Panikstörung, Erlebnisse und Erfahrungen?

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2 Antworten

Das höhrt sich wirklich nach einer Panikstörung an. Die Symptome die du beschreibst sind klassisch. Zu den Symptomen einer Panikattacke gehören:

  • Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle bis hin zur Angst zu ersticken.
  • Hyperventilation (als Folge können zudem Kribbelgefühle in Gesicht und Händen sowie Muskelkrämpfe auftreten)
  • Herzrasen
  • Schweissausbrüche
  • Zittern
  • Depersonalisation/Derealisation (man nimmt den eigenen Körper oder die Umwelt als unrealistisch und völlig schwummerig wahr)
  • Innere Spannungszustände
  • Häufig auch Agoraphobie (Angst vor Menschenmassen und/oder weiten Plätzen).

Zentral sind allerdings die Angstgedanken wie z.B. "ich habe einen Herzstillstand", "ich kriege keine Luft/werde ersticken", "ich werde jetzt gleich sterben" und/oder "ich werde verrückt/verliere den Verstand". Bei körperlichen Untersuchungen wird aber nichts gefunden.

Fast niemand hat alle diese Symptome, die Angstgedanken sind jedoch zentral.

Ein weiteres Problem ist häufig der Angst vor der Angst. Man ist in einem dauerhaften Alarmzustand in der Erwartung, dass die nächste Attacke kommt. Man kommt also nicht mehr wirklich von diesem Horrortrip runter bzw. selbst wenn gerade keine Attacke da ist, steht man völlig neben den Schuhen.

Panikattacken kommen meistens aus dem Nichts, seltener aufgrund auslösender Umstände. Bei mir war es so, dass ich abends im Bett lag und plötzlich das Gefühl hatte einen Herzinfarkt zu erleiden. Bei der nächsten Attacke hatte ich das Gefühl zu ersticken und nochmal bei der nächsten das Gefühl gleich den Verstand zu verlieren.

Panikstörungen verlaufen leider oft chronisch, kommen also immer wieder, besonders wenn man sie nicht behandelt. Bezüglich Behandlung gibt es jedoch auch gute Nachrichten: So schlimm sich Panikattacken anfühlen, so einfach sind sie zu behandeln (im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen).

Wichtig dabei ist eine Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie). Dort lernst du mit einer Attacke umzugehen und gewinnst so dein Selbstvertrauen zurück.

Ab einer gewissen stärke der Panikstörungen werden allerdings auch Medikamente eingesetzt. Vor allem zwei Kategorien von Medikamenten:

  • Allen voran Antidepressiva der SSRI und SSNRI-Klasse. Diese helfen gegen Panikstörungen ironischerweise besser als gegen Depressionen. Bekannte Präparate sind z.B. Sertralin, Citalopram und Venlafaxin. Hier findest du eine Übersicht: http://deprimed.de/ssri-ssnri-sndri-nari/ . Antidepressiva müssen täglich eingenommen werden (also nicht nur bei Bedarf) und wirken nach ca. 4-5 Wochen stark angstlösend. Diese Medikamente machen nicht abhängig, doch sind besonders zu Beginn der Einnahme mit starken Nebenwirkungen verbunden.
  • Benzodiazepine wie z.B. Lorazepam (Tavor/Temesta) oder Alprazolam (Xanax/Xanor) nennt man auch Anxiolytika (also Angstlöser). Sie wirken bereits 20min nach der Einnahme hoch effektiv und können einfach bei Bedarf genommen werden. Sie sind die effektivsten Medikamente gegen Panikstörungen und bei akuten Zuständen einen Segen. Nebenwirkungen haben sie fast keine (ausg. Müdigkeit). Das Problem dieser Benzodiazepine ist, dass man aufpassen muss das der Segen nicht zum Fluch wird. Denn bei längerem und regelmässigem Konsum (nach ca. 4-8 Wochen) machen diese Medikamente stark abhängig. Sie sind also nur als Notfallmedikamente gedacht. Eine kurzzeitige Einnahme unter ärztlicher aufsicht ist hingegen kein Problem.

Ich wiederhole noch einmal, Medikamente sind dann angebracht, wenn die Beschwerden sehr stark sind. Eine Psychotherapie hingegen ist egal wie stark die Beschwerden sind absolut nötig.

Wenn du dich in meinen Zeilen wieder erkennst, dann gehe unbedingt zu einem Arzt, am besten zu einem Facharzt für Psychiatrie (Psychiater). Du kannst dich auch zunächst an deinen Hausarzt wenden, der dich anschliessend überweist. Doch mach es schnell, denn meiner Erfahrung nach sind diese Zustände unaushaltbar.

Noch kurz zu mir: Ich hatte mit 17 meine erste Panikattacke. Wie bereits hatte ich das Gefühl zu sterben bzw. einen Herzinfarkt zu haben, zu ersticken oder durch zu drehen. Nach der ersten Attacke hatte ich 3 Tage Ruhe, bis die nächste Welle kam. Ich ging die Wände hoch. So etwas schlimmes hatte ich noch nie erlebt. Ich ging notfallmässig in ein Spital, wo man mich durchcheckte aber nichts fand. Als immer neue Attacken kamen ging ich zum Hausarzt, welcher mich an einen Psychiater überwies.

Der Psychiater sagte mir, dass es gute Medikamente dagegen gebe, aber zeigte mir auch die Probleme der Medikamente auf. Ich hatte also die Wahl zwischen Psychopharmaka und einer Psychotherapie. Natürlich war ich gegen Medikamente, ich wollte doch meinen Kopf nicht mit Psychopharmaka zuballern.

Ich versuchte es also erst mal ohne, lernte autogenes Trainig, Entspannungs- und Atemübungen. Das Ganze kam mir aber wie eine Feuerwehrübung vor, ich war in einem solchen inneren Spannungszustand, dass mir diese Übungen überhaupt nicht halfen. Mich verriss es innerlich fast. Daneben machte ich eine Psychotherapie. Diese war sehr gut, doch half auch nicht weiter, im Moment zumindest. Alls die Attacken immer wieder kamen war ich so verzweifelt, dass ich zum Arzt ging und eingestand, dass ich es einfach nicht mehr aushalte. Der Arzt verodnete mir Sertralin (ein Antidepressivum der SSRI-Klasse) und Lorazepam (ein Benzodiazepin).

Ich hatte höllische Angst von Lorazepam (Tavor/Temesta) abhängig zu werden, also nahm ich es rückblickend viel zu selten und quälte mich somit selbst. Am Anfang waren die Antidepressiva (Sertralin) die Hölle. Ich hatte nur Nebenwirkungen und meine Angststörung wurde noch schlimmer. Der Psychiater sagte, dass dies in den ersten Wochen vorkommen könne (also das die Angst noch schlimmer wird), doch ich müsse Geduld haben bis die Wirkung (nach ca. 4-5 Wochen) einsetze.

Ich war nun endgültig am A***, als ich definitiv nicht mehr konnte, nahm ich dann halt trotzdem Lorazepam. Ein Segen wenn man es nicht zuviel nimmt. Nach ca. 3 Wochen liessen die Nebenwirkungen langsam nach (Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen) und die Wirkung setzte langsam ein. Nach ca. 5 Wochen war die ganze Wirkung da und ich hatte keine Panikattacken mehr.

Meine Psychotherapie machte ich weiter. Nach zwei Jahren intensiver Psychotherapie begann diese zu wirken und ich konnte die Medikamentendosis langsam reduzieren.

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Kommentar von LeaAnime
07.02.2017, 21:24

Erstmal vielen lieben dank für deine Antwort! Die war sehr hilfreich und es gibt mir auch das Gefühl, nicht die einzige zu sein mit den problemen:) Dauert eine Therapie wirklich so lange? Also ich weiß, es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, aber ich bin in der 10 Klasse und kann mir so eine lange Therapie eigentlich nicht erlauben:) Ich war gestern  in der Kinderklinik, da ich ein Vorgespräch hatte. Ich war ein wenig enttäuscht als sie sagten, das wir erstmal Vorgespräche brauchen, bevor ich überhaupt behandelt werde. Bei mir ist es nähmlich so, das man nicht weiß, was die Panikstörung ausgelöst hat. Jetzt müssen die erstmal eine Diagnostik machen... Ich hoffe, es war jetzt in Ordnung, dir ein wenig zu Erzählen^^ Noch einen schönen Abend!:)

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Können wir dir leider nicht weiter Helfen sind auch keine Ärzte :/ . Aber hört sich echt komisch an . Trinkst du Alkohol ? Booster ? Energie Drink ? Irgendetwas was dich schaden könnte . Ein Bekannter von uns hat mal 3 Flaschen  booster getrunken und er fiel auch plötzlich um und nahm die Umgebung nicht war und das ging 1-2 Wochen so bis heraus kam das er dieses Zeug nicht ab kann . Oder durch psychische Probleme , auch durch Angstgefühle lies mal Berichte über diese Symptome vielleicht Erfährst  du   Mehr darüber !

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Kommentar von LeaAnime
02.02.2017, 16:10

Danke für deine Antwort! Nein, Energie habe ich da nicht zu mir genommen:-)

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