Papst unfehlbar?

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Hmm, werfen wir einen Blick auf die Geschichte...

Das Unfehlbarkeitsdogma wurde im Jahre 1870 auf dem ersten Vatikanischen Konzil von Papst Pius IX. aufgestellt. Übrigens war das derselbe Papst, dem im Jahre 1857 (wohlgemerkt bereits neun Jahre nach Amtsantritt) auffiel, dass im Vatikan überall Statuen von nackten Männern herumstehen. Weil ihn das sexuell erregte und wie er selbst zugab "unangebrachte Lust" hervorrufen könnte, lief der Heilige Vater daraufhin höchstpersönlich quer durch seinen Amtssitz und klöppelte mit Hämmerchen und Meißelchen jeder Statue den Pipimann ab - wohlgemerkt den unschätzbaren und kunsthistorisch wertvollen Werken Berninis, Bramantes und Michelangelos. Noch heute wird im Vatikan dieser Akt des Vandalismus durch vergoldete Feigenblätter kaschiert.

Doch das war noch längst nicht der Gipfel dessen, was einen gesunden Menschen über die sogenannten "Eingebungen" des Papstes zum Grübeln bringen muss:

Im Jahre 1095 bekam Papst Urban II. vom byzantinischen Kaiser Alexios Kommenos zum Beispiel einen Brief, im welchem ihn der Patriarch von Konstantinopel darum bat, in seinem Amtsbereich doch einige Söldner für ihn zu rekrutieren, um die Überfälle seldschukischer Gangster und Warlords auf die byzantinsichen Händlerkarawanen einzudämmen. Doch Urban schickte daraufhin nicht etwa eine kleine Söldnertruppe los, sondern zog quer durch die Rheingebiete, das Frankenreich und die Normandie und hält pathetisch wie kein Zweiter Reden von den "Untaten" der "Gottlosen" im Heiligen Land.

Obwohl diese seit gut 400 Jahren keinen anderen Papst vorher großartig gestört hatten, bricht auf Veranlassung Urbans ein Kreuzfahrerheer nach Jerusalem auf, richtet auf dem Weg darin beispielloses Chaos und absscheulichste Gewalttaten an (nach der Belagerung Antiochias wurden z.B Kinder auf Spieße gesteckt und mit ihnen ein kannibalistisches Barbecue veranstaltet), Jerusalem geplündert und schließlich erobert.

Die Folge war ein 250 Jahre andauernder Konflikt zwischen Kreuzfahrern und Muslimen, und dass in heutiger Zeit immer noch die Glut zwischen Christen und Muslimen immer wieder rot aufleuchtet, ist dieser kleinen "Überreaktion" des Papstes geschuldet. Man munkelt, dass dieser eigentlich gar nicht im Sinn hatte, Jerusalem tatsächlich zu erobern, sondern mit einer spektakulären Machtdemonstration die seit 1054 abfällig gewordenen Byzantiner wieder zurück in den Schoß der katholischen Kirche zu holen - und aus dieses Unterfangen misslang. Aua. Stattdessen wurde Konstantinopel wieder mit päpstlicher Billigung im Jahre 1204 während des vierten Kreuzzuges geplündert.

Doch es geht natürlich noch eine Schippe härter.

Im Jahre 897 ließ Papst Stefan VI. die Leiche seines Vorgängers Formosus ausbuddeln, zog dem schon verwesenden Körper wieder die Amtskleidung des Heiligen Vaters an und machte ihm nachträglich den Prozess. Hauptanklagepunkte: Verstoß gegen das Translationsverbot, Meineid und Korruption. Was bedeutet Translationsverbot? Kurz erklärt: In jener Zeit war es verboten, gleichzeitig Bischof zweier Diozösen zu sein - also konnte man nicht Papst werden, wenn man gleichzeitig das Bischofsamt einer anderen Stadt innehatte. Das machte Stefan dem Verstorbenen nun nachträglich zum Vorwurf, obwohl er selbst, Stefan, selbst vor Antritt seines eigenen Pontifikats noch Bischof von Anagni gewesen war. Leicht inkonsequent und selbstgerecht? Vielleicht. Nur ein wenig. Aber blicken wir mal auf das Urteil (das im übrigen schon vor Prozessbeginn feststand): Der tote Papst wurde seines Amtes enthoben, wurde nackt ausgezogen, ihm wurden die Schwurfinger abgeschnitten und die Leiche in den Tiber geworfen.

Ergo: Nicht nur Päpste, sondern sogar tote Päpste sind offenbar hin und wieder fehlbar. Und was ihre Fehlbarkeit mitunter für die Welt bedeutet hat und immer noch bedeutet, lässt sich mit noch so viel Frömmigkeit nicht schönreden oder wegdiskutieren. Päpste sind und bleiben fehlbar, Geschichte irrt sich aber nie.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium der Geschichts- und Religionswissenschaften

Das Unfhelbarkeitsdogma in deutscher Übersetzung lautet:

Wenn der römische Bischof Wenn der römische Bischof ex cathedra spricht, d.h. wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirt und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten apostolischen Amtsgewalt endgültig entscheidet, dass eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, so besitzt er auf Grund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche in der endgültigen Entscheidung über eine Glaubens- oder Sittenlehre ausgestattet wissen wollte. Daher sind solche endgültige Entscheidungen des römischen Bischofs aus sich selbst, nicht auf Grund der Zustimmung der Kirche, unabänderlich.

Dies trifft auf keines der oben genannten Beispiele zu. Ex cathedra wurde nur ein einziges Mal in der Geschichte angewandt nämlich von Pius XII in "Munificentissimus Deus". Alle anderen Stellungnahmen, Handlungen, Entscheidungen u.s.w. von Päpsten sind deshalb fehlbar und zwar auch unter Annahme des Unfehlbarkeits-Dogmas.

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@Rowal

Das mag sein, allerdings gehen viele Menschen - egal ob sie Katholiken sind oder nicht - davon aus, dass das Unfehlbarkeitsdogma

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@MarkusPK

Hoppla, bin aus Versehen aufgrund meiner eigenen Fehlbarkeit auf den Absenden-Button gekommen. :-) Hier also die Fortsetzung:

Das mag sein, allerdings gehen viele Menschen - egal ob sie Katholiken sind oder nicht - davon aus, dass das Unfehlbarkeitsdogma besagt, dass ein Papst für sich in Anspruch nimmt, als Stellvertreter Gottes nicht zu Fehlentscheidungen fähig zu sein, was ihn auch gegenüber aller Kritik erhaben machen würde. Mit meinem Artikel wollte ich verdeutlichen, wie albern so eine Auslegung dieses Dogmas ist, weil viele Entscheidung vorheriger Päpste absolut fragwürdig waren und abseits eines rationalen Verhaltens gelegen haben.

Dein Relativierungsversuch, dass die Unfehlbarkeit nur beim Sprechen es cathedra gelten würde, wirft dann trotzdem sehr schnell folgende Frage auf:

Wenn der liebe Gott sich den Papst als sein Sprachrohr wählt, wenn dieses Sprachrohr quasi erst auf "ex cathedra" gestellt werden muss, damit es Gottes Willen und seine Entscheidungen verkündet, warum wählt Gott dann so oft Sprachrohre, die offenbar völlig im Eimer sind? Und warum setzt erst ein paranoides und sexuell verstörtes Sprachrohr dieses Dogma in die Welt?

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Hallo Franz,

inwiefern Gott einen Stellvertreter braucht, mag strittig sein. Es lastet auf einem solchen Stellvertreter eine gehörige Verantwortung, nur Gott aus allem was er oder sie denken würde, herauszufiltern.

Man hat ein solches Amt geschaffen und hoffentlich jemanden erwählt, dem dies zu einem sehr großen Teil auch gelingen mag. Aber auch der Papst könnte sich irren - und etwas für Göttlich erachten, was es nicht sein kann. Ein Papst könnte genauso auch rein politisch handeln - und so erwählt worden sein.

Letztlich dürfen wir - wie auch der Papst - mit Gott eins sein. Wir dürfen uns gegenseitig fragen, wenn wir unsicher sind - auch den Papst fragen, sofern es uns möglich ist, ihn zu erreichen. Auch der Papst hat seine Kardinäle um sich herum, die er fragen kann und darf. Theoretisch könnte er auch mich fragen (nehmen wir an, er würde mitlesen). Wir dürfen also aus einem gemeinsamen Einssein mit Gott schöpfen und somit umso exakter in unserer Göttlichkeit aufgehen.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Das sog. Unfehlbarkeitsdogma besagt, dass die ganze Kirche in Fragen den Glauben betreffend nichts Falsches lehren kann, weil der Heilige Geist sie vor Irrtum schützt. Dem Papst kommt deshalb insofern Unfehlbarkeit zu, weil er oberster Repräsentant der Kirche ist.

Der Papst an sich ist deshalb keineswegs unfehlbar. Er ist Mensch genauso wie du und ich. Er hat Fehler und macht Fehler.

Der heilige Geist, wirklich eine Person?

Wenn der heilige Geist dem allmächtigen Gott gleich ist — wie es das Athanasianische Glaubensbekenntnis sagt — und wenn die Dreieinigkeit die Zentrallehre der christlichen Religion ist, wie es die katholische Enzyklopädie behauptet, sollten man da nicht erwarten, daß diese Dinge in der Bibel deutlich dargelegt wären?

Daniel, Stephanus und Johannes sahen in Visionen Darstellungen des Vaters und des Sohnes, nie aber eine solche des heiligen Geistes. Weshalb denn nicht, wenn der heilige Geist doch dem Vater und dem Sohn in der Herrlichkeit, Macht usw. gleich ist? Ein Glaubensbekenntnis mag erklären, daß man verlorengehe, wenn man nicht glaube, daß der heilige Geist Gott gleich sei. Aber als Jesus uns die folgende Vorschrift gab, die wir beachten müssen, um Leben zu erlangen, erwähnte er den heiligen Geist nicht: „Dies bedeutet ewiges Leben, daß sie fortwährend Erkenntnis in sich aufnehmen über dich, den allein wahren Gott, und über Jesus Christus, den du ausgesandt hast.“ (Johannes 17:3)

Daß der heilige Geist nicht eine Person ist, wird auch durch die Tatsache angezeigt, daß er keinen bestimmten Namen hat. Gott, der Schöpfer, hat viele bestimmte Bezeichnungen. Einen Eigenamen JHWH (Jahwe/Jehova) und er allein ist „Der Gott“ oder „Der wahre Gott“, er allein ist der „Höchste“ und der „Allmächtige“. Er wird also deutlich von anderen Göttern oder Mächtigen unterschieden. Ebenso verhält es sich mit seinem Sohn Jesus Christus. Es gibt nur e i n e n, der diesen Namen trägt, nur e i n e n „einziggezeugten Sohn“, nur e i n e n „Erstgeborenen“, nur e i n e n Logos oder „das Wort“.

Doch mit dem heiligen Geist verhält es sich nicht so. Gott, Christus und die treuen Engel sind alle heilige Geister. Ist der heilige Geist „Der heilige Geist“? Wenn ja, inwiefern übertrifft er Gott und Christus, sei es hinsichtlich der Tatsache, daß er ein Geist ist, oder hinsichtlich seiner Heiligkeit? Und mehr als hundertmal wird der heilige Geist als „der Geist JHWH“, „Gottes Geist“, „mein Geist“ und „der Geist Jesu Christi“ bezeichnet. Alle solche Anwendungsformen des Wortes „heiliger Geist“, die einen Besitz anzeigen, sprechen ferner dafür, daß er eher ein Werkzeug als eine eigenständige, sich von andern unterscheidende Person ist.

Man beachte auch noch einen anderen Punkt: die Örtlichkeit. Die Bibel sagt uns, Gott wohne im Himmel. Ferner habe Jesus in seinem vormenschlichen Dasein die Freude gehabt, bei seinem Vater zu sein. Er sei auf die Erde gekommen, um Sondermissionen zu erfüllen, besonders zu der Zeit, da er als Mensch kam, und er sei nun in den Himmel zurückgekehrt. Wo war oder wo ist aber der heilige Geist jetzt, wenn er eine Person ist? Kam „er“ am Jordan auf Jesus hernieder und blieb er dort, oder kehrte „er“ zurück und kam dann zu Pfingsten wieder? Ist „er“ jetzt bei Gott und Christus im Himmel, oder ist „er“ auf Erden verstreut, nämlich überall da, wo sich die Nachfolger Christi befinden?

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