Otaku: Auf japanisch negativ?

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Otaku bedeutet ist ursprünglich eine höfliche Bezeichnung für jemandes Haus. Also wenn ich beispielsweise sagen wollte "Ihr Haus ist aber schön", würde man im höflichen japanisch "otaku" verwenden.

Nun gab es ca. in den 80er Jahren junge technikbegeistere Japaner, die nicht das soziale Feingefühl hatten, um die komplizierte Höflichkeitssprache des japanischen zu benutzen (es ist viel komplizierter als nur "du" oder "Sie" wie im deutschen). Stattdessen haben die dann einfach immer "otaku" als Personalpronomen für die Anrede benutzt. Aus dieser Marotte wurde dann schließlich eine Bezeichnung für diese Leute. Dabei bezeichnet Otaku einfach nur eine Person, die irgendein Hobby sehr ausgiebig, oder fast schon obsessiv, betreibt. Es gibt also nicht nur Anime/Manga-Otakus, sondern auch Eisenbahn-, Militär- und Angelotakus.

Der Otaku-Begriff hat seit seiner Entstehung eine sehr interessante Bedeutungswandlung erfahren. Anfangs wurde er mit Verwunderung für technisch versierte junge Japaner verwendet, dann aber wegen des bereits angesprochenen "Otaku-Mörders" sehr negativ konnotiert. Die angebliche Videosammlung voller Schmuddelfilme und Horror/Slasher-Filmen des Mörders soll angeblich nur von Reportern "inszeniert" worden sein. Man hat vermutlich ähnlich wie bei der Killerspiel Debatte in Deutschland einen Sündenbock gesucht.

Durch den Boom der japanischen Populärkultur, welche größtenteils die Kultur der Otakus ist, d.h. Anime, Manga, Videospiele usw., wurde die Bezeichnung als Otaku langsam wieder etwas positiver gesehen. Selbst die japanische Regierung versucht dieses Image vom "Cool Japan" im Ausland zu propagieren und zu verbreiten.

Tatsache ist aber auch, dass Otakus immer noch etwas Negatives anhaftet. Sie werden tendenziell eher als seltsam oder freakig betrachtet und jemanden als Otaku zu bezeichnen, oder so bezeichnet zu werden, ist nicht gerade ein Lob. Im Westen hingegen, also bspw. Deutschland, bezeichnen sich einige Enthusiasten mit Stolz als Otaku, kehren also den eigentlich eher negativen Begriff ins Positive um. Nur solltest du dich in Japan nicht unbedingt so präsentieren. ;)

Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass eine japanische Serie zu dem Thema Otaku gibt, die da heißt "densha otoko". Solltest du mal die Chance haben die mit Untertiteln zu sehen, würde ich die dir wärmstens empfehlen. Densha Otoko ist zwar etwas übertrieben in der Darstellung der Otakus, aber trotzdem interessant, um zu sehen, wie in Japan Otakus von den "normalen" Leuten gesehen werden.

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Ok, danke :)

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Der Begriff des "Otaku" wurde durch einen Serienmörder mit dem Namen Tsutomu Miyazaki negativ geprägt und führte zum zweifelhaften Bild des Otaku.

Er hatte nicht nur Mädchen missbraucht und umgebracht, sondern auch eine gigantische Videosammlung und zeichnete eigene Werke, so dass die Medien ihn zum "Otaku-Killer" stempelten.

Dieser Zusammenhang - "extremer Fan = Serienkiller", machte dann das schlechte Image praktisch perfekt.

Vorher waren sie nur als "nicht normal sozialisiert" aber harmlos wahrgenommen worden.

So ähnlich negativ wie z.B. "Gartenzwerg-Enthusiast".

http://de.wikipedia.org/wiki/Otaku

BTW die Japanisch-Enthusiasten werden Dir sicherlich nachher die Semantik aufdröseln.

Otaku ist schon japanisch und bedeutet soetwas wie "Nerd", "Geek", "Fan" etc. Dass der Begriff negativ ist, ist mir neu, da sich die Anime- sowie Mangafans damit bezeichnen. (Ich auch.)

Otaku ist vergleichbar mit "Nerd" bei uns, und wohl ähnlich negativ behaftet wie bei uns.

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