obligatorisches zweiwöchiges schülerpraktikum

...komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Selbst Referendare an Schulen müssen ihre Zeit zunächst mit Rumsitzen und Zugucken verbringen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass man eine Praktikantin an einer VHS unterrichten lässt, denn da die Leute, die einen Kurs an einer VHS belegen, für diesen Kurs zahlen und dementsprechend auch etwas erwarten, kann man es sich nicht erlauben, den Dozenten durch einen Praktikanten zu ersetzen. Vielleicht irre ich mich aber auch; erkundige dich einfach mal an einer VHS in deiner Nähe.

Da du Saxophon spielst, käme vielleicht auch ein Praktikum an einer Musikschule infrage. Dort wird Gruppenunterricht angeboten, an dem du mitwirken könntest. Du würdest zwar auch an einer Musikschule wahrscheinlich nicht direkt lehren, aber während die Schüler üben, könntest du ihnen als erfahrene Saxophonistin unter die Arme greifen. Auch hier heißt es: sich einfach mal erkundigen. Wäre ein Schülerpraktikum möglich? Wenn ja, in welchem Bereich? Was wären deine Aufgaben?

Eventuell wäre es auch möglich, ein Praktikum im Bereich der Musiktherapie zu absolvieren. Dort wird zwar viel mit Rhythmus gearbeitet (also kommen Trommeln oft zum Einsatz), allerdings wird auch Wert auf Melodie gelegt. Meines Wissens gibt es derartige Angebote an Musikschulen. Ob man solchen Therapiesitzungen jedoch als Praktikant beiwohnen darf, weiß ich nicht.

Du könntest auch ein Praktikum im sozialen Bereich machen, sprich z. B. mit behinderten oder alten Menschen arbeiten, und dein Saxophon mit zur Arbeit nehmen. Glaub mir, viele Leute würden sich freuen; Musik ist nunmal die Sprache der Gefühle. Als ich damals ein Praktikum in einem Altenheim absolviert habe, fand ich es schade, dass ich mein Instrument nicht mitnehmen konnte - mit einem Klavier ist man eben leider nicht so mobil. ;-) Natürlich kann man da nicht den ganzen Tag rumdudeln und man sollte auch vorweg erwähnen, dass man ein Instrument beherrscht und gerne in der jeweiligen Einrichtung spielen würde, aber das versteht sich von selbst, denke ich.

Nun zu meinen Erfahrungen: Das Praktikum im Altenheim hat mir persönlich viel gebracht, vor allem, weil man mit alten Leuten auch viel Spaß haben kann - was man zunächst ja nicht unbedingt vermutet. Die beiden kleinkarierten Damen vom sozialen Dienst des Altenheims waren wenig begeistert von dem lockeren Umgang mit den Senioren - doch der Dank, die lieben Worte und die Tränen am Ende haben bewiesen, dass die alten Menschen es schön fanden, nicht wie unfähige Kleinkinder, sondern wie gleichwertige Menschen behandelt zu werden. Das Gefühl von Gleichwertigkeit hat besonders eine der beiden Frauen den alten Menschen nicht vermitteln können - sie hat geistig gesunde Menschen behandelt, als wären sie nicht bei Verstand, hat einer alten Dame ständig Bonbons geklaut (Was ist das bitte für eine Aktion?) und hat die Probleme der Menschen nicht ernst genommen. Beispielsweise hat eine ältere Frau ihr ganzes Leben lang mit ihrer Schwester zusammengewohnt, doch dann ist ihre Schwester gestorben und sie zog in ein Heim. Sie hat sehr unter dem Tod ihrer Schwester und unter dem Umzug ins Heim gelitten, doch das kümmerte niemanden. An ihrer Situation hätte man nichts verändern können, aber meine Güte, es hat nicht mal jemand mit ihr geredet... Tut mir leid, ich schweife ab. Das Heim war sauber und alles war gut organisiert. Die Tatsache, dass es ein katholisches Heim war, hat mich zunächst abgeschreckt; ich hatte schon mit klosterähnlichen Zuständen gerechnet. ;-) Nein, im Ernst, es war modern und man musste sich auch nicht 24/7 Gott widmen. Im Prinzip war es ein normales Heim, in dem zwei, drei Nonnen rumliefen.

Ich kann ein Praktikum im Altenheim nur empfehlen. Wenn man sich mit den Menschen befassen und sie nicht nur pflegen will, sollte man jedoch darauf achten, dass es im jeweiligen Altenheim auch einen sozialen Dienst bzw. etwas Ähnliches gibt, denn auch minderjährige Praktikanten dürfen in der Pflege eingesetzt werden. Sie dürfen zwar keine Arbeiten verrichten, bei dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten entstehen dürfen, aber darüber wird gern hinweggesehen. Falls dir sowas also etwas ausmachen würde, erkundige dich nach einer Tätigkeit speziell im sozialen Bereich.

Tut mir leid, dass der Text so lang geworden ist; damit habe ich am Anfang gar nicht gerechnet. Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen. :-)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von johannabr
05.10.2011, 04:33

Hallo Manguma, vielen Dank für die lange Antwort!!! Besonders gefallen hat mir dabei das mit der Musiktherapie. Ich hatte so etwas mal in einem Film gesehen, ich weiß leider nicht mehr genau welcher, aber gerade diese Stelle hat sich in mein Gehirn eingebrannt! Ich werde mal weiter nachforschen! Johanna

0

Hallo Johanna, Büro klingt vielleicht langweilig, muss es aber nicht sein. Das Praktikum ist ja dafür da, dass man unverbindlich rumprobieren kann.
Volkshochschule als Hauptberuf - ist eher selten und würde ich nicht empfehlen. Die Bezahlung fand ich als Schülerin (habe Musikunterricht an einer VHS gegeben) sehr gut. Das ganze hat mich dann aber auch überzeugt, dass ich noch was anderes machen muss. Probier doch das Praktikum im Büro - da gibt es wirklich so viele Möglichkeiten, dass es nicht langweilig werden muss. Vielleicht gibt es ja ein Beratungs / Schulungsunternehmen in Deiner Nähe, wo Du in den Betrieb reinschnuppern kannst?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?