Obwohl es mir viel besser geht, habe ich starke Suizidgedanken?

8 Antworten

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Gedanken sind resistente Parasiten - mit langer Lebensdauer.

Suizidgedanken halten sich oftmals auch noch, selbst wenn die Genesung schon fortschreitet und man sich insgesamt schon sehr viel besser fühlt. Besser fühlen heißt jedoch nicht, das bereits alles aus der Welt geschafft wurde und man schon das Ende seiner Genesung erreicht hat.

In manchen Momenten, oft sind es die ruhigen in denen man alleine ist, kommen dann doch Zweifel auf, Gedanken hoch oder man fühlt sich noch alten Zwängen ausgesetzt - der Drang sich zu übergeben oder selbstzuverletzen beispielsweise. Erfahrungen und auch alte Verhaltensweisen machen sich manchmal noch bemerkbar und zeigen sich präsenter. Die klassischen "Tiefs", die viele, manchmal auch nur für wenige Minuten, erleben am Tag.

Die Frage die daraus erst einmal resultiert ist - in welchen Momenten kommen die Suizidgedanken auf? Es ist wichtig zu wissen, was diese Gedanken "triggert" - vielleicht sind es Orte, Geräusche, Bilder, Gedanken, Gefühle, Worte et cetera die schlussendlich den Auslöser bilden, für diese Gedanken. Wenn man das ausmachen kann, dann besteht die Möglichkeit auch aktiv an diesen noch einmal zu arbeiten.

Eine Option wäre, eine "Pro-Leben" respektive "Contra-Suizid"-Liste zu führen und sich damit, gerade in Phasen wo sich die Suizidgedanken häufen, noch einmal vor Augen zu halten, was für das Leben spricht und damit gegen einen Suizid. Das beendet zwar nicht die Suizidgedanken, jedoch kannst du diesen damit wieder etwas entgegenhalten und dich gegen diese Gedanken wehren - sich ihnen "schutzlos ausliefern" ist auf Dauer reines Gift für die Psyche.

Wichtig ist, dass du diese Liste wirklich schriftlich führst, so dass du sie dir wirklich vor Augen halten kannst - jede Kleinigkeit, die das Leben lebenswert gestaltet. Es kann ungemein helfen, sich diese Aspekte des Lebens immer wieder bewusst zu machen - gerade in Momenten, wo die Stimmung abzustürzen scheint.

Womöglich wäre es die denkbar beste Option, im Rahmen deiner Therapie, dieses Thema einmal direkt anzusprechen, um sich intensiver damit beschäftigen zu können.

Auf jeden Fall ist deine Erfahrung eine, die viele andere auch erleben. Meist eben aus dem gegebenen Grund, dass man eben noch nicht ganz am Ende der Genesung angekommen ist. Es wird zwar merklich besser aber stellenweise hat man doch noch nicht mit allem abgeschlossen und sich mit seiner neuen Lebenssituation arrangiert. Über dieses Zeitraum bleiben Suizidgedanken oftmals noch ein entscheidendes Thema.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe du feierst noch weitere Erfolge in deinem Genesungsprozess.

Liebe Grüße.

Vielen Dank

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@LilliD98

Gerne. Ich möchte noch eines anbringen.

Die Angst vor diesen Gedanken und der Versuch sie zu verdrängen, zu entfernen, lässt sie meist noch präsenter werden. Aus eigener Erfahrung gesprochen, würde ich immer den Rat aussprechen, sich mit diesen Gedanken wirklich zu beschäftigen - das setzt voraus das man akzeptiert das sie da sind und ihnen auch eine "Daseinsberechtigung" zugesteht. Es lebt sich sicherlich nicht angenehm mit Suizidgedanken, jedoch wird es einfacher, wenn man sich diesen annimmt und eine Art Zwiegespräch mit ihnen führt.

Das soll heißen, dass man sich bewusst man welche Vor- und Nachteile - daher der Rat mit der Liste - diese Gedanken haben und auch welche die Handlung hätte. Wenn man dann als Fazit am Ende stehen lässt: "Nein, das ist keine Option, die ich nutzen möchte.", dann hat man sich einen Standpunkt erarbeitet, den man diesen Gedanken gegenüber stehts vertreten kann.

Auf diese Weise lösen Suizidgedanken keine [ver]wirren[den] Konflikte aus, die einen doch immer wieder zum innerlichen wanken nötigen.

Betrachte es als eine Diskussion. In diese geht man am besten vorbereitet und "siegessicher" - das nimmt die Angst vor ihr und nimmt jeder Unsicherheit den Raum.

Liebe Grüße.

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Hallo,
Du solltest jemanden haben, mit dem Du reden kannst.

Freunde, Familien und Beratungsstellen wären die richtigen Ansprechpartner.

Anonym kannst Du dich natürlich auch unterhalten, z.B. bei der Telefonseelsorge, die rund um die Uhr besetzt ist.

0800 111 0 111
0800 111 0 222

Unter https://chat.telefonseelsorge.org/index.php kannst Du dich auch mit Mitarbeitern der Telefonseelsorge online unterhalten.

Das Netzwerk von www.u25-deutschland.de wurde speziell für jung Leute unter 25 Jahren ins Leben gerufen.
Auch hier hilft man dir gerne.

Du solltest auch weiterhin psychiologische Hilfe in Anspruch nehmen.

Suizid mag zwar wie eine Lösung aussehen, aber dies ist endgültig.

Deine Familie, Freunde und Bekannten werden sich sehr oft fragen, wie es dazu kam, wie sie es hätten verhindern können und machen sich Vorwürfe.
Oft zerbrechen Familien daran.

Auch diese Hürde wirst Du noch meistern.

ich rede doch aber in der Therapie schon.

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Ich schätze, dass Freunde dir noch besser zuhören, da sie dich besser kennen.

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Ich könnte mir gut vorstellen, dass du noch ein paar viel tiefere und unbewusste Probleme hast .

Ich kenne das von mir. Ich habe lange Zeit immer irgendwelche Probleme unbewusst vorgeschoben. Als diese dann behandelt waren, ging es mir deutlich besser, allerdings kam kurz danach wieder ein Tiefpunkt.

Es hat lange gedauert bis ich gecheckt habe, was ich 'wirklich' für ein Problem hatte.

Ich weiß nicht, ob das bei dir auch der Fall sein kann.

Mehr fällt mir nicht ein.

dankeschön

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