Ohne Kommata und "und"?

4 Antworten

Nummer 4 ist die einzige Variante, die einen erfahrenen Lektor wie mich nicht schmerzhaft zusammenzucken lässt.

Begründung:

  1. Eine arrogante, "weiße" und offensichtlich "nichtskönnerische" Elite
  • Richtig, wenn das erste Komma wegfällt.

Hier wird abgestuft und damit umarmend argumentiert:

Die Rede ist nicht von einer Elite, die gleichsam, also als reine Aufzählung

  1. arrogant
  2. weiß
  3. offensichtlich "nichtskönnerisch"

ist.

Vielmehr möchte der Autor offensichtlich eine

arrogante "weiße" Elite deshalb geißeln,

weil sie nichts kann.

Dann wäre ein Komma zwischen arrogante und "weiße" falsch.

Gruß aus Berlin, Gerd

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Journalist, Buchautor, Dichter, wissenschaftlicher Lektor

Du scheinst sehr schmerzempfindlich zu sein. Mich jedenfalls lassen Nr. 1 und Nr. 2 (Aufzählungen) NICHT schmerzhaft zusammenzucken.

Aber ich bin auch kein erfahrener Lektor.

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Vielen Dank für den Beitrag! :-) Verstehe ich dann richtig? Wenn ich keine Kommata setze, bezieht sich all das auf diese eine Elite und wenn ich die Kommata bzw. hierbei das Komma setze, sind das verschiedene Eliten?

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@prettyallision

Nein, darum geht es nicht. In diesem Fall zeigt das Komma an, dass es sich um eine Aufzählung handelt, hier um eine Aufzählung von Adjektiven. Wenn man ein "und" verwenden könnte, ist es eine Aufzählung: "Das Auto war vierrädrig und viereckig und dieselbetrieben". Hier ersetzt man die "und"s meist bis auf das letzte durch ein Komma: "Das Auto war vierrädrig, viereckig und dieselbetrieben". Oder man gesellt die Adjektive zum Hauptwort: "Das vierrädrige und viereckige und dieselbetriebene Auto fuhr fort." = "Das vierrädrige, viereckige und dieselbetriebene Auto fuhr fort."

Wenn wir aber nichts aufzählen wollen, sondern einen festen Ausdruck oder ein schon bekanntes Objekt - wie etwa ein dieselbetriebenes Auto - näher charekterisieren wollen, kommt kein "und" und auch kein Komma zwischen zwei Adjektive:

"Das vierrädrige dieselbetriebene Auto ist sicherer als das dreirädrige dieselbetriebene Auto."

Denn dann hörte es sich blöd an, wenn es hieße:

"Das vierrädrige und dieselbetriebene Auto ist sicherer als das dreirädrige und dieselbetriebene Auto."

Und genauso entsprechend komisch wirkte:

"Das vierrädrige, dieselbetriebene Auto ist sicherer als das dreirädrige, dieselbetriebene Auto."

Anders hört es sich an, wenn beide Eigenschaften gleichwertig sind, also zum Beispiel beide neu sind:

"Wir schauen uns mal den neuen Ford an. Das vierrädrige, dieselbetriebene Auto ist sicherer als das Vorgängermodell."

Ich hoffe, meine Beispiele waren gut genug ausgedacht, um den Unterschied zwischen einer reinen Auzählung gleichwertiger Eigenschaften und einer anders wertigen Eingeschaft - etwa einer neu hinzugekommenen Eigenschaft - zu verdeutlichen.

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Für mich sind 1, 2 und 4 akzeptabel.

Gruß, earnest

Hier hast du eine Aufzählung, also 1. oder 2.

Vielen lieben Dank! :-) Ist "nichtskönnerisch" Neologismus, der in Ordnung ist?

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@prettyallision

Das ist kein Neologismus, dem Wort bin ich schon ein paar Mal begegnet. Ist also schon in Ordnung.

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@prettyallision

Man kann das normativ so sehen, setzt aber voraus, ,dass Duden als einzige Instanz betrachtet wird, was viele nicht mehr tun.

Ich würde eher sagen, wenn es im Duden steht, ist es offiziell lexikalisiert, aber Wörter können auch ein Leben ohne Duden haben:

"Leider habe ich keine ordentlichen Fotos von den Siegerinnen. Ich habe zwar welche, aber die sind von mir so nichtskönnerisch an anderer Stelle fotografiert worden, dass ich lieber darauf verzichte, sie hier zu präsentieren."

"Sie war sehr enttäuscht, als sie [...] dort mit den Doktorenkindern allein war, die sie zumeist albern und nichtskönnerisch fand."

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@prettyallision

Meinst du den Grammatik-Band? Den find ich sehr unübersichtlich und kaum brauchbar.

Viel besser ist

Harald Weinrich, Textgrammatik der deutschen Sprache (Olms)

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