Oktober Revolution

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1 Antwort

Für die Oktoberrevolution ist entscheidend, dass es faktisch eine "kleine Nachrevolution" war. Die Februarrevolution hat schon den Zaren zur Abdankung gezwungen und eine Provisorische Regierung wurde gebildet. Diese wurde von Bolschewiki nochmal weggeputscht im Oktober. Es sind die sieger, sprich Bolschewiki, die diesen Umsturz als Revolution bezeichnet haben. D.h. das Land befand sich zu der Zeit bereits in einer nachrevölutionären Phase mit viel Chaos und Machtlöchern vor Ort, da die zentrale Macht alles andere als mächtig war.

Wirtschaftlich und stimmungstechnisch war das Land absolut kriegsmüde in allen Gesellschaftsschichten. Das haben Bolschewiki geschickt ausgenutzt mitsamt der Unentschlossenheit der Provisorischen Regierung. Bolschewiki haben sehr kurze, klare aber eben auch populistische Parolen angeboten:"Land den Bauern. Friede den Völkern. Fabriken den Arbeitern. Alle Macht den Räten.". Damit haben sie natürlich schnell und unkompliziert Anhänger gewonnen. Wenn man die reelen Ergebnisse und Absichten erkennen will kann man sich die ersten Dekrte der Sowjetmacht ansehen.

1.Dekret vom Frieden(gleich als Nr.1). Damit treffen sie den Nerv des kriegsgebeutelten Landes. Darin wird von einem sofortigen Friedensschluss mit allen Genern gesprochen "ohne Annexionen und Kontributionen"(sprich Reparationen. Diesen Spruch hat auch der letzte Bauer rezitiert in den Tagen auch ohne die Bedeutung zu verstehen. Im Endeffekt war das eine Lüge. Der Separatfrieden mit Deutschland von Brest-Litowsk bedeutete seht wohl Annexionen durch Deutschland und Reparationstzahlungen an Deutschland(kein Wunder wenn man bedenkt, dass Deutschland Lenin in seinem Umsturzbestreben unterstützt hatte). Aber das musst das Volk schon schlucken. So handeln die Politiker heute immer noch.

2.Dekret vom Boden. Faktisch legalisierte dieser die meist gewaltsam verlaufende Enteigung der Grundbesitzer. Gerade die ärmere Landbevölkerung konnte ihren Hass und Neid in brutalen Lynchaktionen gegen die Grossgrundbesitzer ausleben.

3.Dekret von der Bildung der Sowjetregierung. Konstitutionalisierung der Machtübernahme durch Bolschewiki.

4.Beschluss vom Verbot der Todesstrafe an der Front. Ein klar populistischer Zug um die Soldaten zu gewinnen. Faktisch endete es auch in brutaler Lynchjustiz der Soldaten gegen die Offiziere.

5.Beschluss über die Verhaftung der Mitglieder der Provisorischen Regierung.

6.Beschluss über die Bekämpfung der Pogrome. Hier wird die Bedeutung der jüdischen Beteiligung and der Revolution deutlich. Die schlechte wirtschaftliche Lage haben ein Paar dumme, anders kann man es nicht ausdrücken, Mitglieder der Zarenfamilie und andere hohe Beamte der Zarenreichs versucht zu "überspielen" indem man den Unmut der Bevölkerung gegen die Juden richtete. Es gab tatsächlich eine Welle von Pogromen mit Zustimmung oder gar Beteiligung der Regierung. Es haben sog. "Schwarze Hundertschaften" vor allem in der Ukraine gewütet. Die unterdrückte Lage der Juden führte viele von ihnen auf die Seite der Bolschewiki, viele waren in der Führungsriege vertreten. Daher ist nicht verwunderlich, dass eines der ersten Beschlüsse dem Antisemitismus den Kampf ansagt.

Faktisch wurde die Oktoberrevolution von einer recht überschaubaren Gruppe von Leuten durchgeführt. Die Führung der Bolschewiki mit Lenin an der Spitze, gestützt auf Kommisare, die seitder Februarrevolution eigtl. offen aktiv waren bei den Truppen und davor im Verborgenen eben. Einige treue Regimenter, vor allem die Lettischen Schützenregimenter.

Damit gelang ihnen die Macht im Machtzentrum Petrograd zu sichern. Danach haben sie sehr energisch ihre Macht von dort ausgedehnt. Die lettischen Schützen wurden zum Kern der zukünftigen Roten Armee(Das vergessen gerne die heutigen russophoben Letten). Der Geheimdienst TscheKa wurde gegründet(wieder von Vertretern der unterdrückten Völker des Zarenreichs hauptsächlich). Vertreter der Bolschewiki in den Regionen versuchten die Macht an sich zu reissen. Mit immer mehr Erfolg. Also darf man nicht verkennen, dass die Bolschewiki tatsächlich Unterstützung bei den Massen fanden(auch wenn wie gesagt oft mit plumper, populistischer Rhetorik). Regional blieb die Lage aber noch lange Zeit unübersichtlich. Es gab immer wieder Aufstände und Gegenaufstände, einfach maraudierende Banden. Diese Uneinigkeit hatte auch den Bürgerkrieg zur Folge.

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