Öffentliche Opfergaben in Rom

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Offenbar sind die Rituale in der polytheistischen Religion der antiken Römer gemeint.

Die öffentliche Opferzeremonie war von der privaten sehr unterschieden. Die sie Zelebrierenden waren andere und die Mittel gewöhnlich aufwändiger.

Hauptsächliche Momente waren 1) Praefatio (Vorrede/Vorformel/Eingangsworte als ein feierliches Gebet/Voropfer; der Opfernde brachte, nachdem die Zeremonie am Altar angelangt war, Weihrauch und Wein auf einem tragbaren, runden Herd dar, was ein beknenn der Unsterblichkeit und Hoheit der Gottheiten darstellte und eine Beziehung zu ihnen eröffnete), 2) Darbringung (immolatio, actio) und 3) Opfermahl.

Eine Opfergabe wurde dem profanen Bereich entzogen und zu einem sacrum, d. h. zum Eigentum der Gottheit gemacht. Die Opferzeremonie war im wesentlichen die Bewirtung von Gottheiten mit einem Mahl, mit Verkündigung ihrer Unsterblichkeit und bedeutenden Macht während der Zeremonie.

Durch die Opfergabe sollte die Macht der Gottheit gemehrt werden (mactare = opfern, mehren).

Ein ritueller Fehler im Opferverlauf bedingte die Wiederholung des ganzen Rituals (instauratio). Ein Fehler konnte aber auch ignoriert oder ohne vollständige Wiederholung durch ein weiteres Opfer gesühnt werden (porca praecidanae) .

Bei offiziellen Opferhandlungen waren vor allem öffentlich Priester, die collegia und sodalitates (Priesterkollegien/Amtsgenossenschaften/religiöse Brüderschaften) zuständig, außerdem Magistrate/Beamte/Amtsträger/Amtsinhaber (magistratus).

In der römischen Kaiserzeit hatten die Herrscher hohe Priesterämter, waren z. B. pontifex maximus.

Ausführliche Beschreibungen zum Opfer stehen bei Dionysios von Halikarnassos, Ῥωμαϊκὴ Ἀρχαιολογία/Antiquitates Romanae/Römische Altertümer 7, 72, 15 – 18 und Arnobius 7, von ihrer eigenen (griechischen bzw. christlichen) Vorstellung geprägt.

Ausführliche Informationen enthalten die inschriftlichen Aufzeichnungen der Arvales fratres (‘Flurbrüder’, ein Kollegium von 12 Priestern).

Es gab bei einem Opfer (sacrificium) unterschiedlich Arten von Opfergaben. Genaue Angaben hinsichtlich der Opfergaben bewahrten die entsprechenden Priesterschaften (Marcus Tullius Cicero, De legibus 2, 19).

Opfergaben wurde von Gebeten nach streng vorgegebenen Formeln begleitet.

Die Opfer bestanden aus Speisen.

Weihgaben, eine besondere Art der Opfer, brachte man als Dank an eine Gottheit vor allem im Rahmen eines Gelübdes dar oder um etwas von Gottheiten zu erreichen bzw. ihren Zorn zu besänftigen.

Einige Gottheiten erhielten nur unblutige (z. B. Flora), viele sowohl blutige als auch unblutige Opfer (z. B. Ceres).

Unblutige Opfer waren: Erstlinge der Ernte (z. B. Früchte und Getreide), gesalzener Schrot (mola salsa), Trankopfer (Milch, Wein, Most), Wohlgerüche (durch Verbrennen bestimmter Pflanzen)

Blutige Opfer: Im öffentlichen/staatlichen Kult herrschten Tieropfer vor. Ausgewählt wurden vor allem Schweine, Schafe und Rinder, die bestimmten Bedingungen (Alter, Farbe, Geschlecht, körperliche Fehlerlosigkeit) entsprechen mußten. Eine Abfolge von Schwein, Schaf und Rind (bzw. frekel, Lamm, Kalb) hieß suovetaurilia.

Das Geschlecht des Opfertieres entsprach in der Regel dem Geschlecht der Gottheit, weiße/helle Tiere wurden den oberirdischen Göttern (dii superi), schwarze/dunkle den Göttern der Unterwelt (dii inferi) geopfert (kein ausnahmsloser Brauch), die Art der Tiere konnte aber nach der Art der Gottheit davon abweichen (z. B. ein roter Hund für Robigus, dem Gott, der den Getreidebrand abwehren sollte, lateinisch robigo = Rost, Getreidebrand.

Priester oder ein aedituus (Tempelhüter) von Tempeln organisierten die Dienste der Opferdiener (popae,victimarii), welche die eigentliche Tätigkeit vollzogen (die Priester oder Magistrate als Opferherren machten in der Regel nur symbolisch andeutende Gesten), und der Musikanten (tibicinae, fidicinae), die durch ihr Spiel etwaigen Lärm, der als schlechtes Omen galt, übertönen sollten.

Die Opfertiere wurden oft mit einem Stirnschmuck, einem über den Rücken gezogenen Band oder einer Decke (dorsuale, ein breites, buntgerändertes, in Fransen auslaufendes Tuch) und (weiße oder scharlachrote), vom Kopf herabhängende Wollbinden (infulae mit vittae) geschmückt.

Eine Opferprozession (pompa) führte zum Opferaltar, Opfer wurden in der Regel an einem Altar vor dem Tempel (Opferaltären) vollzogen, nicht im Inneren des Tempels/Heiligtums. Der Ort mußte auf jeden Fall geweiht, also sakralrechtlich als Opferstätte ausgewiesen sein (Gottheiten geweihte Orte = loca sacra).

Die Opfernden mußten rein bzw. zu Beginn des Opfers rituell gereinigt sein. Während des Opfers galt es, Stille zu wahren. Bei öffentlichen Opfern forderten Herolde mit den Worten favete linguis zum Stillschweigen auf. Auch das Opfertier wurde gereinigt, mit Wein oder gesalzenem Schrotmehl (mola salsa) bestreut. Nach Abnahme des Opfers (für einwandfrei befunden) wurde dem Opfertier ein Messer vom Kopf über den Rücken gezogen, wozu ein Gebet gesprochen und ein Trankopfer (libatio) durch den Opferherrn vollzogen wurde.

Der Opferdiener (popa) fragte: Soll ich zuschlagen? (Agone?) und betäubte das Opfertier mit einem Hammerschlag; darauf durchschnitt ein anderer Opferdiener (cultrarius) mit dem Opfermesser (culter) die Kehle des Opfertieres.

Auf die Tötung der Tiere erfolgte die Eingeweideschau. Falls diese nicht das erhoffte Ergebnis brachte, wurde ein Ersatzopfer (hostia succidanea) dargebracht.

Bestimmte Reste des Opfertieres (prosecta, exta: Leber, Lunge, Herz, Netz des Bauchfells) wurden der Gottheit auf verschiedene Weise dargereicht (und dann auf dem Altar verbrannt). Auch Teile des Fleisches wurden bisweilen geweiht, das restliche (gut genießbare) Fleisch dann von den Priestern und den übrigen Opferteilnehmern verspeist. Heiligtümer besaßen mitunter Speiseräume (cenacula) und Küchen, in denen das Fleisch gebraten und gekocht wurde. Bei besonders feierlichen Zeremonien, so bei den sogenannten Saecularfeiern, wurde das ganze Opfertier verbrannt (Holokaustopfer).

Schritte beim Ablauf:

Vorbereitung

  • Prüfung der Tiere auf Eignung (hostiam probare)

  • Schmücken der Tiere

Darbringung

  • Prozession zum Altar

  • Aufforderung zur Konzentration auf den Sakralakt mit age („bleibe bei der Sache“)

  • Aussprechen der Darbringungsformel (mit genauer Bezeichnung des der Gottheit gebotenen Opfers) der durch den Opferherrn (Bausch der Toga überd en Hinterkopf gezogen und so das Haupt bedeckt)

  • Reinigung der Hände mit Wasser aus einem fließenden Gewässer und Trocknen

  • Weihung des Opfertieres durch Schütten von gesalzenem Schrotmehl oder Wein über den Kopf des Tieres (immolare)

  • Losbinden des Tieres und Entfernen des Schmuckes

  • Ziehen eines Striches über den Rücken des Tieres vom Kopf bis zum Schwanz (wohl symbolischer Vollzug des Opfers)

  • Sprechen des Gebets (Formel für öffentliche Opfer hatte die Worte* populo Romano Quiritium* zu enthalten)

  • Schlachten des Tieres (rechts neben dem Tier stehender Opferdiener [popa] hebt Hammer oder Axt und fragt Agone?( „Soll ich das Opfer vollziehen?“) , auf bejahende Antwort (Age ! = „Tu es!“) schlägt er zu, Kopf des Tieres wird zu Boden gedrückt, daneben kniender Opferdiener [cultrarius] stößt Messer in Schlagader, daß das Blut hervorquillt)

  • Untersuchung des auf dem Rücken liegenden Tieres, Kontrolle der inneren Organe/Eingeweide auf Gesundheit (wenn etwas als nicht in Ordnung und das Opfer daher nicht als angenommen galt, mußte das Opfer bis zu einem günstigen Ergebnis wiederholt werden, bis zur Annahme [usque ad litationem])

Opfermahl

  • Darbietung der für die Gottheit bestimmten Teile auf dem Altar (meistens gekocht und abgekühlt) und Anzünden

  • anschließender Verzehr des Opfermahles (für Menschen bestimmter Anteil des Opfertieres) durch Opferteilnehmer (dem Grundsatz nach waren alle männlichen Teilnehmer der betreffenden Gemeinschaft zugelassen; in Frauenritualen wurde das Mahl von opfernden Frauen verzehrt)

Nachschlagewerke zur Antike und Darstellungen zur römischen Religion enthalten Informationen z. B. (für die Angaben herangezogen):

C. Robert III. Philipps, Opfer IV. Rom. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 6: Mer – Op. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 2000, Spalte 1246 – 1250

Robert Muth, Einführung in die griechische und römische Religion. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998, S. 290 – 309

Mary Beard, Römische Religion 2: Kaiserzeit. In: Einleitung in die lateinische Philologie. Herausgegeben von Fritz Graf. Stuttgart ; Leipzig : Teubner, 1997 (Einleitung in die Altertumswissenschaft). S. 483 - 485

Kurt Latte, Römische Religionsgeschichte. Unveränderter Nachdruck der 1967 erschienenen 2., unveränderten Auflage. München : Beck, 1992 (Handbuch der Altertumswissenschaft ; Abteilung 5, Teil 4), S. 375 - 393

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Es gab nicht nur blutige Tieropfer, sowie Opfer auch nicht nur bei öffentlichen, von Priestern durchgeführten, Zeremonien dargebracht wurden. Im Wesentlichen unterscheidet man Dank- und Sühneopfer. Anlässe waren etwa: Geburt, Hochzeit, Heilung von Krankheit, glückliche Reise, Rettung aus Gefahr, Erfüllung der Liebe, Schutz vor Unglück.

So war es üblich beim Abendessen den Göttern auf dem Hausaltar (Dank-)Opfer zu bringen indem man Speisen (Kräuter, Früchte, Honig, Wein, Kuchen) verbrannte, auch Salz war bei solchen Gelegenheiten ein übliches Opfer. Bauern opferten zum Dank die ersten geernteten Früchte. Bestimmte Götter forderten bestimmte Opfergaben, so Jupiter Dapalis vor der Aussaat Bratenstücke, Früchte und einen Krug Wein.

Bei blutigen Opfern wurde in der Regel ein einziges Tier geopfert. Die Qualität und Quantität der Opfertiere war aber abhängig vom Wohlstand des Opfernden (und davon was er von der Gottheit wollte). Möglich waren Ziegen, Hunde, Pferde, Hühner, Tauben. Die Hekatombe (100 Stiere) oder das bekannte Suovetauralia-Opfer (Stier, Schaf, Schwein) waren eher Ausnahmen die nur bei besonderen Anlässen dargebracht wurden. Der Stier war das teuerste und prestigeträchtigste Opfer, das Lamm wurde gerne genommen weil es "lammfromm" und brav zum Altar ging. Ein Opfer verlangte unbedingte Einhaltung der Vorschriften, Tiere die sich wehrten oder zu flüchten versuchten machten die Zeremonie ungültig und alles musste wiederholt werden. Der Rekord liegt bei zwanzig ungültigen Versuchen, überliefert von Plutarch. Auch mussten die Opfertiere makellos sein, den Himmelsgöttern opferte man vorzugsweise weiße Tiere, den Göttern der Unterwelt dunkle Tiere.

Die Opfertiere wurden geschmückt mit Kränzen und farbigen Bändern zum Altar geführt, dann gebot man der Gemeinde zu schweigen, manchmal wurden die Handlungen von Flötenspielern begleitet. Der Opfernde sprach nun vorgeschriebene Gebetsformeln (mit bedecktem Haupt), danach folgte eine rituelle Handwaschung. Anschließend wurden gesalzenes Mehl und Wein über das Tier geschüttet. Das Tier wurde nun seines Schmuckes entledigt und der Opfernde zog mit dem Opfermesser einen symbolischen Strich vom Kopf bis zum Schwanz. Es folgte ein weiteres Gebet und dann begann der blutige Teil. Das Tier wurde meist mit einem Hammerschlag betäubt und dann mit einem Messer oder einer Axt getötet. Je mehr Blut auf den Altar spritzte, umso günstiger erschien das Opfer. zum Teil fing man das Blut auch auf und besprengte den Altar damit. Es folgte die Untersuchung der Eingeweide, auch hier musste alles stimmen sonst war das Opfer ungültig. Die Eingeweide (Leber, Galle, Lunge, Herz) wurden zusammen mit einigen ausgesuchten Stücken des Fleisches wieder mit gesalzenem Mehl bestreut, gekocht, zerkleinert und anschließend im Altarfeuer verbrannt. Der Rest des Fleisches konnte dann zubereitet und von der Opfergemeinschaft verspeist werden. aus: http://www.geschichtsforum.de/223270-post3.html

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