Orpheus und Eurydike vielleicht wahr?

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4 Antworten

Orpheus ist eine Figur der griechischen Mythologie. Er ist ein mythischer Sänger thrakischer Herkunft.

Wahres kann statt in tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen eher im Allgemeinen gesucht werden, für das der Mythos steht, die Macht und bezaubernde Kraft von Musik und Gesang, die innerlich und äußerlich in Bewegung setzt, in eine Stimmung versetzt, die Seele berührt. In der Geschichte mit Eurydike steckt etwas über die Liebe und die tiefe Verbundenheit, die sie bedeuten kann, einer Sehnsucht nach ihrem Fortbestehen und der Trauer über Verlust.

Antike Autoren erzählen oft von Orpheus wie von einer realen historischen Person. Einen Nachweis einer wahren Begebenheit als Grundlage erbringen sie nicht. Aristoteles lehrte, wie Marcus Tullius Cicero. De natura deorum 1, 107 mitteilt, einen Poeten Orpheus habe es niemals gegeben.

Vgl. zu der Frage einer realen Person:

Otto Gruppe, Orpheus. In: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Herausgegeben von Wilhelm Heinrich Roscher. Band 3, Abteilung 1: Nabaiothes - Pasicharea: Teubner, 1897 – 1912, Spalte 1058 – 1062

Es hat die religiöse Richtung der Orphik gegeben, die sich auf Orpheus als Urheber ihrer Lehren und Autor wichtiger Schriften berief.

Überlegt werden kann bei dem Orpheusmythos, ob Erscheinungen einer sehr frühen Zeit in Spuren enthalten sind, die Ähnlichkeiten zum Schamanismus hatten. Das Hinabegeben in die Unterwelt könnte dann als ekstatische Jenseitsreise gedeutet werden. Heilkunst, Liebe zur Musik und zu den Tieren, Zaubermittel und Wahrsagekraft wären Parallelen.

DNP-Gruppe Kiel, Orpheus. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 9: Or - Poi. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 55 – 56:

„O.'s Rolle als Seher, Arzt und Zauberer und der Inhalt der frühesten orphischen Texte (→ Orphik) legen die Existenz eines realen historischen Vorbilds, vielleicht eines thrakischen »Schamanen«, nahe. Zeitlich lassen sich auch diese Texte über schriftliche Bezüge zu Pythagoras und seine Anhänger im 6. Jh. v. Chr. datieren. u. a. mit Hilfe des Papyrus von Derveni (PDerveni) läßt sich für diese Zeit die Existenz von Schriften belegen, die O. zum Kulturführer und Begründer von→ Mysterien machen, deren Glaubensinhalte auffällige Parallelen zu denen der Pythagoreer (→ Pythagoreische Sekte) aufweisen (laut Ion von Chios stammen sogar verschiedenen orphische Texte von Pythagoras: Ion, Triagmoi, 36 b 2 DK). Daneben spielt O. in bakchischen → Dionysia eine wichtige Rolle als Prophet und Gründer des Kultes (Vgl. etwa die Funde aus Olbia).“

O.= Orpheus

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ingenious 19.04.2013, 15:01

Wow. Sind sie Geschichtsprofessor oder so? Vielen Dank für diese Mühe. Freut mich. Hat mir sehr geholfen

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Sagen haben immer Kerne von Wahrheit. Diese Wahrheit ist aber nicht einfach wörtlich abzulesen. Es geht hier um die Musik und ihre Kraft das Gemüt zu bewegen...

Sicher wird es in der Bronzezeit geniale Sänger gegeben haben, die durch die Lande zogen...

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Mehr Liebe und mehr Tragik geht doch kaum als in dieser (natürlich fiktiven) Geschichte.
Und das noch mit Musik...

Der Stoff ist doch mindestens so stark wie die Geschichte von Romeo & Julia.

Gruß, earnest

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Diese "Frau-aus-der-Unterwelt-holen"-Sache wird wohl kaum in der Realität passiert sein...

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