Pferde von der Weide ausgebrochen, es sind Kosten entanden. Wer haftet nun, ich als Halter oder der Stallbesitzer wo mein Pferd steht?

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7 Antworten

Aufsichtsführender im Sinne des § 834 BGB ist danach u.a. der
Hirte, dem die Aufsicht über die Herde für einen bestimmten
Zeitraum überlassen worden ist, der Viehtreiber (RGZ 168, 333), der
Viehkommissionär, dem das Tier zum Verkauf übergeben ist (München
VersR 57, 31; 58, 461), der Mieter eines Pferdes, dem dieses für
eine gewisse Dauer zum selbständigen Ausritt übergeben wurde (BGH
NJW 87, 949). Entsprechendes gilt auch für Personen, denen ein Tier
in Pension (Hamm VersR 755, 865) zum Training, zur Verwahrung und
zur Abrichtung übergeben worden ist (OLG Hamburg, VersR 65 1009;
Köln VersR 76, 197).


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Tierhüter und Aufsichtsführender im Sinne des Gesetzes sind
dagegen nicht diejenigen, die, wie etwa der Stallbursche oder der
angestellte Reitlehrer auf Anweisung handeln (Düsseldorf VersR 81,
82, Köln VersR 76, 197).


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Danach hat nur derjenige nach § 834 BGB einzustehen, dem die
tatsächliche Gewalt und Aufsicht und damit auch die Beherrschung
der Tiergefahr für eine gewisse Dauer zur selbständigen Ausübung
überlassen worden ist. Dabei ist die Selbständigkeit des Tierhüters
regelmäßig dadurch gekennzeichnet, daß dem Tierhalter aufgrund der
tatsächlichen örtlichen und zeitlichen Umstände die unmittelbare
Ausübung der tatsächlichen Gewalt und Aufsicht durch konkrete
Anweisungen entzogen ist.

Das ist der Auszug einer Entscheidung des OLG Köln 20 U 100/97

Damit ist die Tierhütereigenschaft des Pensionsstalls zu bejahren, sodaß eine Haftung nach §§834,833 BGB besteht.

Daneben könnte aber durchaus noch die Tierhalterhaftung bestenen §833 BGB. Es handelt sich um eine Gefährdungshaftung, die nur dann nicht zum Tragen käme, wenn das Verschulden des Tierhüter "unübersehbar schuldhaft sei", so z.B. das Reichtsgericht aus 1933.

Wer sich in die Rechtssprechung vertiefen will, kann diese Datensammlung mit 119 Einscheidung sich zu Gemüte führen.

Ich kann nur empfehlen, die Angelegenheit dem eigenen Haftpflichtversicherer anzuzeigen und ihn aufzufordern, die Vertretung zu übernehmen. Schließlich hat der Versicherer die vertragliche Pflicht, entweder Ansprüche abzulehnen, oder teilweise anzukennen oder zu befriedigen. Seine jeweilige Entscheidung hat er gegenüber dem Anspruchssteller zu begründen.

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Es gibt hier allerdings keinen Einstellervertrag,

Eigenartig! Darf man dann vermuten, dass du dein Pferd dort auf eigenes Risiko stehen hast?

das ist in dieser Gegend so üblich,

Selbst wenn es so in der Gegend üblich ist, muss man sich ja nicht daran halten und man kann auf einen Vertrag bestehen.

Allerdings ist es überall üblich einen Vertrag mit dem Stallbesitzer abzuschließen.

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Ich versuch das mal zu erklären. Man hat als stallbesitzer eigentlich eine tierhütehaftpfilchtversicherung. Die haftet, wenn die Pferde ausgebrochen sind, also wenn der Zaun quasi auf der Strasse liegt. Wenn der Zaun allerdings auf der Weide liegt, also jemand ist von draußen rein, dann haftet der stallbesitzer nicht. Also wenn ein auto reingefahren ist und die pferde deswegen durch den Zaun konnten, der Fahrer des Autos, bei unbekannt, weiß ich es nicht.

Es gibt bestimmte Richtlinien, wie ein Zaun auszusehen hat. Wie z.b. pfahl höhe und Abstand. Und auch ob es an einer stark befahrenen Straße ist, da hat man dann andere Richtwerte. Wenn diese Richtlinien nicht eingehalten wurden, dann ist es glaub ich fahrlässig und der stallbesitzer haftet privat. Der pferdebesitzer muss eigentlich nichts zahlen. Nur wenn du runterfällst und dein Pferd dann schäden anrichtet. Aber bin mir nicht ganz sicher.

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Kommentar von Menuett
24.08.2016, 22:36

Tatsächlich gibt es keine Richtlinien wie ein Zaun auszusehen hat.

Plastikpfähle mit Litze sind ausreichend.

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Du hast dein Pferd dort eingestellt. Damit hast du zum Ausdruck gebracht, dass diese Umzäunung für Dich aktzeptabel ist.

Damit haftest Du als Halter und die Versicherung muß zahlen.

Solange da keine kaputten Litzen waren oder umgefallene und abgebrochene Stäbe zu finden sind, ist eine solche Umzäunung völlig legitim und sachgerecht.

Damit haftest wieder Du als Halter und Deine Versicherung muß zahlen.

Ich sehe da keine Möglichkeit das auf den SB abzuwälzen. Der soll es aber vorsorglich mal der Versicherung melden.

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Kommentar von Menuett
24.08.2016, 22:34

Und ganz nebenher: mündliche Verträge sind ebenfalls ganz normale in Deutschland übliche Verträge.

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Es hat nichts damit zu tun, ob der Stallbesitzer das gewerblich macht oder "schwarz unter der Hand". Er ist der Tierhalter sowie Grundbesitzer der Weide und damit auch für den Zaun verantwortlich.

Da du ohnehin versichert bist, wird deine Versicherung sich schon darum kümmern, daß du nicht zu unrecht belastet wirst.

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Kommentar von Menuett
24.08.2016, 22:35

Und wenn der Zaun in Ordnung war, dann haftet der Tierhalter.

Wenn eine ganze Herde durchgeht, gibt es keinen Zaun, der hält.

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Gegenüber den Geschädigten (Bahn, etc)  ist gem. § 834 BGB der Tieraufseher (Stallbesitzer) verantwortlich. Sofern er aber "die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtete hat" also die Pferde so wie üblich und notwendig eingezäunt hat, dann haftet er nicht. Ein Elektrozaun dürfte reichen. Also muss er wahrscheinlich nichts zahlen.

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__834.html

Daneben haftet der Halter des Tieres. § 833 BGB

Aber: Man haftet nach diesen §§ nicht für "Vermögensschäden". Sondern nur für Sachschäden, Körperverletzungen, etc. Soweit die Bahn keine Sachschäden hatte (nur Vermögensschäden, weil die Bahn zu spät kam) kann sie nichts verlangen.´

Deine Versicherung kann sich erst mal nicht herausreden. Grundsätzlich haftet sie, unabhängig davon ob der Tieraufseher haftet. Denn sie muss an Stelle des Halters für Schäden erst mal einstehen.

Ob die Geschädigten aber etwas verlangen können, wenn es nur Folgekosten gab, aber keinen Sachschaden, das ist die Frage, die erst geklärt werden muss.

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Nun Versicherungen liegen dazu ihre Kunden gerne zu verunsichern, beharr erstmal auf deinen Anspruch!

Ohne Vertrag wird's freilich schwierig, was mündliches gilt aber auch als Vertrag.

Es ist richtig, dass der Besitzer für den Zustand der Heideumzäunung verantwortlich ist und haftet. Er hat sicherlich auch seine Versicherung kontaktiert, die kann dann klären ob die Stangen ausreichend waren oder nicht ......Nur keine Fristen versäumen, sprich mit dem Besitzer! Du hast sogar auch Ansprüche, sollte dein Pferd verletzt worden sein .........

Der Eigentümer hat das größte Interesse das geregelt zu kriegen, er verliert ja sonst auch die Kundschaft.

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