Oper Carmen? Opernart?

1 Antwort

Carmen ist eine der populärsten Opern überhaupt. Sie ist extrem erfolgreich - etwa so wie La Traviata, Die Zauberflöte und La Bohème. D.h., sie als "französische Nationaloper" zu bezeichnen, wäre schon limitierend - dieses Stück ist wirklich allgemeingültiges Kulturgut - übrigens mit einer wenig bekannten Verlinkung zum Lied "La Paloma", welches auch so eine Art universelle Freiheitshymne ist. Opernlibretti und Handlungen sind im Kern meistens relativ einfach (Tenor liebt Sopran, Bariton stört. Happy oder unhappy end), da die Musik klare Handlungseffekte braucht, um ihr wirkungsvolle Höhepunkte aufsetzen zu können. Da hat gedanklich zu fein Gesponnenes, wie im Sprechtheater, keine Wirkung. Für den "Showeffekt", besonders in Frankreich, unerlässlich - das Ballett. Dass die Carmen mal ein solcher "Hit" wird, wusste man am Anfang natürlich nicht (Bizet, ihr Komponist, hat davon nicht mehr viel gehabt, da er jung starb). Was heisst Nationaloper? Wenn man das aufs Politische, Revolutionäre münzen will, kann man Verdis Nabucco als solche bezeichnen ("Va, pensiore" ist auch heute die italienische Nationalhymne). Opern mit Handlungen also, wo es um Unterdrückung und Selbstbefreiung des Volkes geht - also eine Art Befeuerung, auf die herrschenden politischen Umstände zu reagieren. "Die Sizilianische Vesper", ebenfalls von Verdi, gehört auch in diese Kategorie (damals war Italien von Oesterreich besetzt). Unpolitisch ausgedrückt, würde ich unter Nationaloper einfach die populärste eines Landes verstehen. Z.B. "Rusalka" von Antonin Dvorák, der inhaltlich ein Sage zugrundeliegt, die mit Romantik und Gefühl bedeutend mehr zu tun hat als mit Politik, kann man als die tschechische Nationaloper bezeichnen. In Deutschland vielleicht den "Freischütz", aber hier das Wort keinen guten Klang (Stichworte: Wagner, 3. Reich, Missdeutung/ Missbrauch des alten Kulturgutes wie Mythen und Sagen). Ich glaube, generell passt dieser Begriff nicht mehr so recht in die heutige Zeit. Nicht uninteressant wäre auch das Beispiel "Guillame Tell" (Wilhelm Tell) von Rossini. Inhaltlich wäre sie perfekt geeignet, die Schweizerische Nationaloper zu sein - ist sie aber nicht, da diese Grand Opéra erstens relativ selten gespielt wird und zweitens mit der Grossen Oper in Paris (obwohl von einem Italiener komponiert) mehr zu tun hat, als mit Irgendwas, was typisch für schweizerische kulturelle Eigenart wäre. Um nochmals auf die Carmen zurückzukommen, ist es bemerkenswert, dass sowohl sie, als auch die andere, mindestens so "nationale" französische Oper "Faust" (oder "Margarethe") von Gounod, keine französischen Themen oder Panoramen aufweist. Viele meinen sogar, Carmen sei eine spanische Oper und dass sich in Frankreich ausgerechnet "Faust", wenngleich auf die operngerechte Gretchengeschichte reduziert (und selbstverständlich auf französich gesungen, auf diesem Nebenweg wäre vielleicht noch "Fausts Verdammnis" von Hector Berlioz zu nennen, die wie ein Echo auf die "Margarethe" wirkt), damals wie heute einer so enormen Beliebtheit erfreut, ist schon bemerkenswert. Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.

Was möchtest Du wissen?