Pferdefreundlich reiten mit Gebiss?

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Meine Antwort ist: NEIN! Pferdefreundlich mit gebiss ist NICHT möglich, selbst wenn die Zügel durchhängen!

Eigentlich gibt es keinen Grund, ein Gebiss zu benutzen – außer man will das Pferd durch den Schmerz kontrollieren. Das sollte sich jeder Reiter in ganzer Deutlichkeit bewusst machen. Häufig wird argumentiert, dass die Art der Zügelführung einen Unterschied zwischen Schmerz und Nutzen des Gebisses ausmacht. Wenn es uns wirklich um das Wohl des Pferdes geht, dann hat dieses Argument aber keine Gültigkeit. Denn es wird nur benutzt, wenn der Mensch vom Pferd bestimmte Resultate will und dabei keine alternative Möglichkeit in Betracht zieht. Die Liste der durch Gebisse verursachten gesundheitlichen Probleme ist lang, und sie ist unabhängig von der Zügelführung und von dem, der die Zügel führt:

Gebisse verursachen allein durch ihre Präsenz und den punktuellen Druck auf die in den Schleimhäuten liegenden Nervenenden Schmerzen an Unterkiefer und Zahnfleisch.

Des Weiteren sind sowohl Lunge als auch Kehlkopf unmittelbar durch die Nutzung von Gebissen betroffen. Das Pferdemaul dient der Nahrungsaufnahme. Diese ist für das Pferd gleichzusetzen mit Sicherheit und Ruhe. Erschrickt ein Pferd und/oder strengt es sich körperlich an, befindet sich normalerweise nichts in seinem empfindlichen Maul. In Bewegung muss es viel Luft aufnehmen, um genügend Sauerstoff in alle Körperzellen zu bringen. Deshalb wird der Kopf-Hals-Winkel gestreckt, der Kehlkopf geöffnet, der Kehlknorpel parallel gestellt und die Öffnung im weichen Gaumen erweitert. Befindet sich ein Gebiss im Maul, dann kommt es durch einen Nervenreflex, welcher der Nahrungsaufnahme dient, zu einem Konflikt: Der Kehldeckel schließt sich und es wird vermehrt Speichel produziert. Das behindert unter anderem die Atmung, besonders wenn ein Pferd sehr deutlich schäumt. Außerdem kommt es zu Krämpfen in den verschiedenen Muskeln des Kehlbereichs, die sich manchmal nicht mehr lösen können. Das Pferd wird schlimmstenfalls zum Kehlkopfpfeifer. Oft wird es dann einer OP unterzogen, die mehr Schäden verursacht, als dass sie nützt. Die Luftröhre wird komprimiert und das Zwerchfell zieht sich zurück, wodurch Unterdruck in den Alveolen (Lungenbläschen) entsteht, da die benötigte Luftmenge nicht schnell genug einströmen kann. Dies kann zu Lungenödemen und/oder Lungenblutungen führen Wird der Hals des Pferdes künstlich in eine aufrechte Position gebracht (wie in einer mittels Gebiss erzwungenen Versammlung), dann rutscht der Unterkiefer zurück und die Zähne liegen nicht mehr passend aufeinander. Die Zähne werden in einem unnatürlichen Winkel „geraspelt“. Es bilden sich messerscharfe Kanten. Durch die Nutzung von Gebissen wird sogar der Stoffwechsel des Pferdes schwer beeinträchtigt. Dadurch, dass keine gesunde Atmung möglich ist, befindet sich in der Atemluft immer weniger Sauerstoff. Durch diesen Mangel können die Muskeln, vor allem auch der Herzmuskel, nicht richtig funktionieren. Ist das Pferd zudem noch beschlagen, dann ist der Hufmechanismus stark eingeschränkt und das Herz muss die fehlende Pumparbeit der Hufe ausgleichen. Das Herz steht unter enormem Stress. Das sind meiner Ansicht nach die Gründe, wenn Sportpferde den „plötzlichen Herztod“ erleiden. Dies sind nur die wichtigsten und alarmierendsten Gründe, weshalb Gebisse nicht verwendet werden dürften. Viele weitere kommen dazu, wie zum Beispiel: die Quetschungen der Ohrspeicheldrüse, entzündliche Atemwegserkrankungen, Verletzungen der Halswirbelsäule, Verhaltensabweichungen aufgrund des Schmerzes und vieles mehr. Meiner Ansicht nach steht die Nutzung von Gebissen also im direkten Widerspruch zu unseren Tierschutzgesetzen. Ich stelle mir immer wieder die Frage: Warum werden Gebisse trotz unseres heutigen Wissensstands noch immer verwendet? Eine mögliche Antwort: Wenn ich als Mensch mein Pferd mit Gebiss reite, dann im Allgemeinen aus zwei möglichen Gründen: Entweder fehlt mir das Wissen darüber, was dieser Gegenstand an Körper und Psyche meines Pferdes anrichtet. Oder ich besitze dieses Wissen und füge meinem Pferd vorsätzlich die mir bekannten Schmerzen und Schäden zu. Leider können wir nicht leugnen, dass gerade im sogenannten„Pferdesport“das Leiden der Tiere bewusst in Kauf genommen wird, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Im Bereich der Freizeitreiter finden sich meist Unwissen und häufig auch Gruppenzwang als Grund für die Nutzung von Gebissen. Im Prinzip ist der Sachverhalt ganz einfach: Sehen Sie einen Menschen, der sein Pferd mit Gebiss reitet, dann ist dies meiner Meinung nach eine klare Demonstration seiner Unfähigkeit, mit dem Pferd auf andere Weise kommunizieren zu können. Verfüge ich über das notwendige Wissen der Anatomie und bin ich in der Lage, mit dem Pferd auf Augenhöhe zu kommunizieren (weil ich meine Fähigkeiten im wahren Horsemanship ausgebildet habe), wenn ich also das Pferd wirklich verstehe,habe ich es dann noch nötig,ein Eisenstück in das empfindliche Pferdemaul zu legen?

Wow danke für diese sehr umfangreiche Antwort :) Genau wegen diesen Gründen möchte ich wenn ich meine Stute wegen dem Fohlen wieder reiten kann, es mal mit einem Gebisslosen Zaum ausprobieren. Ich dachte an ein Englisches Hackamore ohne Anzüge. Mal sehen wie sie es annimmt :)

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@17Franzi03

gute Idee! (übrigens danke für den stern)

ich kann auch sehr das Glücksrad/LG-Zaum empfehlen :D

aber hackamore ohne anzüge ist seehr ähnlich

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Ich denke du lässt Dich von Leuten beeindrucken die nicht reiten können. Suche Dir Vorbilder die es beherrschen, dann wirst Du sehen, dass das Reiten mit Gebiss nichts ist was einen schockiert. Um Deine Frage kurz zu beantworten, ja mit Gebiss kann man Pferdefreundlich reiten, auch mit einer Kandarre, allerdings verlangt sie Präzision und Proffessionalität. Nicht umsonst ist das Reiten nicht nur Fortbewegung oder Sport es ist auch Kunst.

Sorry Stefan, aber die Aussage "du lässt Dich von Leuten beeindrucken die nicht reiten können" find ich schon verdammt provokant. So, als könnten Leute die aufs Gebiss verzichten alle nicht reiten? Find ich jetzt sehr oberflächlich, die Sichtweise...

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@Aristella

Das ist nicht die Botschaft. Gemeint ist, dass jene, die es schlecht machen keine Vorbilder sind und an eben diesen Leuten hat man sich nicht zu orientieren. Das findet aber mit der Aussage "Pferdeunfreundlich" in diesem Zusammenhang statt. So werden also jene die mit Gebiss reiten und das sehr gut können provoziert und nicht anders herum.

Oberflächlich hingegen ist jede Pauschalierung, egal in welche Richtung. Deine Antwort ist somit unzutreffend. Pauschalierungen sind oberflächlich, diese allerdings lese ich sehr oft.

Reiten ohne Gebiss ist anspruchsvoll und ist befindet sich außerhalb meiner Kritik. Auch hier der Hinweis, das ist nichts für Anfänger und währe das Turnierreiten gebisslos erlaubt, dann würden wir viele Zustände antreffen die uns abschrecken und neue Pauschalierungen kämen auf.

Es ist auch keine Sichtweise von mir, es ist bestenfalls eine Abgrenzung von Vorurteilen und ein Hinweis die persönliche Haltung zu überdenken. Meine persönliche Sichtweise ist unbedeutend.

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@stefanweb

man kann sich auch einfach große Vorbilder suchen, die GUT gebisslos reiten ;)

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Welche Artikel hast du den gelesen?

Frau H. Straßer und Prof. R. Cook sind sehr umstritten allerdings hat die Tierärztlichen Hochschule Hannover sich ja nun auch gegen das Reiten mit Gebiss ausgesprochen.

Aufgrund der oben genannten Publikationen von Straßer und Cook und der neuen Studie der Uni Hannover habe ich mich bei meinem Tinker auch gegen das Gebissreiten entschieden.

Allerdings sollte jedem der Gebisslos reitet klar sein mit was er reitet und wie diese Zäumung wirkt.

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Du mußt dich nun entscheiden, ist das was du gelesen hast für dich so schwerwiegend das du die RB kündigst und dir eine suchst die Gebisslos geritten wird oder kannst du das Gebiss tolerieren.

Denn nicht jedes Zaun ist automatisch besser als ein Trensenzaum

Man kann eigentlich nicht pauschal sagen dass Gebisslos reiten für das Pferd besser ist , es gibt auch viele eher scharfe Zäumungen die Gebisslos sind . Es kommt einfach immer darauf an wie du reitest , und wie scharf / weich du in der Hand bist.

Zu deiner Frage , ja kannst du , das geht mit Gebiss genauso wie ohne.

Ich persönlich reite sowohl mit als auch ohne Gebiss , das liegt daran dass ich in zwei unterschiedlichen Reitbetrieben reite . Ich persönlich tendiere auch eher zum Gebisslosen reiten , schildere der Besitzerin/dem Besitzer deiner RB doch mal dass du findest dass es für ihr Pferd von Vorteil wäre wenn es von dir gebisslos geritten würde.

Kennst du die Publikation warum reiten mit Gebiss schädlich für das Pferd ist?

Weil ohne diese zu kennen - und deine Antwort lässt dies vermuten - kannst du die Frage nicht beantworten.

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@Wolpertinger

Ja aber es gibt verschiedene Menschen ,die verschiedene Gründe Haben gebisslos zu reiten oder reiten zu wollen.

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Es kommt auf die Reiterhand an... Ich selbst reite mit Gebiss aber mit vorsichtiger Hand. Gebisslos ist aber auch gut...

Woher ich das weiß:Hobby

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