Patientenverfügung - künstliches Koma ablehnen möglich?

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10 Antworten

Ich habe kürzlich selbst eine Patientenverfügung gemacht. Das Formular dafür habe ich bei der Uni Bochum erhalten. Da steht (zum Ankreuzen) alles drin, was man ablehnt oder befürwortet, u. a. auch, daß zur Not Medis gegeben werden können, die das Leben zwar verkürzen, aber Schmerzen ersparen. Dies habe ich mit meiner Ärztin ausgefüllt und auch besprochen, meine Kinder haben jeweils eine Kopie, und ich weiß, daß sie alles tun werden. um das auch umzusetzen.

Als ich mit dem Kram fertig war, habe ich mit jemandem von der Diakonie gesprochen. Die sagte mir, daß nicht jede Patientenverfügung automatisch anerkannt würde und man in jedem Fall noch handschriftlich Dinge hinzufügen muß. Ich weiß nicht, ob das stimmt, denn ich hatte noch keine Gelgenheit, einen Rechtsanwalt/Notar zu dem Thema zu befragen. Andererseits fragt man mich in meinem hiesigen Krankenhaus immer, ob ich auch eine Befügung hätte, damit man dementsprechend handeln könne.

Meine beste Freundin hatte vor etlichen Jahren auch eine verfaßt, auch einen Vordruck, den sie mich bat, durchzusetzen. Als sie im Koma lag und keine Aussicht mehr für sie bestand (sie hatte Lungenkrebs), habe ich das Abstellen der Geräte veranlaßt. Der Arzt, und noch mehr die Krankenschwester, hat sich sehr schwer getan. Da aber die eindeutige Verfügung vorlag, habe ich mich auf gar keine Diskussion eingelassen. Das war das Einzige, was ich noch für sie tun konnte, sie hätte das von mir erwartet.

Ich kann Dir aber sagen, daß es nicht leicht fällt und mich oft wieder einholt. Ich weiß, daß es richtig war, ich hatte ihr versprochen, sie nicht an den Geräten hängen zu lassen und hätte zur Not den Stecker auch selbst gezogen. Es ist dennoch sehr belastend. Du kannst eine Verfügung ohne Notar treffen, nicht jeder kann und will die Kosten dafür aufbringen. Deshalb ist eine umfassende Info nötig. Sicherheitshalber sollte man das Formular immer wieder in regelmäßigen Abständen, und da gibt es keine Vorschriften, was den Zeitraum angelangt, neu unterschreiben, nur um zu dokumentieren, daß man sich bewußt ist, was man da tut.

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Kommentar von CountDracula
16.03.2016, 04:00

Danke, aber das beantwortet meine Frage nicht.

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Etwas, was ich ablehnen möchte, ist ein künstliches Koma (ja, dafür habe ich einen guten Grund).

Ich verstehe deine Bedenken nicht. Ist es Unkenntnis, einen Medikamentenschlaf abzulehnen, der dein Heilung, gar dein Leben retten kann?

künstliches Koma ablehnen möglich?


Nein.
Das künstliche Koma ist eine Langzeitnarkose, der einer Vollnarkose entspricht. Er wird gewöhnlich nach einem schweren Unfall oder bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung eingesetzt, um den Organismus zu entlasten und den Kranken, zum Beispiel bei einer Infektion, wirksamer behandeln zu können.

Dieser Behandlung können sich weder Angehörige noch Patienten entziehen, wenn sie medizinisch notwendig ist oder anders: Sie kann durch richterlichen Beschluss entgegen dem erhlärten Willen der Betroffenen durchgesetzt werden.

G imager761

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Jeder ab 18 kann eine Patientenverfügung machen.

Man sollte allerdings genau wisen, von was da gesprochen wird! Unklare oder medizinisch unlogische Formulierungen haben zur Folge, dass es unwirksam sein könnte.

Viele Allgemeinärzte bieten dazu eine Beratung an und erklären genau was wie formuliert werden muss, damit es auch nach Eintreten des Ernstfalls nach dem  Willen des Patienten angewendet werden kann und wird.

Ohne genaue Kenntnis der medizinischen Möglichkeiten und Behandlungsweisen und ohne genaue Kenntnis der teilweise sehr speziellen Krankheitsfälle kann man das alleine nicht ausfüllen, denn irgendwas würde man sicher vergessen. Das wäre dann ausgeschlossen und somit wäre die ganze Verfügung umsonst.

Die Patientenverfügung sollte übrigens  leicht auffindbar sein,  entweder beim Arzt des Vertrauens oder beim Amtsgericht hinterlegt werden. Und natürlich muss man seine Angehörigen informieren und ihnen den Sachverhalt genau erklären, denn die werden es sein, die den Wunsch des Patienten durchsetzen müssen.

Zusätzlich sollte man auch an eine Betreuungsverfügung und Vollmacht über alle finanziellen Dinge denken.

Es kann z.B.auch eine Situation entstehen, in der man handlungsunfähig ist,ohne dass man in  ein künstliches Koma versetzt wird.

Als Beispiel:man erleidet  einen Schlaganfall , wird zu spät gefunden und kann nicht sprechen, was  relativ häufig vorkommt,auch bei immer mehr jungen Leuten. Oder einem Impfschaden, oder oder........

Es gibt viele mögliche Ereignisse, die man als  Laie nicht einschätzen kann.

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Möglich ist das schon, würde ich aber sicher nicht grundsätzlich ausschliessen, könnte lebensrettend sein.

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Da es sich hierbei um eine langandauernden Narkose handelt, dürfte das unmöglich sein. Dabei würde auch kein Arzt nach einer Patientenverfügung fragen.

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Soweit ich weiß ist das möglich.

Aber in den meisten Fällen wird es nicht durchsetzbar sein.

Z. B. kann der Rettungsdienst nicht lange die rechtlichen Rahmenbedingungen prüfen, bevor er handelt.

Und wenn du erstmal intubiert und beatmet auf der ITS liegst, darf man (soweit ich weiß) die Geräte nicht einfach abschalten.

Mein Tipp: Informiere dich genau, was in einer Patientenverfügung stehen muss! -Formulierungen wie: ich möchte nicht an Schläuchen hängen werden als zu unpräzise nicht annerkannt.

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Kommentar von CountDracula
16.03.2016, 02:55

Danke für die Antwort :) das sind die Antworten, die mir weiterhelfen.

Mich informieren werde ich auf jeden Fall. Wenn ich irgendwann genügend Geld habe, werde ich auch zum Notar oder zum Rechtsanwalt gehen und mich dort noch einmal genauer beraten lassen.

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Wende Dich an Deinen Hausarzt. Ich habe meine Verfügung zerissen. Es gibt so viele Eventualitäten zu beachten, die man als Laie nicht bemessen kann.

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Das ist nicht böse gemeint, aber ich brauche keine Kommentare wie "Das würde ich nicht ablehnen, es könnte lebensrettend sein". Das bringt mich von meinem Vorhaben, das künstliche Koma abzulehnen, nicht ab. Wenn man es genau nimmt, kann man keine Leben retten, sondern nur den Tod hinauszögern. Alles ist vergänglich. Auch wir. Das habe ich akzeptiert. Deswegen stehe ich dem Tod so weit neutral gegenüber, wie man etwas neutral gegenüberstehen kann. Ich liebe ihn nicht, aber ich fürchte oder verabscheue ihn nicht.

Wenn ich bewusstlos bin, können die Ärzte mit mir machen, was sie wollen; ich würde das nicht mitbekommen. Ich wurde schon einmal ohne wirkliche Indikation operiert und bin seitdem chronische Schmerzpatientin. Deswegen möchte ich nicht, dass noch irgendeine Behandlung gegen meinen Willen geschieht. Aber die Gefahr dafür, dass etwas gegen meinen Willen geschieht, ist zu hoch.

Wenn ich im Koma liege, kann ich nicht mal sagen, was ich nicht will. Falle ich so ins Koma, kann man da wohl nichts machen; aber ein künstliches Koma muss für mich nicht sein.

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Kommentar von imager761
16.03.2016, 06:30

Wie ich vermutet habe, verstehst du die Indikation eines künstlichen Komas nicht.

Es geht hier nicht um das Hinauszögern des Tod eines Menschen, etwa Anschluss eine eine externe Herz-Lungen-Maschine, künstliche Beatmung oder Ernährung, sondern das Halten eines Narkosezustands, damit der Patient sich von Unfallfolgen erholen kann.

Dafür braucht der Arzt keine Zustimmung noch kann er davon abgehalten werden. Noch wird er als Notfallmediziner erst nach einer Patienverfügung forschen, während sein Patient ohne Not-OP ex zu gehen droht.

Planbare Operationen darf man ablehnen, sich mit einem T.Sirt "Bei Unfall bitte sterben lassen" ans Lenkrad eines Autos zu setzen oder den Urlaubsflieger besteigen hingegen nicht.

Auch mit einer Patienverfügung sind die Ärzte gehalten, sich an dem gemutmaßten Willen zu orientieren, eine Handlungsanweisung gibt der aber nicht her und darf im Zweifel durch richterlichen Beschluss herbeigeführt werden.

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Kommentar von imager761
16.03.2016, 08:13

ich brauche keine Kommentare wie "Das würde ich nicht ablehnen, es könnte lebensrettend sein". Das bringt mich von meinem Vorhaben, das künstliche Koma abzulehnen, nicht ab.

Das ist mir schon klar und war auch nicht meine Absicht. Nur, dir die trügerische Hoffnung zu nehmen, du könntest Notfall-Operationen, durch Schmerzmittelgaben eintretende Bewusstlosigkeit oder Einleitung eines künstliches Komas durch Bestimmungen in deiner Pateientenverfügung verhindern.

Habe ich mich darüber tasächlich so mißverständlich ausgedrückt?

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In Berlin gibt's Vordrucke, dort kannst Du Dir alles anschauen und Formulieren wie Du es brauchst, dort wird es auch gespeichert und kostet nicht viel, haben wir gemacht und es war sehr gut verständlich!

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