paranoide schizophrenie

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7 Antworten

Hallo zusammen,

ich bin selbst letztes Jahr im ALter von 23 Jahren an paranoider Schizophrenie erkrankt. Es begann damit dass ich immer das Gefühl hatte beobachtet zu werden und dass die Leute über mich tuscheln (zB in der Straßenbahn oder beim Einkaufen). Später fing ich an Stimmen zu hören und dachte deshalb, das mich jemand beobachtet und verfolgt. Damals war ich überzeugt dass meine Nachbarn Mikrofone und Kameras in meiner Wohnung installiert haben und mich so beobachten und abhören. Deswegen bin ich zweimal in 6 Monaten umgezogen. Irgendwann haben die Stimmen angefangen auf meine Gedanken zu antworten, sodass ich daran geglaubt habe dass meine Gedanken abgehört werden von einem Geheimdienst oder ähnlichem. In der Endphase dachte ich dass meine Gedanken kontrolliert und von Fremden eingespielt werden. Viele Schizophrene glauben dann dass jemand einen Chip in ihren Kopf gepflanzt hat oder ähnliche absurde theorien. Zum Schluss habe ich versucht mir das Leben zu nehmen. Dadurch kam ich in die Psychatrie und bekam die Diagnose und sofortige Hilfe. Falls du glaubst an dieser Krankheit erkrankt zu sein, such dir sofort Hilfe bei einem Psychiater! Mit Medikamenten kann man alle Krankheitssymptome unterdrücken. Ich habe nachher bereut nicht direkt zum Arzt gegangen zu sein. Durch die Medikamente kann ich ganz normal leben wie früher und kann auch wieder arbeiten. Ich kann nur nochmal betonen, SUCH DIR HILFE.

Hallo, ich habe mit einer Werkstatt für pschychisch Kranke zu tun, wo einige Menschen mit dieser Diagnose arbeiten. Deshalb habe ich mich auch näher mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie und anderen psychischen Störungen beschäftigt:

Ich vermute, dass die ARGE, Dich loswerden möchte aus der Reihe der zu vermittlenden Arbeitslosen(?) Denn mit dieser Diagnose kommen die Menschen, nach einer Phase der Stabilisierung z.B. auch in einem Krnakenhaus in unsere Werkstatt (WfbM = Werkstatt für behinderte Menschen) an einen geschützten Arbeitsplatz. Als Behindert kann man deshalb gelten, weil man nicht die volle Leistung eines Gesunden erbringen kann (Du wirst Dich wundern, wie viele Leute mit einem Schwerbhinderten-Ausweis rumlaufen, obwohl man es ihnen auf den ersten Anschein nicht zutrauen würde...!) Bei psychischen Behinderungen gibt es einen wesentlichen Unterschied zu den körperlichen Behinderungen: sie brauchen nicht von Dauer sein und können vorübergehen oder nur zeitweilig auftreten!

Die Arbeit in einer Werkstatt hat trotz der damit meist subjektiv empfundenen Stigmatisierung den Vorteil, dass übermäßiger Streß vermieden werden kann. Der ist nämlich ein auslösender Faktor für Krankheitsschübe: gewiss auch der dauernde Streß mit der ARGE, an einen unpassenden Arbeitsplatz geschickt zu werden. Der Druck der auf die restlichen Menschen in normalen Arbeitsplätzen ausgeübt wird, wird ja immer größer! In einer WfbM wird darauf geachtet, dass solche Stressüberlastungen wie Termindruck oder Konfliktstress abgefedert werden z.B. auch durch einen begleitenden sozialen Dienst, der auch in Konflikten mit der ARGE vermitteln kann.

Übrigens gilt auch die Situation als Arbeitsloser existieren zu müssen, schon als ein erhöhter Stressfaktor. Das erkennt nur niemand an! Arbeitslos zu sein ist eine Verletzung der Seele und des Selbstwertgefühles und bedeutet Stress. Auch das dauernde Anrühren dieser seelischen Verwundung ist ein hoher Stressafaktor. Ich habe beim Amt nicht erlebt, dass darauf Rücksicht genommen wurde.

Ansonsten wird darauf Wert gelegt, dass die Normalität des Arbeitslebens erhalten bleibt, um die Chancen einer Rehabiltiation zu wahren.

Zum Krankheitsbild ist vielleicht kurz zu sagen, dass sie in ihrer in drei Kategorien gegliedert wird: die erste Kategorie hat nur ein einmaliges Auftreten der Symptome und ist ganz heilbar, ohne dass je im weiteren Leben wieder wieder ein Schub passiert (vor hohem Stress sollte man sich dennoch hüten!). Die zweite Kategorie bleibt auf einem Level und der Betroffene lernt damit zu leben, dass er gelegentlich, in besonderen Situationen mit Krisen rechnen muss (Das sind die Menschen, die dauerhaft in der Werkstatt anzutreffen sind.) Die dritte Kategorie wird chronisch und verschlimmert sich eventuell.

Im Krankenhaus werden Medikamente ausgetestet, die den Betroffenen helfen können, ein weitgehend normales Leben zu führen und den Leidensdruck zu lindern. Weiterhin gibt es Programme wie "PEGASUS" und "ZERA", die beim Erlernen mit der Störung umzugehen und auf Frühwarnsyntome für Chrisen zu achten, helfen sollen. Beides wird im Krankenhaus und in der Wekstatt vom sozialen Dienst vermittelt.

Du schreibst: "Ich war noch nie gewalttätig, ..." Das zeigt das allgemeine negative Bild von psychischen Störungen in der Bevölkerung: Wenn jemand "amok läuft" oder seine Familie auslöscht wird er als "psychisch Kranker" in den öffentlichen Medien bezeichnet. Dabei ist doch klar dass kein Gewalttäter oder Verbrecher psychisch gesund sein kann! Warum also das so hervorheben?! Geschwiegen wird über die vielen Leute, die gelernt haben mit ihren Schwierigkeiten umzugehen und eher die allzu friedliebenden Opfer sind als die Täter. Übrigens es gibt viele die psychische Probleme haben und sie verbergen. Wenn man selbst davon betroffen ist, lernt man die meist erst kennen. Und ich denke, das ist der Gewinn, der auch aus dieser Situation gezogen werden kann.

Es ist übrigens nicht jedem möglich, daran zu erkranken; es gehört seltsamerweise eine gewisse Intelligenz dazu...

Im übrigen bewundere ich Deinen Mut, mit der Frage an die Öffentlichkeit zu gehen!

Deiner Antwort kann ich nur zustimmen.

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Es ist übrigens nicht jedem möglich, daran zu erkranken; es gehört seltsamerweise eine gewisse Intelligenz dazu

Danke, dass Du das auch registriert hast! ich steh da nämlich oft belächelt da, wenn ich das anmerke.

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Paranoide Schizophrenie! Wie gehen Angehörige damit um?

Man unterscheidet Positivsymptome(Wahn, Stimmen) und Negativsymptome(depressive Episoden dazwischen); treten erstere plötzlich und als erstes auf, ist die Prognose besser. Dies ist auch die häufigste Form.

Zugrunde liegt dem ganzen eine Überaktivität des sogenannten Mesolimbischen Systems, das Dopamin als Signalübermittler benutzt. Die ("bewusste") Hirnrinde verwendet sogenanntes Glutamat; es gibt Hinweise, dass der "Lernrezeptor"(NDMA-Glutamatrezeptor)bei Schizophrenie weniger aktiv ist.

Standardmedis sind Neuroleptika, sogenannte Dopaminblocker. Zumindest die klassischen. Die neuere Generation der sogenannten atypischen stimuliert jedoch, ähnlich wie Antidepressiva, diese Glutamatrezeptoren.

Nebenwirkungen sind Parkinsonsymptome("Parkinsonoid), da bei Parkinson das Problem ja gerade eine zu geringe Dopaminaktivität ist. Halt in einem anderen Bereich des Gehirns, aber die Medis gehen halt überall hin. Besonders die klassischen Neuroleptika verursachen solche Probleme. Sind aber auch deutlich billiger, weshalb sie gern von manchen Hausärzten in Budgetnot verschrieben werden. Also aufpassen, wenn man selbst davon betroffen sein sollte(oder Angehörige)!

Alles, was du fragst, kann man sehr schön in diesem Buch wieder finden:

Roman Preist: Mein Leben in zwei Welten – Innenansichten einer Schizophrenie

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Mein Leben in zwei Welten - Innenansichten einer Schizophrenie - so lautet der Titel des von Roman Preist (43) verfassten Buches, das im April 2008 auf den deutschen Buchmarkt kam. In schonungsloser Offenheit berichtet der promovierte Biophysiker von seiner Kindheit, seiner Karriere und deren vorzeitigem Ende. Mit 30 Jahren erkrankt er während eines Auslandsaufenthaltes plötzlich an Schizophrenie – einer psychischen Störung, die zu Denkstörungen, Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen führt.

Quelle:

http://www.suite101.de/content/innenansichten-einer-schizophrenie-a44318

PS: Der Autor ist selbst paranoid schizophren. Wenn du eine sehr überzeugende, rührende, ausführliche, authentische und mitreißende Beschreibung haben möchtest - lies das Buch. Ich selbst habe es verschlungen, weil es mich sehr gefesselt und fasziniert hat.

wenn noch eingehendere Fragen beantwortet werden sollen, empfehle ich diese Internetseite anzuklicken: http://www.psychiatrie.de/beratung/

Dort steht einleitend: "Expertinnen und Experten beantworten Fragen

Mit diesem Angebot wollen wir bei Problemen helfen und Fragen von Betroffenen, Angehörigen, Bürgerhelfern und in der Psychiatrie arbeitende Profis beantworten. Das Angebot ist kostenlos und kann auch anonym genutzt werden. Um Ihre Frage beantworten zu können, geben Sie bitte unbedingt Ihre E-Mail-Adresse ein.

Unsere Experten können keine Diagnosen stellen und ihre Antworten ersetzen keine ärztliche oder therapeutische Behandlung. Es ist ein "niederschwelliges" Angebot, mit dem Tipps und erste Antworten auf Fragen gegeben werden können. In manchen Fällen mag das ausreichen, in anderen Fällen kann das den Besuch beim Therapeuten oder Arzt erleichtern.... etc."

Das ist auf jeden Fall vertraulicher als offen in einer Community zu diskutieren, was ich grundsätzlich in Ordnung finde. Doch in diesem Fall ist eine geschützte Umgebung sinnvoller, finde ich.

Es ist sehr schwierig dieses Krankheitsbild hier in wenigen Worten zu beschreiben.

Dafür sind die Verlaufsformen einfach zu unterschiedlich und somit auch die Folgen für die Betroffenen.

Die Krankheit kann nach einem einmaligen Schub ausheilen - kann aber auch chronisch werden.

Ich habe einige Jahre in einer psych. Wohneinrichtung gearbeitet und war dort überwiegend mit der chron. Verlaufsform konfrontiert. Für die Betroffenen ist es schon ein hartes Schicksal.

Vielen dank für Deine Antwort, ich leide seid 25Jahren an Depressionen und Panikattacken. Seid 1Jahr befinde ich mich wieder in einer akuten Phase der Erkrankung. da ich diesbezüglich sehr viel Ärger mit der Arge hatte, begann ich mich dagegen zu wehren und ging mit meinem Problem an die Öffentlichkeit. Die ARGE sprach mit meinem Arzt, nun habe ich eine Krankenhauseinweisung mit der Diagnose "paranoide schizophrenie" Ich war noch nie gewalttätig, höre keine Stimmen oder leide an Verfolgungswahn. Bisher diagnostizierte jeder Arzt eine Angstneurose und Depression. Ich werde mit dieser Diagnose nicht ins Krankenhaus gehen. Ich bin einfach vom Leben sehr oft enttäuscht, gedemütigt und verletzt worden. Deshalb meine Ängste ich bin immer gut zu meinen Mitmenschen, helfe wo ich kann obwohl ich selber Hilfe benötige. Aber mit dieser Diagnose wird man mir unterstellen das ich mir alles einbilde und erscheine unglaubwürdig. Alles was ich unternommen habe um gegen Respektlosigkeit, und Demütigungen bei der Arge vorzugehen wäre hinfällig. Viele Arbeitsuchende riefen mich nach dem Artikel in der Zeitung an und bestätigten, das was ich geschrieben habe. Sind die auch schizophren?

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Schau mal hier: http://www.paradisi.de/Health_und_Ernaehrung/Erkrankungen/Schizophrenie/?PHPSESSID=b2472e46368383cde4b19e462ac91e77

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