Oma kurz vor dem sterben oder nicht?

6 Antworten

RollercoasterXX, lass Dir bloß kein schlechtes Gewissen einreden von marenka111!

Ich verstehe die Botschaft von marenka 111 sehr wohl. Allein, so einfach ist das nun einmal nicht. Wenn ein Mensch – aus welchen tragischen Gründen auch immer – ein Leben lang ständig nur Ersatzbotschaften aussendet, statt über seine Gefühle zu sprechen (das ist heute ja noch nicht üblich und war in der Generation Deiner Oma überwiegend einfach verpöhnt), dann ist das – jawohl (!) – sehr traurig. Aber am Ende ist das Resultat, wenn dieser Mensch ständig Botschaften aussendet, die ohne Wahrheitsgehalt zu sein scheinen: Unglaubwürdigkeit. Und wenn ein Mensch aus seiner Art heraus andere Menschen vergrault, um die fehlende Aufmerksamkeit zu erheischen, dann ist das Resultat, dass andere diesen Menschen eben lieber meiden und den Kontakt auf das notwendige Minimum hinunterfahren.

Es ist auch richtig, dass die eingebildeten Krankheiten für den betreffenden Menschen sehr real sind. Eine Revision ist erst dann nötig und auch möglich, wo ein Arzt keine Anhaltspunkte für eine Krankheit findet. Ein solches Urteil eines Arztes ist niemals der Weisheit letzter Schluss. Aber wenn es bei Deiner Oma dazu führt, dass die Krankheit verschwindet, dann handelt es sich ja auch um keine verschleierten Symptome (was es oft genug gibt!).

Die Wasseransammlungen in den Beinen müssen noch lange kein Endzeithinweis für Deine Oma sein! Wenn sie viel sitzt, dann ist das einfach schlecht für die Durchblutung der Beine. Vermutlich kann sie sich auch nicht mehr hinreichend bewegen. Der Hinweis eines Arztes, mehr zu trinken, ist schon eher ein Reflex als ein belastbares Diagnose-Ergebnis. Denn natürlich neigen gerade alte Menschen dazu, „zu wenig“ zu trinken. Aber allmählich schiebt sich für einen alten Menschen, der einen immer weiter abnehmenden kalorischen Grundumsatz hat, die Abwägung in den Vordergrund, genügend zu essen und wenig zu trinken – oder durch das bloße Trinken am Völlegefühl zu scheitern.

Ärzte, die Medikamente für alte Menschen verschreiben, nur weil sie ihnen die Aufmerksamkeit geben möchten, die diese Menschen subtil oder offen artikuliert vom Arzt einfordern, dann ist das von solchen Ärzten einfach verantwortungslos, wo eine Indikation fehlt. Verantwortungslos dem betreffenden Menschen gegenüber – und verantwortungslos der Solidargemeinschaft der Krankenversicherten gegenüber.

Die Wasseransammlungen in den Beinen könnt Ihr erst einmal mit handelüblichen Stützstrümpfen zu bekämpfen suchen. Die Stützkraft ist mäßig und deshalb möglicherweise nicht ausreichend. Dann müssen „richtige“ medizinische Stützstrümpfe her. Die Füße sollten möglichst wenig abgeknickt sein beim Sitzen (z.B. Fußbänkchen beim Essen, hohe Fußauflage beim Sitzen im Wohnzimmer, vor dem Fernseher o.ä.). Deine Oma kann sich angewöhnen, immer zwischendurch die Füße und Zehen zu bewegen, um die Durchblutung zu fördern. Die Stützstrümpfe sollten auch wirklich nur tagsüber getragen werden; nachts, im Liegen, bringen die nichts Gutes, weil sie natürlich auch den Blutzufluss beeinträchtigen: Im Liegen kommt das Herz nicht hinreichend dagegen an. – Ob bei der Benutzung handelsüblicher oder auch medizinischer Stützstrümpfe: Wenn sie bisher keine getragen hat, wird sie künftig über kalte Füße klagen. Das wird dann ihre Akzeptanz solcher Strümpfe und ihr Einsehen in die Notwendigkeit nicht eben fördern.

Falls Deine Oma bereits Stützstrümpfe trägt, so müssen andere Maßnahmen in den Vordergrund gerückt werden: Massagen, um in Richtung des Körpers die Entwässerung zu fördern; aktiv durch Deine Oma mehr Bewegung der Beine, vor allem der Unterschenkel und Füße.

Ich erlaube mir zu beurteilen, dass Du NICHT respektlos über Deine Oma geschrieben hast. Im Gegenteil finde ich eine sachliche Darstellung vor – und erkenne den Respekt schon darin, dass Dich Deine Oma innerlich beschäftigt und Du in der Lage bist, sachlich über sie zu schreiben, statt sie abzuurteilen. Du hast Dich hier nicht "erbrochen" über Deine Oma, sondern scheinst ernsthafte Antworten und helfende Hinweise zu suchen. Ad "marenka111": Die Sicht auf das eigene Leben oder das eigene Umfeld kann die Sicht auf andere auch schon mal verzerren. Ich verurteile hiermit umgekehrt marenka111 nicht, denn es lässt sich nicht erkennen oder gar beurteilen, weshalb marenka111 die Vernachlässigung Deiner Oma stärker in den Vordergrund rückt, als die Notwendigkeit auch für Deine Oma, sich in einem sozialen Kontext zu sehen und sich ihrerseits in diesen Kontext einzubringen.

Wenn ein Mensch, egal welchen Alters, dauernd nur über seine Wehwehchen reden kann, muss er sich nicht wundern, wenn man seine Gesellschaft meidet.

Ich bin 77, habe schwerwiegende Bandscheibenvorfälle, aber ich käme nie auf die Idee, mit einem anderen Menschen auch nur ein Wort über meine Schmerzen zu reden. Ich bin doch nicht auf dieser Welt, um andere Leute zu langweilen!!!

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@mychrissie

Es langweilt nicht, wenn Menschen über ihre Krankheiten, ihre Schmerzen und vor allem ihren persönlichen Umgang damit sprechen. Das bietet ja nicht nur mal den einen oder anderen Tipp und Hinweis, wie jemand mit ähnlichen Problemen umgehen könnte. Sondern es macht auch verständlich, weshalb ein Mensch dieses oder jenes so und nicht anders angeht oder bestimmte Dinge oder Handlungen meidet… (usw.)

Es „langweilt“ also, wenn Menschen (und vllt statistisch eher alte Menschen) NUR noch über Krankheiten reden. Und wenn alte Menschen sich NUR noch beklagen – über was auch immer. Aber: Auf Dauer nervt jeder, der nur noch ein langes Gesicht zieht und nur noch auf sich selbst schaut. In jedem Alter.

Ad Rücken: Meine Tante (also: eine von denen) hatte aufgrund Osteoporose einen EXTREMEN Rundrücken. Ich habe sie, als ich mich 24/7 um sie kümmerte, annimiert, ihre Schmerzen auszusprechen – weil ich dann gezielt (mit meinen Händen) darauf eingehen konnte, ohne dass sie sinnlos Tabletten futterte, die am Ende doch nicht wirklich halfen. Was ich für meine Tante tun konnte, half natürlich auch nicht. Aber immerhin für ein paar Stunden! Darum ging es MIR: Wieder ein paar Momente ohne und einige Stunden mit weniger Schmerz – und trotzdem radikal weniger von verdammten Schmerzmitteln, die den Dusel ins Hirn brachten, aber gar keine echte Schmerzlinderung da, wo die Wirbel sie an die Decke trieben. Und weniger von Schmerzmitteln, die nicht die Sinne trübten, aber auch gegen den Schmerz nicht halfen: Die gingen ja de facto nur vom Munde durch und schließlich ins Abwasser.

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Hallo,

es gibt natürlich extrem böse Menschen, das ist einfach so und das auch in der Familie, meist ja die Schwiegermütter - die werden mich jetzt gleich steinigen!

Du sprichst zwar schon etwas respektlos von Deiner Oma, aber ich glaube, nur so kannst Du verdeutlichen, was Du meinst und wenn Deine Oma eben so böse ist, bist Du halt sehr ehrlich und es macht Dir sicherlich auch sehr zu schaffen.

Wie Du schon schreibst, Deine Oma möchte unbedingt Aufmerksamkeit und da sie merkt, das sie niemand mehr ernst nimmt, lässt sie sich immer wieder was neues einfallen. Sie möchte, das man sich Sorgen um sie macht.

Anscheinend ist ihr langweilig oder sie fühlt sich vernachlässigt und ist auch deshalb vom Charakter her nicht wirklich einfach bzw. wird das immer schlimmer.

Ich weiß nicht, in wie weit Du mit ihr reden kannst, aber sonst würde ich mal probieren, das Du ihr vorschlägst, das Ihr mal irgendwo einen Ausflug macht, Du aber als Bedingung stellst, das Du kein Wort über irgendwelche Krankheiten oder Wehwehchen hören willst, sonst wirst Du mit ihr so was nicht wieder machen. Sie soll einfach dieses, mal was anderes sehen, genießen.

Wenn sie das nicht will, versorg sie mal mit Rätselheften usw., alles was nichts mit Krankheiten o,.ä. zu tun hat, das sie abgelenkt wird.

Wenn sie wieder über Schmerzen klagt, fahr sie trotzdem zum Arzt, weil wenn sie dann mal wirklich eine Krankheit hat, dann machst Du Dir bloß Vorwürfe, das Du sie nicht ernst genommen hast.

Weißt Du - bloß kurz am Rande - ich kenn das von meiner Schwiegermutter. Die ist auch immer krank, alles schmerzt, ist oft sehr grantig usw., aber wenn wir zusammen zum Frühstücken gehen oder mal einen Ausflug machen, wir sie besuchen usw., dann sind alle Schmerzen vergessen und sie ist auch guter Laune.

Freilich ist das bei Dir jetzt viel krasser. Kann es denn auch sein, das sie Angst hat vorm Sterben? Einfach nicht glauben kann, das ihr nichts fehlt.

Nur immer zu allem Ja und Amen sagen und eine gute Miene machen, das ist auch nicht richtig, weil irgendwann platzt die Bombe und dann aber richtig und das sollte auch vermieden werden.

Vielleicht würde es auch helfen mal Klartext zu reden. Das sie sich nicht wundern braucht, das sie keiner mehr ernst nimmt usw., sie ihr Leben doch geniesen soll. Sie froh sein soll, das sie keine Krankheit hat. Keiner  zusammen sein mit ihr möchte, da es belastend ist, immer nur von Krankheiten zu hören und auch, wie sie sich charakterlich verändert hat.

Wenn sie dies nicht zum Nachdenken anregt, dann hat alles keinen Sinn, dann versuch zu ignorieren, wenn sie wieder jammert , fahr sie einfach zum Arzt, aber geh auf nichts ein, was sie über Krankheiten usw. sagt. Wie, wenn Du es nicht gehört hast.

Was der Arzt gesagt hat, würde ich mit diesem persönlich besprechen oder anrufen, aber so, das Oma das nicht mitbekommt.

Wenn nämlich niemand mehr auf ein Stöhnen oder Jammern reagiert, wird dies für Deine Oma ganz schön anstrengend auf die Dauer und sie sucht evtl. nach anderen Gesprächsthemen. Ich würde es Dir sehr wünschen.

Ob die jetzigen Beschwerden bei Deiner Oma schlimmer sind als sonst, ob sie wirklich krank ist oder sie jetzt noch mehr übertreibt, weil sie merkt, das die "normale" Tour nicht mehr wirkt, kann ich Dir leider nicht sagen.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, lass es sie nicht merken durch vieles fragen, sondern sag dann nur, ich fahr Dich zum Arzt und der Rest so, wie oben geschrieben.

Liebe Grüsse , ich wünsch Dir viel Kraft, denn wie alt Deine Oma wird, steht in den Sternen.

Ich kenne jede Menge Menschen, die so sind. Meine Schwiegermutter hat schon in jungen Jahren immer gesagt, sie würde früh sterben und ist 92 geworden. Nicht nur junge Leute können um Aufmerksamkeit buhlen, auch ältere, gerade alleinstehende Personen tun das gern.

Und sei doch mal ehrlich: Was sollen so alte Leute noch erzählen? Für sie spielt sich das Leben meistens in den eigenen 4 Wänden, allein mit ihren Krankheiten ab. Man ist auf die eigene Person und den eigenen Körper reduziert, hat ganz viel Zeit, und wer viel über sich nachdenkt, findet auch immer etwas an sich, was "nicht normal" ist.

Das hat sicher nichts mit dem Charakter zu tun. Es gibt nicht nur "Omas", die ihre Enkelkinder und Sprößlinge vergöttern und Tränen in den Augen haben, wenn sie sie sehen, es gibt auch jede Menge, denen der Nachwuchs herzlich egal ist. So ist das Leben.

Dicke Beine kommen in den Alter häufiger vor, die mangelnde Bewegung, vielleicht ist das Herz nicht mehr so topfit. Aber bedenke bitte: Die Oma ist eine "Eintagsfliege". Das klingt brutal, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn Du jetzt ein bißchen maulst, was ich vollkommen verstehen kann, würdest Du Dir Vorwürfe machen, wenn Du nicht mit ihr zum Arzt gehen würdest.

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