über die Uhr gerittene Pferde, die dann gut verkauft werden können. Etc..

Vom reinen Reitunterricht könnte sie nicht (gut) leben. Ich schaue manchmal ihrem Unterricht zu, weil ich immer davon lernen kann. Ich könnte das nicht. Denn der Unterricht wird ja nicht nur tollen, begabten jungen ReiterInnen gegeben, sondern auch Bewegungslegasthenikern, denen man 100 mal in der Stunde sagen muss: "der äußere Zügel hängt durch. Du schiebst schon wieder...." etc...

Sie war mal eine Zeitlang bei Bent Branderup gewesen. Er hat sie eingeladen, wohlgemerkt.  Sie erzählte mir, dass er ihr gesagt hätte, dass er nur noch Kurse geben würde, aber keinen durchgängigen Unterricht mehr. "Bei einem Kurs sehe ich die Leute nach drei Tagen oft nie wieder. Und muss mich nicht abplagen, jeden Tag monatelang dasselbe zu sagen."

Von daher kann ich nur abraten.

Und vom Pferdewirt für Zucht und Haltung erst recht. Viel Arbeit, bescheidene Bezahlung.

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