Pferd, welches noch nie auf einer Weide/in einer Herde war, was beachten?

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6 Antworten

eine Freundin von mir hatte sich ein 18 j. Schulpferd der Landesreitschule gekauft. Das Tier hatte seit seinem 3. Lebensjahr keine Weide und keinen Paddock mehr gesehen. Es war auch selten ausgeritten worden.

Es war herzergreifend, den Wallach auf der Weide zu beobachten. Er fraß nicht, sondern starrte nur andächtig in die Ferne. Endlich mal keine Mauern um ihn herum. Er wusste gar nicht mehr, dass das Grüne zu seinen Füßen essbar war. Aber das hat sich schnell gegeben. Nach einer Woche war er gut integriert und man sah keinen Unterschied mehr zu den anderen Pferden. Außer, dass er einen glücklichen Eindruck machte.

Ich hoffe ja, dass dein Pferd die Fohlenzeit auf der Weide verbracht hatte. Vermutlich, denn sonst wäre er sicher kein Sportpferd geworden. Eine einigermaßen vernünftige Aufzucht wird er ja wohl genossen haben. Also kann und wird er an alte Erfahrungen anknüpfen.

Stell ihn jetzt regelmäßig, täglich,  auf den Paddock, damit er sich schon mal etwas an das freie Herumlaufen gewöhnen kann. Und stelle ihm auch einen Kumpel, mit dem er dann später auf die Weide kommt, dazu. Dann hat er schon mal jemanden, an den er sich orientieren kann.

Ansonsten: das klappt schon.


Was denkt ihr sollte ich am besten und am meisten beachten, wenn wir ihn
in auf eine Weise mit einer Herde lassen, irgendwelche Vorkehrungen? LG

Bleib die erste Stunde dabei und zieh ihm keine Gamaschen oder Bandagen an.


leoniegommstd 22.01.2017, 15:46

Wie toll, dass das andere Pferd sich dran gewöhnt hat. Ich hatte Gänsehaut beim lesen? Denkst du nicht, er sollte zur Sicherheit Hufglocken oder Gamaschen an haben? Hat er momentan auf dem Paddock auch, weil er sich schon einen ballentritt geholt hatte LG

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trabifan28 22.01.2017, 19:10
@leoniegommstd

Wenn man schon beim Reiten Gamaschen, Bandagen dranpackt, dann lass das Tier doch auf der Weide wenigstens mal Pferd sein. Und zwar ohne Decke, Hufschutz und jeglichen Mist den ein gesundes Pferd definitiv nicht auf der Weide braucht.

Wenn er sich reintritt, dann lass ihm Hufschlocken dran. Hatte meiner auch. Und auch bei seiner neuen Besitzerin hat er immer Hufglocken dran. Aber keine Gamaschen.

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ich glaube nicht, dass dein pferd in einer box aufgewachsen ist.

er wird koppel und richtigen auslauf also kennen, auch wenn es schon eine weile her ist.

wenn er sich im neuen stall mit den andern pferden aklimatisiert hat, kann man ihn einfach rausstellen. zunächst vielleicht mit denen, die rechts und links danebenstehen. und ich würde sowieso ein anweiden an der hand empfehlen. dabei kann das pferd auch mit dem stromzaun bekanntgemacht werden.

da ist weniger das pferd ein problem als vielmehr seine etwas zu ängstliche besitzerin.

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und in puncto spätschäden: wenn ein pferd bis zum 6. lebensjahr nicht regelmässig freien auslauf auf einer weitläufigen koppel hatte, bilden sich festigungsfehler bei knochen, gelenken, knorpeln, sehnen und bändern. das ganze verknöchert zu früh und der ganze halteapparat ist nicht gut genug gefestigt.

das führt dann meist ab mitte des 2. lebensjahrzehnts zu vorzeitigen degenerativen erkrankungen wie sehnenschäden, arthrose etc...

leoniegommstd 22.01.2017, 15:49

Dankeschön, super Antwort. Das mit dem anweiden werde ich dann wohl selbst übernehmen. Die im neuen Stall weiden immer alle zusammen an. LG

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Wir haben aktuell ein 6j. Boxenpferd, welches auch keine Koppel usw. kannte in die Offenstallherde integriert u. das war schwierig wie selten! Der aus der Box hatte gar kein richtiges Sozialverhalten (mehr) u. es hat eine gute Weile gebraucht, bis die Herrschaften klar kamen u. die anderen ihm gezeigt hatten, wie man sich als Pferd in der Herde benimmt. 

Haben die anfangs nie alleine gelassen, so dass immer jemand dazwischen gehen konnte, wenn es zu heftig wurde. Nachts stand er dann erstmal nur nebenan, aber dass ist ja bei dir kein Thema, wenn ich richtig verstanden habe. Würde vllt zusehen, dass er anfangs oder überhaupt nicht gleich mit so arg vielen auf die Koppel kommt, evtl. kann man den oder die neuen Kumpel auch vorher schon mal nebenan stellen u. sehen, mit wem er gut kann.

leoniegommstd 22.01.2017, 15:44

Vielen Dank! Das hat mir sehr weitergeholfen, super Antwort LG :-)

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Horsefan3001 24.01.2017, 18:02

Gott, bitte nie, NIE, zwischen zwei Pferde gehen, die sich in die Haare kriegen. Von außen mit Stimme, wenn nötig mit Futter etc. eingreifen ist ok, aber nicht dazwischen gehen. Ich habe selber schon erlebt, wie böse das enden kann. Das ist kein Scherz mehr dann.

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Ich habe ein Pferd gekauft, das zum Glück nicht lange in dem Schulbetrieb war, wo die Koppeln den Privatpferden vorbehalten waren. Dennoch hat er jahrelang immer wieder vor lauter Freude Koppelrennen angezettelt, wo alle Pferde mitlaufen mussten. Unser größtes Problem war, dass die anderen Einsteller immer mich geschimpft haben, weil MEIN Pferd schuld dran sei, dass ihre verschwitzt seien. Ähm, sollte ich ihn anpflocken? Der hatte halt als nachzuholen.

Ich hab kurzen Prozess gemacht. An einem Tag in den Stall geholt, wo ich uns eingemietet hatte, bis wir in den Aktivstall zogen, am nächsten mit den anderen Wallachen (in diesem Stall gingen Wallache und Stuten getrennt raus) auf die Koppel. Fertig. Paar Kratzer hatte er, aber das juckt mich nicht. Da muss er durch. Letztendlich sind sie selber für sich verantwortlich und wenn die Seele toben braucht, dann braucht sie das und dann ändere ich das mit keinem Hilfsmittel der Welt.

Wir haben auch einen Sehnenpatienten, der deshalb ein dreiviertel Jahr keine Koppel gesehen hatte, raus gestellt auf Gras, als wir ihn gekauft haben. Der ist zwei Stunden lang gehüpft wie ein Gummiball, konnte gar nimmer aufhören, aber was ich in seinen Augen gesehen hab, war es wert. Ich dacht mir, notfalls muss die Therapie jetzt dann von vorn anfangen, aber ich hätte ihn nicht mehr eingesperrt, sondern während der normalen Tagesbewegung im Aktivstall und auf der Weide einfach bestmöglich therapiert. Wenn ein Pferd sich frei bewegen darf, und ein Handicap spürt, passt es auch auf sich auf. Wenn es hingegen einen ewigen Energiestau durch Eingesperrtsein hat, kennt es keine Rücksicht mehr auf seine Gebrechen.

leoniegommstd 23.01.2017, 11:41

Ich muss sagen das ist wirklich toll und ich freue mich immer sowas zu lesen. Die Antwort hat mir auf jeden Fall sehr weiter geholfen. Danke und LG

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Nimm das rangniedrrigste Pferd im Stall und stelle deinen in die Nachbarbox.

Dann bringt beide zusammen auf die Weide, führt sie am Zaun lang und lasse sie eine Woche beisammen NEBEN der großen Herde laufen.

 bleib dabei und guckt  was geschieht.

So könnte es klappen.

Viel Erfolg!

leoniegommstd 22.01.2017, 17:34

Vielen Dank für die Tipps! War sehr hilfreich, LG

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Na, wenn du mal kein Pferd mit etlichen vorprogrammierten Schäden gekauft hast.. 

Wie groß ist der Paddock? 

Wieso denkst du, dass er sich schlimm verletzen sollte/könnte? Wobei? 

leoniegommstd 22.01.2017, 12:31

Oh gute Frage wie groß der Paddock ist, also ziemlich groß. Er kann ganz gut hin und her galoppieren... Und ich hatte das Pferd 9 Wochen zur Verfügung, also etliche Schäden kann ich daher und durch die AKU ausschließen ;-)
Er ist teilweise relativ wild/flott unterwegs, ich habe Angst dass er sich in irgendeiner Art und weise überschätzt, zu viel untergebuttert wird, er kennt keine Stromzäune da unsere paddocks durch richtige Zäune getrennt sind...

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LyciaKarma 22.01.2017, 12:38
@leoniegommstd

Ach so, ich dachte schon, dass das so ein typischer Paddock wäre, der kaum größer als eine Box ist. 

Das ist ja schon mal gut, dass er die Bewegung an sich kennt. Ich würde, wenn es möglich ist, anfangs den verträglichsten künftigen Weidepartner mit ihm zusammenstellen, bis die sich ausgerangelt haben. Dann hat er schon mal einen Freund in der Herde, das ist viel wert. 

Ansonsten.. viel Platz geben, damit sie sich aus dem Weg gehen können und ab besten wegschauen, wenn sie die Ränge ausmachen. Es ist immer noch ein Pferd, das hat seinen Instinkt. Ich denke, dass das alles klappt. 

Unfälle können passieren, aber das kann immer sein. 

Stromzäune kennt er nicht.. Dann würde ich da anfangs richtig viel Saft draufmachen, falls er sie kennenlernen sollte. Dann ist das auch geklärt. 

Und wegen den Schäden - die wirst du erst später bemerken, fürchte ich. Fohlen und Jungpferde, die keinen oder kaum freien Auslauf auf verschiedenen Böden bekommen, haben einen viel schwächeren Bewegungsapparat. Die Bänder und Sehnen sind nicht so gestärkt usw. 

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leoniegommstd 22.01.2017, 15:48

Vielen Dank für die Antwort! War sehr hilfreich. Dann werde ich das mit dem Stromzaun wohl so machen, nicht dass er rein rennt... LG

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