Passt das Physik Studium zu mir? Und falls ich es schaffe was dann?

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1 Antwort

Ich bin Physiker. Physik an der Universität hat mit Mathematik und Physik an der Schule rein garnichts mehr zu tun. Gewöhn dich daran, mehrmals in der Woche bis tief in die Nacht an Aufgaben zu sitzen, um irgendwie über die 50%-Hürde zu kommen. Vergiss deine Noten oder alles, was du jetzt über Mathe und Physik weißt, die Karten werden völlig neu gemischt, daher kann man nie pauschal sagen, wer das Studium schaffen wird und wer nicht.

Wissenschaftler nach dem Studium wird wohl keiner

Ach nein? Nun, ich und ein Drittel meiner Kommilitonen sind auf dem besten Weg dorthin.

Das habe ich auch schon öfters gehört, dass die Schulnoten keine Rolle spielen und das man total "umgekrempelt" wird. Aber mit wenig Schlaf komme ich klar, das wäre das geringste Problem. ;)

Gehen echt so viele in die Forschung danach? Ich habe mir das eher so vorgestellt, dass dort nur die wenigsten landen und muss zugeben das war nur geraten von mir. Aber das ist schon mal gut zu hören, dass der Weg in die Forschung nicht so versperrt ist wie ich vorerst dachte.

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@Schnorkel

Forschung bedeutet ja nicht automatisch Uni. Fast alle großen Firmen, die irgendwas auf dem Gebiet von Halbleitertechnik, Optoelektronik, Strahlungstechnik usw. herstellen, stellen Physiker ein, die dann eben in der Entwicklung tätig sind und dort an neuen Technik forschen. Die Uni beherbergt hauptsächlich theoretische Physiker, da dieses Gebiet aber auch sehr umfangreich und schwer ist, gibt es dort auch immer mal wieder freie Plätze.

Natürlich, Professoren werden die wenigsten, aber eine auf zwei Jahre befristete Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Arbeitsgruppe kann das Sprungbrett für eine Karriere in der Forschung sein.

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@KimJongUn

Das klingt doch mal Interessant. Ich finde Forschen allgemein sowieso Interessant und auch schon in der Schule dieses Gefühl, wenn man von selbst auf eine Lösung kommt, die sonst kaum einer oder Keiner gefunden hat bzw. das gemeinsame arbeiten an einem Problem, das macht einfach Spaß.

Vielen Dank für Ihre Antworten die haben mir sehr geholfen auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin ein wenig Zeit habe ich ja noch.

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@Schnorkel

Klar macht es Spaß, aber in erster Linie ist das Physikstudium harte Arbeit. Sicher, hin und wieder hat man auch mal Zeit, um etwas mit Freunden und Freundin zu unternehmen, aber insbesondere in den Wochen vor den Klausuren sitzt man schon mal tagelang allein vorm Schreibtisch, ohne eine Menschenseele zu Gesicht zu bekommen. Das muss man einfach durchhalten, auch wenn es sehr an den Nerven zehrt. Einfach an die Party danach denken ;)

In den ersten Semestern ist der größte Knackpunkt für die meisten sicherlich die Mathematik, die zusammen mit den Mathestudenten gehört wird. Durchfallquoten von 70% sind keine Seltenheit (ich hab das Ganze auch nur mit Noten um die 3,0 bestanden, obwohl ich in der Schule einer der besten war). Die nächste große Hürde ist die theoretische Physik, die dann die gesamte gelernte Mathematik der ersten Semester vorraussetzt und noch viel tiefergehendere einführt, einfach mal so nebenbei. Hat man die ersten, ich sag mal drei, vier Semester überstanden, hat man den Bachelor eigentlich in der Tasche.

Aber bis dahin ist es ein Stück Arbeit und manchmal schielt man auch zu den ganzen anderen Studenten, die sich einen faulen Lenz machen, während man im Labor steht und flucht, weil diese saublöde Messung schon wieder falsch war...;-)

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@KimJongUn

Bei dem letztem Abschnitt musste ich dann doch ein wenig Schmunzeln. Ich finde es außerdem ganz interessant wie sich meine Frage nun in einen Chat zwischen uns verwandelt, naja ich finde es angenehm, außerdem erfahre ich so ja auch mehr über das Studium.

Ich habe auch schon sehr oft gehört, die ersten Wochen egal welchen Studiengang man nun habe, die stressigsten sind, teilweise auch weil die Uni "ausmisten" will, also gleich die guten/besten rausfiltern. Auch habe ich gehört, dass viele die Mathe oder Physik studieren gar nicht versuchen es gut zu bestehen sondern einfach durchkommen wollen. Auf den Uni Klos meines Kumpels steht auch der Spruch "Nur Chuck Norris schaft den Bachelor in Mathe ohne ein Jahr zu wiederholen" oder so in der Richtung.

Dürfte ich mal fragen was Sie schließlich dazu brachte, dass Sie nun Physik studieren? Oder war dies ohnehin für Sie klar?

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@Schnorkel

Nenn mich doch nicht "Sie", da komm ich mir ja mit meinen grad mal 25 Jahren schon wieder so alt vor...ich bin im Prinzip auch noch ein Jungspund auf dem Gebiet, ich hab noch nicht mal einen Doktortitel. Was genau meine Entscheidung gefestigt hat, kann ich im Nachhinein gar nicht so genau sagen, mir kommt es aber so vor, dass ich niemals etwas anderes studieren hätte können als eine grundlegende Naturwissenschaft. Ich glaube, da spielt schon eine Menge kindlicher Forscher- und Entdeckerdrang mit rein. Da fällt man zwar im Studium anfangs kräftig auf die Nase - statt spannender Quantenphysik gibt's erstmal Punktteilchen, die irgendwie unter dem Einfluss von Kräften stehen - aber da muss man durch. Und spätestens wenn man die Kepler'schen Gesetze nicht nur genannt bekommt, sondern wirklich aus sehr wenigen Annahmen (den Newtonschen Axiomen und das Wesen der Gravitationskraft) herleitet bzw. beweist, ist das Eis gebrochen, jedenfalls war es bei mir so...

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@KimJongUn

Bei dem Sie dachte ich mir auch nur lieber zu höflich. Auch wenn wohl der Anteil derer, die lieber geduzt als gesiezt werden ist mitlerweile größer.

Bei mir ist es leider nicht so eindeutig was ich studieren sollte. Ich interessiere mich einfach für vieles obwohl für manches dann doch nur oberflächlich. Meine momentanen favorisierten Studien Optionen sind Physik und Japanisch. Aber mit Japanisch kann man so wenig anfangen. Von den Naturwissenschaften steht für mich fest, wenn dann Physik! An Ingenieur habe ich auch schon gedacht, da wüsste ich aber auch nicht was für ein Ingenieur und da finde ich doch Physik ansprechender.

Was ich auch ein wenig blöd finde ist, dass ich kaum Ahnung habe was es alles zu studieren gibt, daher eine gewisse Unentschlossenheit. Ach ich fange schon wieder an zu viel von mir zu erzählen.. Ich erzähle einfach zu gerne. ;)

Um zurück zum Thema Physik zu kommen. Kannst du mir vielleicht ein paar Bücher empfehlen? Ein Kumpel von meinem Bruder studiert momentan Physik und er war gerade am "Es Funktioniert!" von Walter Lewin lesen. Ich dachte mir es wäre vorteilhaft sich schon vorab über alles mögliche in der Physik zu informieren, dass mir möglichst viel bekannt vor kommt.^^

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@Schnorkel

Dir muss klar sein, dass ein Ingenieur (egal welcher) auf die Anwendung fokussiert ist. Ein Elektrotechniker möchte wissen, wie man optimal mechanische in elektrische Energie umwandelt, wie man einen Stromkreislauf effektiv gestaltet, wie man Spannungen und Ströme leicht ausrechnet, wie möglichst wenig Leistung verloren geht usw...

Das alles interessiert den Physiker in erster Linie mal garnicht. Er setzt ganz woanders an. Was zur Hölle ist Strom überhaupt? Na gut, bewegte Ladungen. Was sind Ladungen, wie werden sie bewegt, wie verhalten sie sich? Wie kann man diese Zusammenhänge aus den Maxwell-Gleichungen herleiten? Haben diese Gleichungen vielleicht noch andere Lösungen als die, mit denen die Techniker heute arbeiten? Lassen sich die Maxwell-Gleichungen selbst wiederum aus etwas allgemeinerem herleiten (das führt zu einer Quantenfeldtheorie...). Wie bestimme ich aus einer gegebenen Ladungsverteilung das Potential und das elektrische Feld rein mathematisch?

Du siehst, die Fragen sind sehr viel abstrakter, theoretischer und grundlegender, und das macht meiner Meinung nach gerade die Faszination der Naturwissenschaft aus. Einen Ingenieuer kümmert es herzlich wenig, wie die einzelnen Formeln zustande kommen, er möchte sie nur möglichst effektiv anwenden, ein Physiker dagegen leitet diese Formeln überhaupt erst her...

Buchempfehlung, Buchempfehlung...populärwissenschaftliche Bücher erlauben dir immer einen interessanten Einblick in die Physik, machen Spaß, regen das Interesse an - aber fürs Studium bringen sie dir wohl nichts, behaupte ich mal ganz böse. Man fängt dort nämlich bei Null an, um dann mit einem irren Tempo in die Abstraktion zu rasen. Was dir eventuell etwas bringt ist das ULTRALANGWEILIGE Buch "Mathematik zum Studienbeginn" von Kemnitz. Im ersten Semester wirst du Analisis I, Lineare Algebra I und Experimentalphysik I hören. Sich selbstständig und alleine im Vorraus auf die Mathematiker-Mathematik vorzubereiten, ist mMn fast unmöglich (da muss man einfach ins kalte Wasser geworfen werden), ansonsten könntest du aber mal in Demtröder: Experimentalphysik I reinschnuppern, das ist schon ein ziemlich anspruchsvolles Lehrbuch für das erste Semester, aber es gibt dir den Ton an, was da noch so kommen mag ;)

Wenns kein Lehrbuch sein soll, les was von Richard Feynman. "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!" ist ein großartiges, humorvolles Buch über das Dasein als Physiker mit all seinen Tücken und gibt dir auch so ein bisschen Einblick darüber, wie Entdeckungen gemacht werden - am Kaffeetisch, wenn einem plötzlich einfällt, welchen kleinen Trick man anwenden muss, damit die schöne Theorie, die man ausgearbeitet hat, endlich mathematisch korrekt ist...

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@KimJongUn

Er setzt ganz woanders an. Was zur Hölle ist Strom überhaupt? Na gut, bewegte Ladungen. Was sind Ladungen, wie werden sie bewegt, wie verhalten sie sich? Wie kann man diese Zusammenhänge aus den Maxwell-Gleichungen herleiten? Haben diese Gleichungen vielleicht noch andere Lösungen als die, mit denen die Techniker heute arbeiten? Lassen sich die Maxwell-Gleichungen selbst wiederum aus etwas allgemeinerem herleiten (das führt zu einer Quantenfeldtheorie...). Wie bestimme ich aus einer gegebenen Ladungsverteilung das Potential und das elektrische Feld rein mathematisch?

Da hast du mir erstmal richtig lust auf Physik gemacht! :D

Je mehr ich mich mit dir unterhalte, desto mehr will ich mich dazu entscheiden Physiker zu werden. Ingenieur finde ich eigentlich auch langweilig, aber damit hätte ich einen guten Job, der teilweise immer noch interessant ist.

Ich glaube ich werde mich, wenn es soweit ist, für ein Physik Studium bewerben. Da viele, dich eingeschlossen, sagen "Wer das erste Semester überlebt, schafft das schon." Denke ich wäre es auch nicht so fatal, würde Physik mich absolut über fordern. Vielleicht rede ich noch mit meinem Physik Lehrer damit, das hat zwar noch alles Zeit, aber ich dachte mir es ist hilfreich zu wissen was man machen will, bevor man sich bewerben muss. Und da ist ja noch reichlich Zeit, denn ich bin ja erst in der Q1.

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@Schnorkel

Du musst dich nicht mal bewerben, Physik ist an allen deutschen Universitäten zulassungsfrei. Einfach einschreiben, sobald du dein Abitur hast und gut ist. Das liegt daran, dass von hunderten Studienanfängern die Hälfte nach einem Jahr sowieso wieder abbricht. Die ersten beiden Semester sind die Schwierigkeit, würde ich sagen. Das erste wegen dem ungewohnt hohen Anspruch an Mathematik, das zweite wegen der erstmaligen Begegnung mit der theoretischen Physik. Danach bleibt es natürlich hart, aber wer es bis dahin einigermaßen gut geschafft hat, sollte auch weiterhin - wenn er viel lernt - keine fundamentalen Probleme bekommen.

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@KimJongUn

Mit bewerben meinte ich eigentlich auch eher einschreiben. Wie genau läuft das mit dem einschreiben? Wenn ich mich jetzt z.B. an der RWTH Aachen(meine Wunschuni) einschreibe, dann bekomme ich doch sicherlich nicht garantiert einen Platz oder? Oder gibt es dafür so wenig Einschreibungen, dass mir der Platz sicher ist? Könnte ich mir zumindest nicht vorstellen, dass es so einfach sei an einen Platz zu kommen.

Ach ja und sorry falls ich dich mit den ganzen Fragen nerve, falls du kein Bock mehr hast schreib einfach nicht zurück :P

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