Perfekt=vollendete Gegenwartsform?

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1 Antwort

Im Russischen gibt es ja z.B. einen vollendeten Aspekt. Im Deutschen wird das anders realisiert, wir unterscheiden zwischen dem "Präteritum" (der eigentlichen Vergangenheit) und dem "Perfekt" (das kann man als "vollendete Gegenwartsform" bezeichnen, in der Umgangssprache ist dieser Begriff eher unüblich). Und dem Plusquamperfekt.

In der deutschen Umgangssprache ist "ich habe das Buch gelesen" wesentlich häufiger zu hören als "ich las das Buch". Natürlich ist beides irgendwie "vergangen", aber beim Perfekt wird betont, dass der Vorgang als solcher abgeschlossen ist (und man nimmt auch dann das Perfekt, wenn der Vorgang gerade eben fertig geworden ist, "er hat (gerade) seine Hausaufgaben gemacht").

Beim Präteritum wird eher ein Vorgang in einer Vergangenheit geschildert, bei der man keinen Bezug mehr zur Gegenwart herstellt ("Napoleon eroberte Preußen"). Vor allem häufig ist das Präteritum bei "sein" und "haben" (ich war, ich hatte usw.). "Ich hatte mal einen Hund". "Ich war mal in Schweden."

Auch wenn "ich las" oder "ich schlief" durchaus korrektes Deutsch ist, verwendet die Umgangssprache hier meistens "ich habe gelesen" "ich habe geschlafen". Ich weiß nicht genau warum, aber es scheint so zu sein, dass wir Deutsche unsere Perfektformen sehr mögen.

Ich kann mich erinnern, dass sich manche Präteritumformen für uns sogar lustig anhören, weil wir die Perfektformen so gewöhnt sind. Die meisten Leute sagen "ich habe gesaugt" (also den Teppich gesaugt oder so...). Meine Frau sagte mal "ich sog" (was auch korrekt ist), und das sorgte für Erheiterung.



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